Noch vor weniger als einem Jahr galt die südkoreanische Börse als vergleichsweise träge. Es fehlte an überzeugenden Kurstreibern, die eine nachhaltige Aufwärtsbewegung hätten rechtfertigen können. Viele südkoreanische Privatanleger blickten deshalb lieber Richtung Wall Street als nach Seoul.
Diese Gruppe privater Investoren erhielt nach und nach den Spitznamen „Seohak Ants“. „Seohak“ lässt sich sinngemäß mit „westliches Lernen“ übersetzen, während „Ants“ – also Ameisen – für die Schwärme äußerst aktiver Kleinanleger steht.
Inzwischen hat sich das Bild jedoch grundlegend gewandelt – vor allem dank zweier Technologieriesen: Samsung Electronics und SK Hynix. Beide Unternehmen zählen zu den größten Profiteuren des explosionsartigen Nachfrageanstiegs nach Hochleistungs-Speicherchips der neuen Generation, den sogenannten HBM4-Speichern. Diese Bauteile sind mittlerweile unverzichtbar für die Infrastruktur rund um künstliche Intelligenz.
Da die Nachfrage inzwischen deutlich über dem Angebot liegt, konnten die Speicherchiphersteller ihre Preissetzungsmacht massiv ausbauen. Die Folge: kräftig steigende Margen und Gewinne. Ein Szenario, das sowohl internationale Investoren als auch südkoreanische Privatanleger anzieht – insbesondere jene mit Vorliebe für schnelle Renditen.
Diese "Ameisen" stellen mittlerweile eine echte Marktmacht dar. Allein während der Montagssitzung tätigten südkoreanische Privatanleger Netto-Aktienkäufe im Wert von 2,9 Billionen Won, umgerechnet rund 1,97 Milliarden US-Dollar. Gleichzeitig trennten sich ausländische Investoren netto von Aktien im Volumen von 3,5 Billionen Won.
Begleitet wird der Boom zudem von einer zunehmenden Nutzung von Fremdkapital. Nach Angaben des südkoreanischen Financial Supervisory Service beliefen sich die kreditfinanzierten Aktieninvestitionen privater Anleger im KOSPI am 8. Mai auf 24,9 Billionen Won – und lagen damit nur knapp unter dem historischen Rekord von 25 Billionen Won Ende April.
Seit Monatsbeginn kauften Privatanleger KOSPI-Aktien im Wert von insgesamt 7,5 Billionen Won. Fast die Hälfte davon floss allein in Samsung Electronics und SK Hynix: Rund 3,7 Billionen Won konzentrierten sich auf diese beiden Werte.
Nun stellt sich die entscheidende Frage: Spiegelt die Rallye des südkoreanischen Marktes tatsächlich eine breite wirtschaftliche Dynamik wider – oder basiert sie im Wesentlichen auf der Euphorie rund um die beiden Halbleitergiganten? Genau diese Frage haben wir kürzlich in unserem Artikel Südkorea: ein Markt, zwei Trades aufgeworfen.



















