Knapp sechs Wochen Krieg im Iran sind vorerst beendet. Während US-Präsident Donald Trump den Sieg für sich beansprucht, zementiert der Waffenstillstand zwischen den USA und dem Iran laut Analysten eine harte Realität: Eine gefestigte, radikale Regierung behält die Kontrolle über die Straße von Hormus und verfügt damit über einen mächtigen Hebel gegenüber den globalen Energiemärkten und den Rivalen am Golf.

Die Schockwellen breiteten sich weit aus, verschärften die weltweiten wirtschaftlichen Spannungen und brachten den Konflikt zu den Nachbarstaaten am Golf, deren Volkswirtschaften auf Stabilität angewiesen sind.

"Dieser Krieg wird als Trumps schwerwiegende strategische Fehlkalkulation in Erinnerung bleiben. Eine, deren Folgen die Region auf unbeabsichtigte Weise neu geformt haben", sagte der Nahost-Experte Fawaz Gerges gegenüber Reuters.

Vor dem Krieg wurde die Meerenge - eine schmale Passage, durch die etwa ein Fünftel des weltweiten Öls und Gases transportiert wird - formal als internationales Gewässer behandelt. Der Iran überwachte sie, schikanierte die Schifffahrt und fing zeitweise Schiffe ab, sah jedoch davon ab, die uneingeschränkte Kontrolle zu beanspruchen.

In der neuen Realität ist Teheran dazu übergegangen, Tanker nicht mehr nur zu beschatten, sondern faktisch die Bedingungen zu diktieren. Das Land fungiert derzeit als De-facto-Torwächter der Schifffahrtsroute und entscheidet selektiv über die Durchfahrt und deren Konditionen. Der Iran beabsichtigt, von Schiffen Gebühren für die sichere Passage zu erheben.

Darüber hinaus hat der Iran unter anhaltendem Beschuss Widerstandsfähigkeit bewiesen und die Kapazität zur weiteren Eskalation bewahrt, indem er seinen Einfluss an mehreren Fronten und strategischen Engpässen geltend macht. Seine Reichweite erstreckt sich über die Hisbollah und schiitische Milizen auf den Libanon und den Irak sowie über seine Huthi-Verbündeten bis zum Bab el-Mandeb im Roten Meer.

Im Inland hat die iranische Führung die Lage weiterhin fest im Griff - obwohl die Wirtschaft des Landes am Boden liegt und weite Teile der Infrastruktur durch amerikanische und israelische Bomben in Trümmern liegen.

"Was hat der US-israelische Krieg tatsächlich erreicht?", fragte Gerges. "Einen Regimewechsel in Teheran? Nein. Die Kapitulation der Islamischen Republik? Nein. Eine Eindämmung der iranischen Bestände an hochangereichertem Uran? Nein. Ein Ende der Unterstützung Teherans für seine regionalen Verbündeten? Nein."

Der Iran habe die Schläge eingesteckt und gleichzeitig seine zentralen Machtinstrumente beibehalten - und in einigen Fällen sogar gestärkt, so vier Analysten und drei Quellen aus Regierungskreisen am Golf gegenüber Reuters.

Neben der iranischen Kontrolle über Hormus zeichne sich das politische Bild nun durch ein brutalereres, gestärktes Establishment, unkontrolliertes Nuklearmaterial, eine fortgesetzte Raketen- und Drohnenproduktion sowie die anhaltende Unterstützung regionaler Milizen aus.

In Anlehnung an Trump erkärte US-Verteidigungsminister Pete Hegseth am Mittwoch, Washington habe einen entscheidenden militärischen Sieg errungen und das iranische Raketenprogramm sei faktisch zerstört worden. Dennoch war der Iran bis kurz vor dem Waffenstillstand in der Lage, Raketen abzufeuern.

Auf Anfragen für eine Stellungnahme verwiesen das Außenministerium und das Weiße Haus Reuters auf ein Pressebriefing, in dem die Sprecherin des Weißen Hauses, Karoline Leavitt, sagte, Trumps Priorität sei die uneingeschränkte Wiederöffnung von Hormus. Sie schloss jedoch eine Zukunft, in der sich der Iran und die USA die Mauteinnahmen teilen, nicht aus.

Die Vereinigten Staaten, Israel und der Iran einigten sich am Dienstag auf den zweiwöchigen Waffenstillstand. Es wird erwartet, dass US-amerikanische und iranische Beamte ab Freitag Gespräche über eine langfristige Beilegung des Konflikts führen werden.

Während der Waffenstillstand die Kämpfe stoppen mag, hängt seine Dauerhaftigkeit laut den Beamten am Golf davon ab, ob die tiefer liegenden Konflikte angegangen werden, die die Sicherheits- und Energielandschaft der Region prägen.

Jedes Abkommen, das hinter einer umfassenden Lösung zurückbleibe, berge das Risiko, den iranischen Einfluss eher zu zementieren als einzuschränken, fügten sie hinzu.

Ebtesam Al-Ketbi, Präsidentin des Emirates Policy Center, bezeichnete den Waffenstillstand als fragile Atempause, die wahrscheinlich neue Formen der Instabilität institutionalisieren werde, sofern sie nicht weit über eine bloße Einstellung der Feindseligkeiten hinausgehe.

"Dieser Waffenstillstand ist keine Lösung, sondern ein Test der Absichten", sagte Ketbi zu Reuters. "Wenn er sich nicht zu einem breiteren Abkommen entwickelt, das die Einsatzregeln neu definiert - in Hormus und auf den verschiedenen Schauplätzen der Stellvertreterkriege -, wird er kaum mehr als eine taktische Pause vor einer gefährlicheren und komplexeren Eskalation sein."

"Wenn Trump einen Deal mit dem Iran abschließt, ohne Kernfragen wie ballistische Raketen, Drohnen, Stellvertreter, nukleare Bedenken und die Regeln für Hormus zu klären, bleibt der Konflikt faktisch ungelöst und die Region schutzlos", so Ketbi.

HORMUS IST ROTE LINIE FÜR GOLFSTAATEN

Der Iran seinerseits hat Washington Bedingungen vorgelegt, die Sanktionserleichterungen, die Anerkennung von Anreicherungsrechten, Entschädigungen für Kriegsschäden und die fortgesetzte Kontrolle über die Meerenge vorsehen - was unterstreicht, wie weit die Seiten noch voneinander entfernt sind.

Trump bestätigte den Erhalt des iranischen Plans und nannte ihn eine "brauchbare Verhandlungsgrundlage".

Für die Golfstaaten, die für ihre Ölexporte auf Hormus angewiesen sind, bleibt die Meerenge eine nicht verhandelbare rote Linie, fügte der saudische Analyst Ali Shihabi hinzu. "Jedes Ergebnis, das die Wasserstraße faktisch in iranischer Hand belässt, wäre eine Niederlage für Präsident Trump", wobei die potenziellen Auswirkungen hoher Energiepreise bis in die Zwischenwahlen hineinreichen könnten, sagte er.

Was der Krieg Teheran dennoch eröffnen könnte, so Shihabi weiter, sei die Aussicht auf eine Verhandlungslösung - möglicherweise einschließlich Sanktionserleichterungen.

Aus der Perspektive der Golfstaaten ist das Bild zutiefst beunruhigend. Das Misstrauen gegenüber dem Iran ist nach den Angriffen Teherans auf Energieanlagen und Handelszentren in der gesamten Region groß. Noch besorgniserregender ist laut Analysten, dass der Krieg Hormus in ein explizites Instrument für Druckmittel und Nötigung verwandelt hat.

Die wirtschaftlichen Einsätze sind ebenso hoch. Der Iran will im Rahmen eines dauerhaften Friedensabkommens Gebühren für Schiffe erheben, die die Schifffahrtswege von Hormus passieren - ein Schritt, der weit über den Golf hinaus Wellen schlagen und die globalen Energiemärkte sowie die wirtschaftlichen Lebensadern der Staaten am gegenüberliegenden Ufer treffen würde.

"Wenn der Iran Millionen pro Schiff extrahieren kann, sind die Auswirkungen enorm - nicht nur für den Golf, sondern für die Weltwirtschaft", sagte Ketbi. "In diesem Sinne ist das Ergebnis nicht nur ein regionaler Rückschlag, sondern eine systemische Verschiebung mit weltweiten Folgen."

Allgemeiner warnten die Analysten, dass dies einen grundlegenden Wandel der regionalen Ordnung signalisieren würde - weg von einer durch internationale Normen geregelten Meerenge hin zu einer, die faktisch von einem feindseligen Staat kontrolliert wird, der durch den Krieg gestärkt und nicht geschwächt wurde.

FORDERUNGEN DER GOLFSTAATEN

Der von Pakistan vermittelte Waffenstillstand folgte auf einen Krieg, der am 28. Februar von Trump und dem israelischen Premierminister Benjamin Netanjahu begonnen wurde. Ziel war es nach eigenen Angaben, die regionale Macht des Iran einzudämmen, sein Atomprogramm zu demontieren und die Bedingungen für einen Sturz der Machthaber durch die Iraner zu schaffen.

Beide Seiten erklärten sich zum Sieger. Trump bezeichnete den Waffenstillstand als "vollständigen und umfassenden Sieg" und sagte, die US-Streitkräfte hätten ihre Ziele erreicht, während der Oberste Nationale Sicherheitsrat des Iran behauptete, Trump habe seine Bedingungen akzeptiert.

Doch der Krieg hat den Iran bisher weder seiner Bestände an nahezu waffenfähigem angereichertem Uran noch seiner Fähigkeit beraubt, Nachbarstaaten mit Raketen und Drohnen anzugreifen. Die Führung, die vor Monaten mit einem Massenaufstand konfrontiert war, hielt dem Ansturm der Supermacht ohne Anzeichen eines Zusammenbruchs stand.

Eine Quelle am Golf sagte, die Wiederherstellung des Vertrauens zu Teheran erfordere strenge, schriftliche Verpflichtungen - keine informellen Zusicherungen -, die die Nichteinmischung, die Freiheit der Schifffahrt und die Sicherheit wichtiger Seekorridore einschließlich Hormus sowie die nationalen Sicherheitsanforderungen der Golfstaaten abdecken.

Diese Bedingungen, so die Quelle am Golf, seien den pakistanischen Vermittlern übermittelt worden, um sie in eine umfassende Regelung aufzunehmen.

Ein israelischer Beamter sagte, hochrangige Vertreter der Trump-Regierung hätten Israel zugesichert, dass sie auf den bisherigen Bedingungen bestehen würden, wie dem Abzug des iranischen Nuklearmaterials, einem Stopp der Anreicherung und der Eliminierung ballistischer Raketen.

Der pakistanische Premierminister erklärte, dass iranische und US-amerikanische Delegationen am Freitag in Islamabad zu den ersten offiziellen Friedensgesprächen seit Kriegsbeginn erwartet werden.