Zwei Prinzipien, ein Ziel: Kontrolle

Trumps Strategie beruht im Wesentlichen auf zwei Säulen. Die erste stammt aus der ideologischen Werkzeugkiste von Steve Bannon, Trumps damaligem Chefstrategen: "Flood the zone", also „die Zone fluten“. Gemeint ist eine mediale und politische Überwältigungsstrategie – ein Dauerfeuer aus Erlassen, Zollverhandlungen und Gerüchten, das Gegner orientierungslos zurücklässt. Wer die Narrative bestimmt, beherrscht das Spiel.

Die zweite Säule ist Trumps persönliche Spezialität: die Diplomatie der Zölle. Weit über den klassischen Handelsprotektionismus hinaus nutzt der Geschäftsmann im Präsidentenmantel die Zollpolitik als geopolitisches Druckmittel. Während andere Staatschefs sich mühsam durch diplomatische Protokolle hangeln, wirkt Trump in diesem selbst kreierten Chaos wie ein Fisch im Wasser – flink, wendig und schwer zu fassen.

Ein Wort genügt: Tariffs

Was entsteht, wenn man beispiellose politische Entschlossenheit, nationalistischen Eifer à la America First und das unerschütterliche Selbstbild des US-Marktes als unverzichtbares Wirtschaftsparadies kombiniert? Genau: eine explosive Mischung, die Trump auf den Punkt bringt mit dem Slogan:
„Tariff is the most beautiful word in the dictionary.“

Zölle sind nicht mehr nur ein Mittel – sie sind das Zentrum seiner gesamten Politikmaschine.

Episode 1: Bogotá – Kolumbien einknicken lassen

Kaum im Amt, droht Trump mit 25 % Einfuhrzöllen auf sämtliche kolumbianischen Produkte. Der Grund: Präsident Gustavo Petro weigert sich, zwei Militärmaschinen mit aus den USA abgeschobenen Migranten zu landen.

Wenige Tage später dann die Kehrtwende: „Die kolumbianische Regierung akzeptiert alle Bedingungen Präsident Trumps – inklusive der uneingeschränkten Rücknahme aller illegalen kolumbianischen Migranten per US-Militärflugzeug, ohne Einschränkungen oder Verzögerung“, verkündet das Weiße Haus stolz. Einschüchtern durch Besteuern – eine neue Form von Diplomatie.

Episode 2: Fentanyl – Handelskrieg oder Drogenkrieg?

Anfang Februar greift Trump zur International Emergency Economic Power Act (IEEPA), belegt Exporte aus Kanada und Mexiko mit 25 % Zoll, und schlägt bei chinesischen Waren mit 10 % zu. Der Vorwand: Kampf gegen Fentanyl. Das hat es so noch nie gegeben – ein Handelskonflikt wegen einer Droge.

Die Reaktionen fallen unterschiedlich aus: Kanada und Mexiko verschärfen die Grenzkontrollen, China präsentiert prompt einen Bericht über seine Fentanyl-Kontrollen. Ob das reicht? Der US-Handelsminister Howard Lutnick lehnt den Begriff „Handelskrieg“ ab – lieber spricht er von einem „Krieg gegen die Drogen“. Klar, der Ton macht die Musik.

Episode 3: Venezolanisches Öl – China trifft es gleich mit

Ende März droht Trump allen Ländern mit 25 % Strafzoll, die venezolanisches Öl importieren – ein direkter Seitenhieb auf China. Gleichzeitig bleibt er seiner harten Migrationslinie treu: Caracas, so Trump, lasse zu, dass Migranten nach Nordamerika strömen. Zollpolitik trifft Flüchtlingskrise – der Präsident denkt eben multipolar.

Episode 4: BRICS – Zölle gegen Anti-Amerika

Kurz vor einem BRICS-Gipfel und dem Auslaufen einer zollpolitischen Waffenruhe kündigt Trump 10 % Zoll auf Importe aus allen Ländern an, die sich „an antiamerikanischen BRICS-Politiken orientieren“. Was genau „orientieren“ heißt, bleibt offen – absichtlich.

In einem Klub, dominiert von China und Russland und voller Ambitionen, dem Westen die Stirn zu bieten, kommen solche Drohungen wenig überraschend. Trump will verhindern, dass sich ein neuer Machtblock formiert – und setzt statt diplomatischer Noten lieber auf Zollnoten.

Episode 5: Bolsonaro – Bruderliebe mit Beigeschmack

Wenige Tage nach dem BRICS-Gipfel in Brasilien hatte Jair Bolsonaro – Ex-Präsident, Trump-Fan und momentan vor Gericht – die Aussagen Trumps über die Gruppe als „unüberlegt“ bezeichnet. Der Gipfel führte jedoch weder zu Sanktionen noch zu gemeinsamen Erklärungen gegen Washington.

Bolsonaro steht wegen seiner Rolle bei der Wahl 2022 unter Druck, Trump spricht von einer „Hexenjagd“ der brasilianischen Justiz und greift erneut zum Zollhammer: Er droht mit 50 % auf brasilianische Exporte.

Episode 6: Putin – Geduld am Limit

Im jüngsten Kapitel des Trump’schen Zoll-Dramas verliert der Präsident die Geduld mit Wladimir Putin. 100 % Zoll auf russische Produkte – plus sogenannte Sekundärsanktionen gegen Länder, die weiterhin mit Moskau handeln. Deadline für den Frieden: 50 Tage. Danach sollen auch Drittländer bluten.

Die Drohung richtet sich nicht nur gegen Russland – sie gilt implizit auch für Indien, die Türkei oder afrikanische Staaten. Verhandlungen, so Trump, seien „mit dem Kongo oder Kaschmir einfacher als mit Moskau“. Und wer nicht hört, wird eben besteuert.

Ultimative Ultimaten

Seit seiner Rückkehr ins Oval Office jongliert Trump mit Zollsätzen und Ultimaten, als wären sie sein persönliches UNO-Kartendeck. Die Ukraine? „24 Stunden + 2 Wochen + 100 Tage + 2 Wochen + 2 Wochen + 50 Tage“ – die bizarre Trump’sche Friedensarithmetik.

Donald Trump hat die Zollpolitik aus dem langweiligen Kapitel der Wirtschaftsbücher gerissen – und zum Allzweckwerkzeug der Weltpolitik umfunktioniert. Wer nicht hören will, zahlt. Oder wie Trump sagen würde: „Tariff – das schönste Wort der Weltpolitik.“