Das türkische Elektroauto-Startup Togg hat am Montag eine neue Limousine vorgestellt und angekündigt, den Verkauf in Europa zu starten - zunächst in Deutschland. Damit sucht der türkische Automobilhersteller nach neuen Gewinnmöglichkeiten und nimmt den größten und zugleich hart umkämpften Automarkt der Region ins Visier.

Togg kündigte den europäischen Marktstart seines Elektro-SUVs T10X an und präsentierte gleichzeitig den T10F, eine elektrische Limousine mit fünf Türen. Bestellungen für beide Modelle können in Deutschland ab Ende September aufgegeben werden.

Preisinformationen zu den beiden Modellen wurden bislang nicht bekanntgegeben.

,,Es ist an der Zeit, in den nächsten europäischen Markt zu gehen, denn es ist eine Tatsache, dass der lokale türkische Markt nicht groß genug ist", erklärte CEO Mehmet Gurcan Karakas gegenüber Reuters in München, wo in dieser Woche die IAA, Europas größte Automesse, stattfindet.

Nach Deutschland wolle das Unternehmen laut Karakas auch Frankreich und Italien ins Visier nehmen. Mit Blick auf die wachsende Konkurrenz chinesischer Elektroautohersteller in Europa sagte er: ,,Wir sind auf diesen Wettbewerb vorbereitet."

Den Status von Togg als europäischer Hersteller sieht Karakas als Vorteil im Hinblick auf regulatorische Anforderungen.

Im vergangenen Jahr, dem ersten vollen Auslieferungsjahr, verkaufte Togg rund 30.000 Exemplare seines Elektro-SUVs T10X in der Türkei. Von Januar bis August dieses Jahres stiegen die Verkaufszahlen um 42 Prozent auf etwa 21.000 Einheiten.

Branchenexperten schätzen, dass Togg jährlich rund 200.000 Fahrzeuge verkaufen muss, um profitabel zu werden. Dies unterstreicht die Notwendigkeit für den EV-Hersteller, über den Heimatmarkt hinaus zu expandieren.

Karakas wollte sich nicht dazu äußern, wann das Unternehmen die Gewinnschwelle erreichen wird.

Mehrere andere Elektroauto-Startups, darunter Fisker, Lordstown und Arrival, sind anderswo gescheitert, obwohl Investoren einige dieser defizitären Unternehmen weiterhin finanzieren.

Der Gründer von VinFast hat erhebliche Summen in den vietnamesischen Elektroautohersteller investiert und dessen Forschungs- und Entwicklungsabteilung für 1,52 Milliarden US-Dollar übernommen, um bis Ende 2026 die Gewinnzone zu erreichen.

Der US-Elektroautohersteller Lucid erhielt rund 8 Milliarden US-Dollar vom Public Investment Fund Saudi-Arabiens, und Volkswagens Investition von 5,8 Milliarden US-Dollar in Rivian war ein Rettungsanker für das US-Startup.