Die Aktienmärkte hatten am Mittwoch kräftig zugelegt – getragen von Optimismus über eine mögliche baldige Wiederöffnung der Straße von Hormus, nachdem Berichte aufgekommen waren, wonach Washington und Teheran kurz vor einer Einigung zur Beendigung des Krieges stehen sollen.
Während die Aussicht auf ein positives Ende des Konflikts und eine Normalisierung des Schiffsverkehrs bereits teilweise in den Kursen eingepreist war, scheint vor allem die Beschleunigung des Zeitplans die Marktteilnehmer am Mittwoch positiv überrascht zu haben.
„Auch wenn eine Einigung und die Öffnung der Meerenge seit längerem in den Kursen berücksichtigt werden, hat sich der erwartete zeitliche Horizont deutlich nach vorne verschoben“, erklärt Danske Bank. „Sollte Iran dem Abkommen zustimmen, könnten Aktien weiteres Aufwärtspotenzial haben.“
Fragen nach der Berichtssaison
Neben der Hoffnung auf eine Entspannung im Nahen Osten wurde die Stimmung der Investoren zuletzt auch von einer insgesamt erfolgreichen Berichtssaison gestützt. Analysten fragen sich jedoch, wie es weitergeht, sobald dieser Kurstreiber an Wirkung verliert.
„Der wichtigste Motor der jüngsten Gewinne im S&P 500 bleibt die Berichtssaison für das erste Quartal 2026“, erklärt Linh Tran von XS.com und verweist darauf, dass mehr als 60 % der Unternehmen im S&P 500 bereits Zahlen vorgelegt haben.
„Die meisten Unternehmen haben Gewinne und Umsätze über den Erwartungen gemeldet“, betont die Marktanalystin. Das Gewinnwachstum des S&P 500 werde derzeit auf rund 27 % gegenüber dem Vorjahr geschätzt.
Allerdings befindet sich der S&P 500 laut Linh Tran nun „in einer sensibleren Phase“. Die Spielräume für eine aggressive Fortsetzung der Rally könnten begrenzter werden.
„Der Markt wird sich schrittweise von den Gewinnerwartungen hin zur Bewertung der tatsächlichen Qualität der Gewinne, der Zukunftsprognosen und der Fähigkeit der Unternehmen verlagern, ihr Wachstum in den kommenden Quartalen aufrechtzuerhalten“, erläutert sie.
McDonald’s übertrifft die Erwartungen im ersten Quartal
Unter den Unternehmenszahlen des Tages meldete der Fast-Food-Riese McDonald’s für das erste Quartal einen bereinigten Gewinn je Aktie von 2,83 US-Dollar und übertraf damit die durchschnittlichen Analystenschätzungen um rund 3 %. Hintergrund war ein dynamisches Umsatzwachstum.
Tapestry, die New Yorker Holding hinter Marken wie Coach, gab bekannt, ihre Finanzziele für das Geschäftsjahr 2025/2026 angehoben zu haben, nachdem die Prognosen im dritten Quartal übertroffen wurden.
Zu den Vorabendveröffentlichungen gehörte Fortinet, das seine Umsatz- und Gewinnprognosen für das Gesamtjahr anhob. Getragen von einer starken Nachfrage nach Cybersicherheitslösungen legte die Aktie um 24 % zu.
Datadog verzeichnet mit einem Kurssprung von 30 % den stärksten Anstieg im S&P 500. Der Konzern hob seine Jahresziele an, nachdem er im ersten Quartal die Erwartungen der Wall Street übertroffen hatte. Rückenwind kam von einer robusten Nachfrage nach seinen Cybersicherheitslösungen vor dem Hintergrund der beschleunigten Einführung künstlicher Intelligenz.
Dagegen bricht Whirlpool um 14 % ein, nachdem der Konzern enttäuschende Umsatzzahlen veröffentlicht und die Aussetzung seiner Dividende angekündigt hatte.
Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe leicht unter den Erwartungen
Bei den Konjunkturdaten meldete das US-Arbeitsministerium für die Woche bis zum 27. April 200.000 neue Anträge auf Arbeitslosenhilfe. Das entspricht einem Anstieg um 10.000 gegenüber der Vorwoche, lag jedoch unter den Konsensschätzungen von 205.000.
Die Produktivität stieg im ersten Quartal in den USA um 0,8 %, verglichen mit erwarteten 0,7 % und einem revidierten Plus von 1,6 % im Vorquartal. Die Lohnstückkosten erhöhten sich im selben Zeitraum um 2,3 %, während der Konsens bei 2,6 % gelegen hatte.
Dax scheitert an 25.000-Punkte-Marke – Rheinmetall und Healthineers unter Druck
Der Dax hat am Donnerstag trotz freundlicher Vorgaben aus Übersee den Sprung über die Marke von 25.000 Punkten verpasst. Am Nachmittag verlor der deutsche Leitindex 1,04 % auf 24.657 Punkte, während der MDax und der EuroStoxx 50 kaum verändert notierten. Anleger richten den Blick weiterhin auf die Quartalsberichte, die Entwicklung am Ölmarkt und die Lage im Iran. Aussagen von US-Präsident Donald Trump über eine mögliche Einigung im Konflikt mit dem Iran sorgten zwar für etwas Entspannung, reichten aber laut Marktbeobachtern nicht aus, um den Dax wieder in Richtung seines Rekordhochs von 25.507 Punkten zu treiben.
Unter Druck standen vor allem Rüstungswerte. Händler verwiesen auf eine eingetrübte Stimmung im Sektor angesichts möglicher Fortschritte im Nahost-Konflikt. Rheinmetall verloren 7,6 %, während BAE Systems in London um 5 % nachgaben. Die endgültigen Zahlen von Rheinmetall brachten laut Analysten keine Überraschungen mehr. Insgesamt bleibt die laufende Berichtssaison jedoch eine wichtige Stütze für die Märkte. Die Deutsche Bank sprach mit Blick auf die US-Berichtssaison sogar von einem „spektakulären“ Verlauf, da erstmals seit vier Jahren alle elf großen Sektoren ein Gewinnwachstum im Jahresvergleich erzielen dürften.
Bei den Einzelwerten überzeugte Henkel mit einem Plus von 5,4 %. Der Konsumgüterkonzern legte beim organischen Umsatz im ersten Quartal stärker zu als erwartet und bestätigte seine Jahresprognose. Ebenfalls gefragt waren Jungheinrich mit einem Kursanstieg von 3,4 % nach bestätigten Jahreszielen sowie Deutz mit plus 5,1 % nach soliden Quartalszahlen. Knorr-Bremse gewannen 1 %, gestützt von einer besser als erwarteten operativen EBIT-Marge. Im SDax sorgten starke Quartalszahlen bei Suss Microtec, GFT Technologies, PVA Tepla und SAF-Holland für Kursgewinne zwischen 6% und 9%.
Deutlich schwächer präsentierten sich dagegen Siemens Healthineers und Lanxess. Siemens Healthineers brachen nach Zahlen und einem gesenkten Ausblick um 5,1 % ein. Belastet wurden die Ergebnisse durch schwache Geschäfte in China, Zölle und negative Wechselkurseffekte. Lanxess verloren 5,7 %, nachdem der Spezialchemiekonzern einen deutlichen Rückgang des operativen Ergebnisses gemeldet hatte. Das EBITDA vor Sondereinflüssen fiel im ersten Quartal um 29,3 % auf 94 Millionen Euro. Auch Campari gerieten nach einem enttäuschenden Jahresauftakt massiv unter Druck und verloren 14,5 %. Swiss Re büßten trotz eines überraschend starken Gewinns 3,4 % ein, da Analysten die Qualität der Ergebnisse kritisch bewerteten.



















