Die wichtigsten US-Indizes verzeichnen nach einem Waffenstillstand im Nahen Osten deutliche Kursgewinne. Ein Anlass, eine zeitlose Börsenweisheit in Erinnerung zu rufen: Wer die besten Tage verpasst, bezahlt dafür einen hohen Preis. Ohne diese Ausreißer nach oben bricht die Gesamtperformance schnell ein. Genau deshalb zählt es zu den Grundprinzipien der Kapitalanlage, dauerhaft investiert zu bleiben.

Zahlen, die überzeugen

Von den 50 besten Handelstagen im S&P 500 zwischen 1996 und 2025 entfielen laut Daten von Hartford Funds 48 % auf Bärenmärkte. Mit anderen Worten: Fast jeder zweite außergewöhnlich starke Börsentag ereignete sich in einem Umfeld, das von klar negativen Trends geprägt war. Weitere 28 % dieser Spitzentage traten in den ersten beiden Monaten eines neuen Bullenmarktes auf, also in der frühen Phase einer kräftigen Erholung. Lediglich rund ein Viertel dieser Top-Performances fand in „normalen“ Marktphasen statt.

Ein anderes Beispiel verdeutlicht die Konsequenzen: Eine Anfangsinvestition von 10.000 US-Dollar im S&P 500 hätte sich zwischen 1996 und 2025 bei durchgehender Investition auf 192.167 US-Dollar erhöht. Wer jedoch nur die zehn besten Handelstage verpasst hätte, käme lediglich auf 85.490 US-Dollar – ein Minus von 56 %. Beim Verpassen der 20 besten Tage läge das Endvermögen bei 49.551 US-Dollar, bei den 30 besten Tagen sogar nur noch bei 31.123 US-Dollar. Das entspricht einem Rückgang von 84 % gegenüber der Strategie, durchgehend investiert zu bleiben. Bemerkenswert ist dabei, dass dieser Zeitraum mehrere schwere Krisen umfasste, darunter das Platzen der Dotcom-Blase im Jahr 2000, die Finanzkrise 2008 sowie den pandemiebedingten Markteinbruch.

Auch über einen kürzeren Zeitraum zeigt sich ein ähnliches Bild: Zwischen 2005 und 2024 lag die annualisierte Rendite des S&P 500 Total Return laut JPMorgan bei 10,6 %. Ohne die zehn besten Tage sinkt sie auf 6,4 %, ohne die zwanzig besten Tage sogar auf 3,7 %. Die Schlussfolgerung ist eindeutig: Wer die stärksten Aufwärtsbewegungen verpasst, schadet seiner langfristigen Performance erheblich.

Die Illusion des Market Timing

Hier zeigt sich die zentrale Schwäche des sogenannten Market Timing. In der Theorie erscheint es logisch, vor Kursrückgängen auszusteigen und vor steigenden Kursen wieder einzusteigen. In der Praxis ist dieses Vorgehen jedoch kaum umsetzbar. Die größten Kurssprünge treten meist genau dann auf, wenn die Unsicherheit am höchsten ist – also in Phasen, in denen viele Anleger eher verkaufen als kaufen.

Auch wenn sich die genannten Daten auf den US-Markt beziehen, gilt das Muster ebenso für andere Regionen, insbesondere Europa.

Die besten Handelstage des Stoxx Europe 600 in den vergangenen zehn Jahren:

  1. März 2020: +8,4 %
  2. März 2022: +4,68 %
  3. Mai 2020: +4,07 %
  4. November 2022: +3,98 %
  5. April 2025: +3,7 %
  6. Juni 2016: +3,65 %
  7. Februar 2022: +3,32 %
  8. Oktober 2022: +3,12 %
  9. März 2020: +3,09 %
  10. Juni 2016: +3,09 %