Bewohner des Gazastreifens, des Südlibanons, Nordisraels und Kuwaits gerieten diese Woche unter Beschuss, obwohl in ihren Regionen offiziell von den USA vermittelte Waffenruhen in Kraft sein sollten. 

Israelische Luftangriffe trafen den Gazastreifen und den Libanon, wobei israelische Streitkräfte an beiden Orten weiterhin aktiv im Einsatz sind. Hisbollah-Raketen schlugen in Nordisrael ein, und iranische Angriffe trafen den internationalen Flughafen von Kuwait. 

Die anhaltende Gewalt veranlasste US-Präsident Donald Trump am Mittwoch zu der Bemerkung, dass Waffenruhen im Nahen Osten eher ein 'Schiessen in gemässigterer Form' als eine völlige Einstellung der Kämpfe bedeuteten.

Drei von seiner Regierung ausgehandelte Waffenstillstände sollten die Kriegshandlungen eigentlich beenden. Doch während die grossen Gefechte deutlich nachgelassen haben, fallen weiterhin Geschosse und sterben weiterhin Menschen.

So stellt sich die Situation der Waffenruhen - und der anhaltenden Kämpfe - derzeit dar:

WIE IST DER STAND DER WAFFENRUHE IM GAZASTREIFEN?

Die Vereinigten Staaten vermittelten am 10. Oktober 2025 einen Waffenstillstand zwischen Israel und der Hamas, der die grossen Kriegshandlungen beendete.

Das Abkommen sah eine Einstellung aller Kämpfe vor, die Freilassung aller verbliebenen Geiseln im Gazastreifen durch die Hamas, die Freilassung palästinensischer Gefangener durch Israel, einen schrittweisen israelischen Rückzug, eine Aufstockung der Hilfslieferungen und die Öffnung eines Grenzübergangs nach Ägypten. 

Ein Plan Trumps zum Ausbau der Waffenruhe sollte Vereinbarungen über die Entwaffnung der Hamas, eine neue Regierung im Gazastreifen ohne Beteiligung der Gruppe, den Wiederaufbau des Gebiets und einen vollständigen israelischen Rückzug umfassen. 

Während jedoch alle Geiseln freigelassen wurden, hat sich die Menge der Hilfsgüter, die den Gazastreifen erreichen, nicht wesentlich erhöht. Die Hamas hat einer Entwaffnung nicht zugestimmt. Der Wiederaufbau hat noch nicht begonnen, und Israel hat seine Kontrolle über das Territorium ausgeweitet. 

Die israelischen Luftangriffe auf den Gazastreifen wurden fortgesetzt, wobei seit dem Waffenstillstand mehr als 900 Palästinenser getötet wurden, darunter neun am Donnerstag. Bei vereinzelten Angriffen palästinensischer Militanter wurden vier israelische Soldaten im Gazastreifen getötet. 

WARUM GEHEN DIE KÄMPFE IM LIBANON WEITER?

Nach den Kämpfen im Jahr 2024 wurde ein Waffenstillstand zwischen Israel und der vom Iran unterstützten Hisbollah im Libanon nur teilweise umgesetzt, wobei sich beide Seiten gegenseitig Verstösse vorwarfen.  

Offene Kriegshandlungen begannen erneut im März, nachdem ein Krieg gegen den Iran ausgebrochen war. Die Hisbollah feuerte auf Israel, während israelische Truppen Teile des Südlibanons besetzten und andere Gebiete mit Luftangriffen beschossen.

Trump kündigte am 16. April nach seltenen Kontakten zwischen Vertretern der israelischen und libanesischen Regierung eine zehntägige Waffenruhe im Libanon an. Im Süden hielten die intensiven Kämpfe an, doch Israel sah weitgehend von Angriffen auf Beirut ab.  

Seit dem 16. April haben israelische Angriffe hunderte Menschen getötet, womit sich die Gesamtzahl der Todesopfer seit dem 2. März laut libanesischen Behörden auf mehr als 3'500 erhöht hat. Diese Daten unterscheiden nicht zwischen Zivilisten und Kombattanten. Israel gibt an, dass seit März 26 seiner Soldaten und vier Zivilisten bei Angriffen der Hisbollah getötet wurden. 

Der Iran fordert, dass eine Waffenruhe im Libanon Teil eines Abkommens zur Beendigung seines Krieges mit den Vereinigten Staaten und Israel sowie zur Wiederöffnung der Strasse von Hormus sein muss. 

Am Mittwoch gab Trump bekannt, dass der Libanon und Israel vereinbart hätten, eine neue Waffenruhe unter der Bedingung umzusetzen, dass die Hisbollah die südlichen Gebiete verlässt. Israel erklärt, es könne trotz der Waffenruhe weiterhin Militäroperationen durchführen, und die Hisbollah hat das Abkommen abgelehnt. Die Kämpfe dauern an. 

WERDEN DIE USA UND DER IRAN IHRE WAFFENRUHE FESTIGEN?

Die USA und Israel griffen den Iran am 28. Februar an, mit dem Ziel, dessen Nuklear- und Raketenprogramme zu zerstören. Beide Länder äusserten die Hoffnung, dass das herrschende theokratische System gestürzt würde. 

Dies folgte auf einen zwölftägigen Krieg im vergangenen Jahr, in dem Israel, später unterstützt durch die Vereinigten Staaten, zahlreiche Atomanlagen und militärische Führungspersönlichkeiten des Irans angriff. 

Obwohl viele hochrangige iranische Funktionäre getötet wurden, gelang es dem Land, die Strasse von Hormus zu sperren, was die Energieexporte aus dem Golf drosselte und die Weltwirtschaft traf. 

Die Vereinigten Staaten kündigten Anfang April eine Waffenruhe mit dem Iran an, gefolgt von Gesprächen über ein dauerhaftes Ende der Feindseligkeiten, die Wiederöffnung von Hormus, das Ende einer US-Blockade iranischer Häfen und einen Weg zu Verhandlungen über das iranische Atomprogramm.

Trotz wiederholter Runden indirekter Gespräche unter Vermittlung Pakistans und Katars konnte jedoch noch keine umfassende Einigung erzielt werden. Ein Abkommen würde Verhandlungen über die Nuklearfrage wahrscheinlich auf einen späteren Zeitpunkt verschieben. 

In der Zwischenzeit haben die Parteien wiederholt das Feuer ausgetauscht, wobei der Iran diese Woche auch Golfstaaten einschliesslich Kuwait angriff. 

WARUM SIND DIE WAFFENRUHEN NICHT EFFEKTIV?

Alle drei Abkommen sind bereits in ihrer ersten Phase gescheitert, da es den Übergangsregelungen nicht gelang, den Weg zu dauerhafteren Waffenstillständen zu ebnen.

In jedem Fall waren die Kombattanten nicht bereit, schmerzhafte Zugeständnisse zu akzeptieren, die erforderlich gewesen wären, um über die erste Phase der vorläufigen Waffenruhen hinauszugehen. Zuweilen griffen sie zu militärischen Mitteln, um Ziele zu verfolgen, die sie bei Abschluss der Waffenruhen zurückstellen mussten, oder um die Grenzen der Abkommen auszutesten. 

'Wenn es keine Bewegung und keinen politischen Horizont gibt, ist es für eine Waffenruhe sehr schwierig, Bestand zu haben. Es gibt keinen wirklichen Anreiz für die Parteien, sich weiterhin daran zu halten, wenn sie nicht tatsächlich zu Veränderungen führt', sagte Urban Coningham, Research Fellow am Royal United Services Institute in London. 

Der schwindende Einfluss internationaler Gremien wie der Vereinten Nationen und das wachsende Selbstbewusstsein regionaler Mächte hätten es zudem erschwert, langfristige Vereinbarungen dauerhaft zu etablieren, fügte er hinzu.