Angesichts weltweiter Unruhen und Spannungen von Venezuela bis Iran ist das Interesse von Investoren an der Branche gewachsen, wobei die Aktien öffentlich gelisteter Rüstungskonzerne neue Rekordhöhen erreicht haben. Der europäische Luftfahrt- und Verteidigungsindex stieg laut LSEG-Daten im vergangenen Jahr um rund 55%.
Die Kursrallye wurde durch Anzeichen einer erhöhten Risikobereitschaft auf den Kapitalmärkten für Verteidigungswerte weiter bestärkt, darunter der geplante Börsengang des tschechischen Rüstungsherstellers Czechoslovak Group (CSG), einem der größten privat gehaltenen Verteidigungsunternehmen Europas.
STEIGENDE VERTEIDIGUNGSAUSGABEN IN EUROPA
Die Verteidigungsausgaben der EU-Mitgliedstaaten stiegen 2024 auf 343 Milliarden Euro (etwa 1,9% des BIP) und werden 2025 voraussichtlich 381 Milliarden Euro erreichen (rund 2,1% des BIP), während die Investitionen in die Verteidigung laut Daten des EU-Rates 2024 auf einen Rekordwert von 106 Milliarden Euro kletterten und für 2025 bei nahezu 130 Milliarden Euro liegen sollen.
Europäische Staaten erhöhen ihre Budgets in Richtung oder über das NATO-Ziel von 2% des BIP. Die Führungsspitze des Bündnisses einigte sich im Juni auf einen neuen Richtwert von 5% des BIP bis 2035, aufgeteilt in 3,5% für Kernverteidigung und 1,5% für breiter gefasste sicherheitsrelevante Ausgaben.
Deutschland schuf im März einen Sonderfonds in Höhe von 100 Milliarden Euro, um die Beschaffung zu beschleunigen. Das Parlament genehmigte Maßnahmen, die Verteidigungsausgaben über 1% des BIP von den verfassungsmäßigen Schuldenregeln ausnehmen.
Polen, der NATO-Staat mit dem höchsten Verteidigungsanteil am BIP, investierte 2024 rund 4,1% seiner Wirtschaftsleistung und strebt für 2025 etwa 4,7% an, während Frankreich, Italien und die nordischen Länder ihre Ausgaben für Luftverteidigung, Munition, Cyber- und Marineplattformen erhöhen.
IM FOKUS: VERTEIDIGUNGSCHAMPIONS UND AUFSTEIGER
Der Fokus auf Verteidigung und Luft- und Raumfahrt hat Unternehmen in der gesamten Region gestärkt, unabhängig von ihrer Größe.
Zu den etablierten Namen zählen der Flugzeugriese Airbus, die britische Verteidigungsgruppe BAE Systems, der deutsche Hersteller von gepanzerten Fahrzeugen Rheinmetall sowie das italienische Unternehmen Leonardo, das von Hubschraubern bis Elektronik ein breites Spektrum abdeckt.
Der deutsche Spezialist für Radar- und elektronische Kriegssysteme Hensoldt verzeichnet eine wachsende Nachfrage nach Technologien zur Lageerkennung und Luftüberwachung, da europäische Staaten Lücken in der Luftverteidigung schließen wollen.
Das schwedische Unternehmen Saab produziert Gripen-Kampfflugzeuge, U-Boote und Systeme für elektronische Kriegsführung; während die französischen Firmen Safran und Thales Ausrüstung für militärischen Antrieb, Verteidigungselektronik, Radar- und Cyber-Systeme liefern.
Zu den aufstrebenden Akteuren zählt der deutsche Getriebehersteller Renk Group, der 2024 an die Börse ging.


















