Warum in Lithium-Batterien investieren, wenn manche Länder ihren Strom einfach in den Bergen speichern? Zugegeben: Ohne Gebirge wird es schwierig. Doch daran mangelt es Norwegen nicht. Das Land, oft als „Batterie Europas“ bezeichnet, begann bereits 1895 mit dem Aufbau seiner Wasserkraftbasis, als der Wasserfall Paul Foss zur Versorgung des Eisenbahnnetzes erworben wurde. Nach zahlreichen Ausbauphasen wurde der norwegische Staat 1920 zum größten Eigentümer von Wasserkraftanlagen in Europa. Heute umfasst der Park 1.791 Kraftwerke. Im Jahr 2025 erzeugten sie 157,2 TWh und deckten damit 89,9% des nationalen Strombedarfs. Windkraft ergänzt diesen Mix mit 8,6%. 

(Rechts: Karte der in Betrieb befindlichen Wasserkraftanlagen; links: nicht erschlossene Gebiete - Quelle: NVE)

Neben einer nahezu vollständig erneuerbaren Stromversorgung verfügt Norwegen weiterhin über erhebliches Ausbaupotenzial. Unter Ausschluss geschützter Gebiete (54 TWh jährlich) beläuft sich das zusätzliche Potenzial derzeit auf rund 23 TWh pro Jahr, teilweise durch Modernisierung bestehender Anlagen. Die Produktion könnte somit um etwa 16% steigen. Doch während 2025 ein Rekordjahr war, deutet 2026 auf eine deutlich schwächere Entwicklung hin.

Der trockenste Winter seit Jahrzehnten

Das für seine meterhohen Schneemengen bekannte Land erlebt derzeit eine ausgeprägte Wasserknappheit. Obwohl es sich um den kältesten Winter seit 2010 handelt, fiel ungewöhnlich wenig Schnee – bedingt durch ein stabiles Hochdruckgebiet nahe Grönland. Die Wasserreserven sind auf den niedrigsten Stand seit 20 Jahren gesunken. Laut Tuomo Saloranta, Hydrologe bei der norwegischen Wasser- und Energiebehörde NVE, entspricht das einem Defizit von 25 TWh – rund ein Fünftel der Produktion von 2025.

Normalerweise exportiert Norwegen einen Teil seines Stromüberschusses nach Deutschland und Großbritannien. Diese Exporte sind laut Bloomberg in diesem Jahr jedoch um 40% beziehungsweise 50% zurückgegangen. Zwar gilt Wasserkraft als die verlässlichste Form erneuerbarer Energie, doch bleibt das System „von den Wetterbedingungen abhängig“, betont Kari Ekelund Thorud, Energie-Vizepräsidentin bei Norsk Hydro. In den nordischen Ländern zeigen sich die Folgen des Schneemangels unmittelbar: In Schweden haben sich die Strompreise in diesem Winter mehr als vervierfacht – bei gleichzeitig hoher Nachfrage aufgrund der Kälte.

Sehr ungünstiger Zeitpunkt

Zu den wetterbedingten Engpässen kommt die geopolitische Lage hinzu. Der Konflikt im Nahen Osten treibt die Gaspreise nach oben und verschärft damit die Energieknappheit in Europa. Im Vereinigten Königreich konnten starke Winde den Rückgang norwegischer Exporte teilweise kompensieren, auch wenn die Spitzenlast weiterhin überwiegend durch fossile Energien gedeckt wird.

Ein besonders aussagekräftiger Indikator für die Lage ist die sogenannte hydrologische Bilanz. Sie misst die Energiemenge, die in Schneedecken, Stauseen und Grundwasser gespeichert ist, im Vergleich zum saisonalen Durchschnitt. Ende Februar fiel diese Kennzahl auf den niedrigsten Stand seit 2011, hat sich zuletzt jedoch leicht verbessert. Traditionell zahlen norwegische Haushalte etwa halb so viel für Strom wie deutsche. Seit diesem Winter nähern sich die Preise jedoch deutlich an – ein Zeichen für stark gestiegene Produktionskosten.

Auch wenn die jüngste Verbesserung der hydrologischen Lage Hoffnung macht, ist das Problem damit nicht gelöst. Ein einzelnes Regenereignis wird nicht ausreichen, um die Defizite auszugleichen.

Auf Unternehmensseite profitiert der Sektor von der Situation. Statkraft, der größte norwegische Energieversorger mit rund einem Drittel der nationalen Produktion, meldete einen Anstieg des operativen Gewinns um 17%, getragen vor allem von höheren Strompreisen. Auch andere Akteure wie Hafslund (12–15% der Wasserkraftproduktion), mehrheitlich im Besitz der Stadt Oslo, oder A Energi (8–10%) profitieren von diesem Preisanstieg. Für Investoren bleibt der Zugang jedoch begrenzt, da sich der Großteil des Sektors in staatlicher Hand befindet.