Ludwigshafen (Reuters) - BASF kommt beim grünen Umbau eines entscheidenden Teils seiner Chemieproduktion in Ludwigshafen voran.

Der Konzern nahm am Mittwoch den Testbetrieb für die weltweit ersten elektrisch beheizten Steamcracker-Öfen an seinem Stammsitz auf. Die neue Technologie habe das Potenzial, die CO2-Emissionen bei einem der energieintensivsten chemischen Produktionsprozesse um mehr als 90 Prozent zu senken, sagte Vorstandschef Martin Brudermüller. An dem Projekt hat BASF rund drei Jahre zusammen mit dem saudischen Petrochemiekonzern Sabic und dem Industriegasekonzern Linde gearbeitet. "Diese Technologie wird ein Meilenstein bei der grünen Transformation sein", zeigte sich Brudermüller zuversichtlich.

Das Bundeswirtschaftsministerium hat das Projekt mit knapp 15 Millionen Euro gefördert. Die Höhe der Gesamtinvestitionen bezifferte BASF auf 70 Millionen Euro. Der Steamcracker ist ein Herzstück im chemischen Produktionsprozess, mit ihm werden durch die Spaltung von Rohbenzin wichtige Grundbausteine der Chemie hergestellt. Bisher werden Steamcracker mit Erdgas befeuert, um die benötigte Hitze von etwa 850 Grad Celsius zu erzeugen. BASF hatte bereits Anfang 2019 angekündigt, binnen fünf Jahren einen elektrisch beheizten Steamcracker entwickeln zu wollen, der mit Strom aus Wind- und Sonnenenergie betrieben werden soll, um den CO2-Ausstoß zu senken. Rund ein Drittel der Chemieemissionen des Unternehmens stammen aus seinen weltweit fünf Steamcrackern.

In Ludwigshafen betreibt BASF zwei Steamcracker, der erste davon wurde bereits 1965 fertiggestellt, 1980 folgte der zweite Cracker mit einer doppelt so hohen Kapazität und einer Fläche von 13 Fußballfeldern. Sie laufen rund um die Uhr. "Mit der Entwicklung von elektrisch betriebenen Steamcracker-Öfen bekommen wir Zugang zu einer Schlüsseltechnologie, die helfen kann, die Treibhausgasemissionen in der chemischen Industrie deutlich zu reduzieren", sagte Brudermüller.

Er hatte vor drei Jahren angekündigt, die CO2-Emissionen von BASF bis 2030 um 25 Prozent senken zu wollen. Bis 2050 will der weltgrößte Chemiekonzern klimaneutral sein. Eines des wichtigsten Projekte ist dabei die Entwicklung des elektrisch beheizten Steamcrackers. Der Testbetrieb mit den zwei Öfen, bei denen zwei unterschiedliche Beheizungskonzepte erprobt werden und die sechs Megawatt erneuerbare Energie verbrauchen, soll über zwei Jahre laufen, wie Brudermüller ankündigte. Sie ergänzen zunächst die bestehenden Öfen bei einem der zwei Steamcracker in Ludwigshafen. Danach werde man über das weitere Vorgehen entscheiden.

Die grüne Transformation bei BASF muss nun Brudermüllers Nachfolger, der bisheriger Asienchef und Vorstandsmitglied Markus Kamieth, weiter vorantreiben. Er übernimmt mit Ablauf der Hauptversammlung am kommenden Donnerstag das Ruder bei dem Dax-Konzern. Durch die Umstellung auf klimaneutrale Produktionsverfahren wird der Strombedarf von BASF stark ansteigen: Der Chemieriese rechnet in der Zukunft mit einer Verdoppelung bis Verdreifachung. Der Strom soll schrittweise aus erneuerbaren Quellen bezogen werden - BASF hat sich dazu bereits an zwei Mega-Windparkprojekten beteiligt.

"Es ist unser gemeinsames Ziel, zu zeigen, dass es möglich ist, die petrochemische Industrie zu elektrifizieren und einen Steamcracker mit nachhaltig erzeugtem Strom zu betreiben", sagte Linde-Engineering-Chef Jürgen Nowicki. Linde Engineering, das den Bau der Anlage verantwortete, will die Technologie bis Ende des Jahres in kommerziellen Maßstab auf den Markt bringen. Das Interesse daran sei groß.

(Bericht von Patricia Weiß, redigiert von Ralf Banser. Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)