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ANALYSE/Batterie-Investments der Autokonzerne werden politisch

24.09.2021 | 17:56

Von Stephen Wilmot

LONDON (Dow Jones)--Die Investitionen der Automobilhersteller in Batterien haben in dieser Woche eine quasi nativistische Wendung genommen: Richtung Heimat. Das ist keine überraschende Entwicklung, aber sie birgt zusätzliche Risiken.

Am Freitag kündigte Mercedes-Benz eine Beteiligung von 33 Prozent an der Automotive Cells Company an, einem europäischen Batterie-Start-up, das bis dato vom französischen Energieriesen Totalenergies, dem Mehrmarken-Autokonzern Stellantis und vor allem von der Europäischen Union unterstützt wurde. Totalenergies, Stellantis und Mercedes-Benz werden am Ende jeweils ein Drittel an einer Firma halten, die bis 2030 mindestens 7 Milliarden Euro für den Bau europäischer Zellfertigungsanlagen oder, wie Elon Musk es ausdrückt, für "Gigafactories" ausgeben will.

Mercedes-Benz hat erklärt, man werde insgesamt weniger als 1 Milliarde Euro dafür zur Verfügung stellen. Das Projekt ist entsprechend mit einer hohen Dosis an Schulden und Subventionen verbunden.

Anfang der Woche hatte bereits Ford angekündigt, der Konzern werde 50 Millionen Dollar in Redwood Materials investieren, eine kleine Firma, die das Ziel verfolgt, die komplette Lieferkette für Lithium-Ionen-Batterien in die USA zu bringen. Redwood ist die Idee des Tesla-Mitbegründers und ehemaligen Technikchefs J.B. Straubel. Das Start-up hat ähnliche ehrgeizige Pläne wie Tesla. Vergangene Woche wurde verkündet, bis 2025 wolle man genügend Batterie-Elektroden-Materialien für eine Million Elektrofahrzeuge und bis 2030 für fünf Millionen produzieren - das wäre ausreichend für fast die Hälfte der üblichen US-Fahrzeugproduktion eines Jahres.

   Das "go local" ist politisch gewollt 

In den beiden Deals geht es um sehr unterschiedliche Geschäfte, doch sie haben eins gemeinsam: Namhafte Automarken auf beiden Seiten des Atlantiks unterstützen lokale Batterieunternehmen, die nicht nur über Fabriken vor Ort verfügen, sondern auch über lokale Gründer und Eigentümer.

Ford ist in diesem Jahr bereits ein Joint Venture mit dem südkoreanischen Unternehmen SK Innovation eingegangen. Es gehört zu jener Gruppe von Unternehmen in Ostasien, die derzeit das weltweite Batteriegeschäft dominieren. Im Fall von Mercedes-Benz, wo der größte Aktionär übrigens der chinesische Automobilmilliardär Li Shufu ist, waren die wichtigsten Batterielieferanten beide Chinesen: CATL und Farasis Energy. Beide Autokonzerne brauchten die asiatischen Partner wegen ihres bewährten Know-hows und ihrer Produktionskapazitäten.

ACC und Redwood dagegen sind unerprobte Start-ups, die mit wenig mehr als großen Plänen und gut vernetzten Geldgebern aufwarten können. Beide haben jedoch politisches Gewicht, das den etablierten Firmen aus Ostasien fehlt. ACC in Europa etwa ist aus deutsch-französischen Plänen für den Aufbau eines Airbus-ähnlichen Konsortiums für Batterien hervorgegangen. Die Firma soll nach dem Willen der Initiatoren eine Säule der neuen EU-Industriestrategie werden, auf Zukunftsfeldern mit China zu konkurrieren.

   Weg von der Abhängigkeit von Ostasien 

Die USA unter Präsident Biden gehen einen ähnlichen Weg. Redwood ist mit seinem Schwerpunkt der Verlagerung von Lieferketten für Washington äußerst interessant. Derzeit sind in Amerika hergestellte Batterien in hohem Maße von der Metallerzeugung in China abhängig. Tesla zum Beispiel bezieht das Lithium für seine Autoakkus von der chinesischen Firma Ganfeng.

Wenn Ford und Mercedes-Benz-Mutterkonzern Daimler nun den politischen Prioritäten folgen, dann besteht ihr Vorteil darin, dass sie mit mehr öffentlicher Unterstützung und womöglich auch von Subventionen profitieren können. Die Autoindustrie kann im Zuge der Klimakrise ohnehin nicht darauf hoffen, der Politik zu entgehen.

Aber es gibt auch einen Nachteil: Die Autokonzerne entfernen sich von den Akteuren in Ostasien und damit ihrem Mehr an technischer Erfahrung. Vor allem Mercedes-Benz setzt seine bisher größte Batterie-Wette auf ein Unternehmen, das derzeit kaum mehr als ein Forschungs- und Entwicklungsbetrieb ist. Übrigens: Volkswagen ist mit seiner rund 20-prozentigen Beteiligung am schwedischen Batterie-Liebling Northvolt in einer ähnlichen Lage.

Heimische Batterieunternehmen in den USA und in Europa müssen gleichermaßen sehr hohe Erwartungen erfüllen.

Kontakt zum Autor: unternehmen.de@dowjones.com

DJG/DJN/rio/mgo

(END) Dow Jones Newswires

September 24, 2021 11:55 ET (15:55 GMT)

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STELLANTIS N.V. -0.07%17.56 verzögerte Kurse.19.86%
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