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ANALYSE/Drehkreuz als Stärke: Mainfirst sagt Fraport schnellere Erholung voraus

24.08.2020 | 12:25

FRANKFURT (dpa-AFX) - Die Corona-Pandemie hat den Höhenflug der Luftfahrtbranche auf Jahre hinweg gestoppt - darin sind sich Experten einig. Doch an welchen Flughäfen wird das Geschäft am schnellsten wieder anziehen? Luftfahrt-Analyst Johannes Braun von der Investmentbank Mainfirst bescheinigt dem Frankfurter Flughafenbetreiber Fraport bessere Aussichten, als es das Management von Deutschlands größtem Airport selbst tut. Der Experte empfiehlt die Aktie daher jetzt zum Kauf.

Am Montag stufte der Mainfirst-Experte die Fraport-Aktie von "Hold" auf "Buy" hoch und hob das Kursziel von 40 auf 50 Euro an. Verglichen mit dem Schlusskurs vom Freitag entspricht das neue Ziel einem Kurspotenzial von mehr als 40 Prozent. Verglichen mit den im dpa-AFX Analyser erfassten Analysten gesellte er sich mit dieser Einschätzung zu den größten Optimisten.

Nach dem Zusammenbruch des Luftverkehrs in der Corona-Krise und der zuletzt schleppenden Erholung zeigte sich der Analyst zuversichtlicher, was die Erholung von Fraports Geschäft betrifft. Die Fraport-Spitze um Vorstandschef Stefan Schulte geht für das kommende Jahr davon aus, dass das Passagieraufkommen in Frankfurt nur rund die Hälfte des Niveaus aus der Zeit vor der Pandemie erreicht. Braun hingegen rechnet damit, dass es bereits auf zwei Drittel des Vorkrisenniveaus anzieht.

Der Analyst begründet seine Einschätzung mit der Stärke des zeitweise totgesagten Drehkreuzmodells. So sei es für Fluggesellschaften wegen der anhaltend schwachen Nachfrage sinnvoll, die Passagierströme verstärkt über Großflughäfen zu leiten, damit sie ihre Maschinen möglichst gut füllen können. Direktflüge zwischen kleineren Flughäfen dürften hingegen noch für längere Zeit wegfallen, schätzt er.

Zusätzlich könnte dem Frankfurter Flughafen seine Stärke im Frachtgeschäft zugutekommen. "Frankfurt ist Lufthansas (und Europas) größtes Cargo-Drehkreuz", schreibt Braun. Die Preise für Luftfrachttransporte waren zuletzt durch die Decke gegangen, weil wegen der weitgehend weggefallenen Passagierflüge auch viel weniger Möglichkeiten für die Beiladung von Gütern gab. Lufthansa befördert in normalen Zeiten rund die Hälfte ihrer Fracht in den Bäuchen der Passagiermaschinen. Die Frachttochter Cargo profitierte vom Engpass an Kapazitäten, sie flog im zweiten Quartal wegen der Krise einen operativen Rekordgewinn ein.

Die gestiegenen Preise für Luftfracht dürften dem Lufthansa-Konzern die Passagierflüge von und nach Frankfurt finanziell wieder versüßen, schätzt Analyst Braun. Dank der hohen Frachtbeiladung könne die Airline mit einem Passagierflug ab Frankfurt deutlich leichter und mehr Geld verdienen als an anderen Flughäfen.

In den vergangenen Jahren hatten sich viele Airlines von dem Drehkreuzmodell abgewandt und verstärkt auf Direktverbindungen zwischen kleineren Flughäfen gesetzt. Statt von einem Provinz-Aiport mit einem kleineren Flugzeug zu einem Drehkreuz wie Frankfurt zu fliegen, dort in einen Großraumjet wie Boeings Jumbo 747 umzusteigen und in Übersee mit einem kleineren Flugzeug zum eigentlichen Reiseziel weiterzujetten, konnten Passagiere immer öfter Direktflüge zwischen weniger bedeutenden - aber für sie passenden - Airports nutzen.

In der Debatte um die vergleichsweise hohen Entgelte, die Fraport von Fluggesellschaften verlangt, muss sich Schulte nach Brauns Ansicht kaum Sorgen machen, dass die Lufthansa im größeren Stil weitere Maschinen aus Frankfurt abzieht und an andere Flughäfen. Der Analyst hält es sogar für möglich, dass Schulte mit seiner Absicht durchkommt, die Entgelte für die Airlines noch vor der Eröffnung des dritten Passagierterminals in Frankfurt anzuheben.

Lufthansa-Chef Carsten Spohr hatte angekündigt, starken Druck auf die Flughäfen auszuüben, um die Gebühren zu senken. Schulte hielt dem entgegen, dass man bei weniger Verkehr und daraus resultierenden Verlusten die Gebühren eigentlich anheben müsse. Andere Flughäfen haben hingegen angekündigt, die Entgelte stabil zu halten oder sogar zu senken.

Für die Fraport-Aktie spricht nach Ansicht Brauns auch der angekündigte Abbau von 3000 bis 4000 der zuletzt etwa 22 000 Jobs. Dadurch sollen die Kosten des Konzerns bis 2023 um mindestens 200 Millionen Euro schrumpfen. "Wir verstehen das so, dass das Unternehmen die Krise nutzt, um seine Kostenbasis grundsätzlich zu senken", schreibt Braun. Einen solchen umfassenden Schritt habe es bei Fraport bisher nicht gegeben. Zudem mache das Management die Umsetzung nicht von der weiteren Entwicklung der Verkehrszahlen abhängig.

Später als geplant will Fraport zudem das dritte Passagierterminal im Süden des Flughafens fertigstellen. Statt 2023 soll der Bau nun erst 2024 oder 2025 fertig sein. Das neue Fraport-Terminal in Perus Hauptstadt Lima soll später in Betrieb gehen und kleiner ausfallen als bisher geplant. Braun schätzt, dass die jährlichen Investitionen des Konzerns dadurch insgesamt 300 Millionen Euro geringer ausfallen als vor der Krise geplant.

Der Experte geht deshalb davon aus, dass Fraport schon im Gesamtjahr 2022 wieder einen positiven Barmittelzufluss erreichen kann. Bisher hatte er dies erst für 2023/2024 erwartet. Bis dahin werde die Verschuldung des Konzerns zwar weiter steigen, anschließend aber schnell wieder abschwellen, schätzt er./stw/tih/mis

Mit der Empfehlung "Buy" sieht Mainfirst auf Sicht von zwölf Monaten ein nachhaltiges Aufwärtspotenzial von mehr als 10 Prozent für die Aktie.

Analysierendes Institut Mainfirst.

Veröffentlichung der Original-Studie: 24.08.2020 / 00:56 / MESZ

Erstmalige Weitergabe der Original-Studie: 24.08.2020 / 00:56 / MESZ


© dpa-AFX 2020
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