NEW YORK (Dow Jones)--Die Wall Street ist verhalten ins neue Quartal gestartet. Der S&P-500 markiert gleichwohl das nächste Rekordhoch. Händler machen nun vor dem für Freitag anstehenden Arbeitsmarktbericht eine gewisse Zurückhaltung aus, potenziell könnten die Daten nämlich dazu beitragen, die Weichen für die künftige Geldpolitik der US-Notenbank zu stellen. Der unerwartet starke Rückgang der wöchentlichen Erstanträge auf US-Arbeitslosenhilfe bewegt indes nicht. "Die Daten sind zwar stark, der Markt wartet aber auf den großen Arbeitsmarktbericht am Freitag", sagt ein Händler. Überdies sind die Einkaufsmanagerindizes von ISM und Markit ebenso wie die Daten zu den Bauausgaben hinter den Erwartungen zurückgeblieben.

Gegen Mittag (Ortszeit New York) steigt der Dow-Jones-Index um 0,2 Prozent auf 34.577 Punkte, der S&P-500 klettert um 0,3 Prozent, während der Nasdaq-Composite um 0,1 Prozent nachgibt. Über die Frage des Zeitpunkts der Zinswende wird in den USA weiter heftig diskutiert. Zuletzt hatten sich mehrere Fed-Vertreter für 2022 ausgesprochen, nachdem eine Mehrheit der Mitglieder auf der vergangenen Sitzung noch 2023 favorisiert hatte. Die Marktzinsen hat dies aber bislang nicht nach oben bewegt. "Die Wachstumskulisse ist da, der Stimulus ist immer noch da, die Unternehmenszahlen fallen phänomenal aus", gibt sich Investmentstrategin Caroline Simmons von der UBS Global Wealth Management gleichwohl mittelfristig optimistisch. Die Konjunkturerholung in den USA könnte ihren Höhepunkt aber bereits gesehen haben, ergänzt sie.

Und es gibt auch weniger optimistische Einschätzungen. Die Märkte gelangten zu der Erkenntnis, dass das Covid-19-Virus auf absehbare Zeit zu einem dauerhaften Begleiter wird. Dieses Risiko müsse einkalkuliert werden, sagt ein Händler. Die Weltgesundheitsorganisation WHO verweist auf den Umstand, dass der Rückgang der Neuinfektionen in Europa nach zehn Wochen zu einem Ende gekommen ist. Allein in der vergangenen Woche sei ein Anstieg um 10 Prozent verzeichnet worden.


   Erdölpreise explodieren 

Die Erdölpreise marschieren unterdessen von einem Mehrjahreshoch zum nächsten und steigen am Donnerstag um rund 2 Prozent auf die höchsten Stände seit sieben Jahren. Im Handel wird auf das beginnende Treffen der Gruppe Opec+ verwiesen. Es sei schwierig, die aktuelle Mineralölnachfrage vorherzusagen. Daher könnte selbst eine Angebotsausweitung durch das Kartell zu einer Angebotsverknappung führen, heißt es. Zudem bleibe die Förderung in den USA eher verhalten - trotz der jüngsten Preisrally.

Der Dollar kommt nach anfänglichen Aufschlägen im Tagesverlauf zurück, der Dollarindex tendiert kaum verändert. Der Euro war zwischenzeitlich auf ein Zwölfwochentief gefallen, der Yen sogar auf ein 15-Monatstief. Laut Analysten zeigt die Dollar-Reaktion, dass der Markt dem datenbasierten Ansatz der US-Notenbank folge; starke Daten erhöhten die Wahrscheinlichkeit für eine straffere Geldpolitik. Am Vortag hatte der ADP-Arbeitsmarktbericht überzeugt. Der wieder nachgebende Greenback stützt den Goldpreis, der sich gut behauptet zeigt. Am Rentenmarkt ziehen die Renditen überwiegend leicht an - trotz der insgesamt durchwachsenen Konjunkturdaten.


   Micron mit Transaktion sehr schwach 

Trotz überzeugender Quartalszahlen fallen Micron Technology um 5,3 Prozent. Die Titel hatten sich zur Wochenmitte aber recht fest gezeigt. Die starke Nachfrage nach Halbleitern hat dem Konzern im dritten Geschäftsquartal einen Umsatz- und Gewinnsprung beschert. Für das Schlussquartal rechnet Micron mit weiteren Zuwächsen. Negativ wird die Transaktion mit Texas Instruments gesehen. Deren Aktien fallen um 0,8 Prozent. Das Unternehmen übernimmt von Micron Technology für 900 Millionen Dollar eine Chipfabrik in Utah. Damit erhöht Texas Instruments in der aktuell globalen Chip-Knappheit die Kapazitäten.

Die Boeing-Aktie gewinnt 0,2 Prozent. Der US-Flugzeughersteller hat mit Brian West einen neuen Finanzvorstand berufen. Er war zuvor lange Jahre bei General Electric tätig. Walgreens Boots Alliance stürzen um 5,6 Prozent ab. Die Apothekenkette kehrte in die Gewinnzone zurück und hat die Prognose angehoben. Allerdings basiert die günstige Geschäftsentwicklung auf der Sonderkonjunktur Coronapandemie, die bald enden könnte. Die Papiere des Betratungsunternehmens Franklin Covey schnellen um 11 Prozent empor. Die Gesellschaft lieferte überzeugende Geschäftszahlen und einen verbesserten Ausblick.

Die Titel der deutschen Curevac brechen um 9,5 Prozent ein. Der Corona-Impfstoff des Pharmaunternehmens weist laut abschließenden Auswertungen nur eine geringe Wirksamkeit auf. Der englische Fußballstar Jadon Sancho wechselt für eine Ablöse von 85 Millionen Euro von Borussia Dortmund zu Manchester United. Die Aktie der Briten sinkt um 0,1 Prozent.


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INDEX                zuletzt       +/- %      absolut   +/- % YTD 
DJIA               34.577,04       +0,2%        74,53      +13,0% 
S&P-500             4.311,11       +0,3%        13,61      +14,8% 
Nasdaq-Comp.       14.487,15       -0,1%       -16,80      +12,4% 
Nasdaq-100         14.529,49       -0,2%       -25,32      +12,7% 
 
US-Anleihen 
Laufzeit     Rendite  Bp zu VT  Rendite VT  +/-Bp YTD 
2 Jahre         0,25       0,0        0,25       13,4 
5 Jahre         0,90       1,3        0,89       54,3 
7 Jahre         1,25       1,1        1,24       59,8 
10 Jahre        1,47       0,8        1,47       55,7 
30 Jahre        2,09      -0,2        2,09       43,9 
 
DEVISEN              zuletzt       +/- %     Fr, 7:50   Do, 17:40    % YTD 
EUR/USD               1,1858       -0,0%       1,2096      1,2071    -2,9% 
EUR/JPY             132,2662       +0,4%     132,4629    132,2888    +4,9% 
EUR/CHF               1,0971       +0,0%       1,0943      1,0946    +1,5% 
EUR/GBP               0,8609       +0,4%       0,8606      0,8602    -3,6% 
USD/JPY             111,5410       +0,4%     109,5195    109,5875    +8,0% 
GBP/USD               1,3774       -0,4%       1,4054      1,4032    +0,8% 
USD/CNH offshore      6,4720       +0,1%       6,4405      6,4509    -0,5% 
Bitcoin 
BTC/USD            33.223,35      -4,53%    49.676,26   50.025,50   +14,4% 
 
ROHOEL               zuletzt   VT-Settl.        +/- %     +/- USD    % YTD 
WTI/Nymex              74,88       73,47        +1,9%        1,41   +54,8% 
Brent/ICE              75,63       74,62        +1,4%        1,01   +48,0% 
 
METALLE              zuletzt      Vortag        +/- %     +/- USD    % YTD 
Gold (Spot)         1.771,00    1.770,05        +0,1%       +0,95    -6,7% 
Silber (Spot)          25,99       26,13        -0,5%       -0,14    -1,5% 
Platin (Spot)       1.085,45    1.075,90        +0,9%       +9,55    +1,4% 
Kupfer-Future           4,26        4,30        -0,8%       -0,04   +20,8% 
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Kontakt zum Autor: maerkte.de@dowjones.com

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July 01, 2021 12:21 ET (16:21 GMT)