Vevey (awp) - Die Aktien von Nestlé sind nach der Zahlenbekanntgabe vor gut einer Woche regelrecht abgesackt. Konzernchef Mark Schneider hätte es auch lieber anders.

"Auch wenn wir uns mit der Kommentierung des eigenen Kurses zurückhalten, halte ich fest, dass wir mit der Entwicklung des Aktienkurses natürlich auch nicht zufrieden sind", sagte er in einem Interview mit der "Finanz und Wirtschaft" (online). Nestlé werde im Hinblick auf das operative Geschäft und die strategischen Schritte "alles unternehmen, damit wir nachhaltigen Wert für die Investoren schaffen".

Laut dem Nestlé-CEO dürfte das Volumenwachstum, das unter den Erwartungen ausgefallen ist, ein Grund für die kühle Reaktion der Investoren sein. Nach zwei Jahren mit historischen Preissteigerungen sei bei den Konsumenten vermehrt Zurückhaltung feststellbar. "Man wechselt zu günstigeren Markenalternativen, oder man wechselt von Fertiggerichten zum Selberkochen", so Schneier.

Hinzu kämen externe Faktoren: Die in den letzten zwei Jahren gestiegenen Zinsen hätten interessante Alternativen im Anleihenbereich geschaffen. Insbesondere in den vergangenen zwei Jahren habe Nestlé auch unter dem Frankenkurs gelitten. "Schweizer Investoren trifft das Währungsthema härter als ausländische. Für Letztere ist die negative Kursentwicklung zum Teil kompensiert worden durch Währungsgewinne", so der Nestlé-Chef.

Umschalten im 2024

Auch das laufende Jahr dürfte für Nestlé herausfordernd sein. "Für das Gesamtjahr 2024 müssen wir umschalten von einem organischen Wachstum, das stark preisgetrieben ist, zu einem, das mehr von Volumen und Mix getrieben ist", so Schneider. Für den Beginn des Jahres sehe man allerdings Basiseffekte, die nochmals zu einem negativen internen Realwachstum (RIG) führen könnten. Beispiele seien der Wegfall der staatlichen US-Konsumhilfen und die eigenen Lieferprobleme bei Vitaminen.

Zum Thema Marge sei die Position von Nestlé derweil "seit je unverändert", sagte der CEO weiter. Man habe immer gesagt, dass mehr als die angepeilte Bandbreite von 17,5 bis 18,5 Prozent "dauerhaft nicht drin" liege. "Einige unserer Konkurrenten haben ihre Margen in den 20er-Bereich gepusht. Doch das ist in unserer Branche nie dauerhaft."

Denn Margen könnten nicht in den Himmel wachsen. Irgendwann fälle man sonst nur noch Entscheidungen zugunsten der Marge und zulasten des Wachstums. "Das ist der Anfang vom Ende. Ich möchte kein Unternehmen der Extreme haben, sondern eines, das einen vernünftigen Mittelweg findet."

Nicht konkret äussern wollte sich der Nestlé-CEO im Interview zum Thema Aktienrückkauf oder zu einem potentiellen Abbau der L'Oréal-Beteiligung. Auch über seine eigene Zukunft wollte er nicht spekulieren.

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