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Fiat Chrysler und PSA wollen Autoriesen schmieden

30.10.2019 | 17:13

- von Giulio Piovaccari und Gwénaëlle Barzic

- von Giulio Piovaccari und Gwénaëlle Barzic

Ein weltweit führender Konzern solle entstehen, um die kostspieligen technologischen und regulatorischen Herausforderungen anzugehen, teilten FCA und PSA in einer knappen Stellungnahme mit. Anleger begrüßten die mögliche Verschmelzung des italienisch-amerikanischen Herstellers Fiat Chrysler Automobiles (FCA) mit der Nummer zwei in Frankreich mit kräftigen Kursgewinnen an den Börsen in Mailand und Paris. Auch Analysten halten es für sinnvoll, wenn mit PSA und FCA zwei europäische Autobauer angesichts des teuren Technologiewandels ihre Kräfte bündeln. Die Ratingagentur Standard & Poor's erklärte, eine Fusion verbessere die Kreditwürdigkeit der Unternehmen.

Der Plan zum Zusammenschluss mit einem Börsenwert von insgesamt etwa 45 Milliarden Euro könnte womöglich schon am Donnerstag bekanntgegeben werden, erklärte ein Insider. Zwei mit dem Vorgang Vertraute sagten, der Verwaltungsrat von FCA werde noch am Mittwochabend tagen.

FCA ist schon länger auf Partnersuche, war in der Vergangenheit aber bei General Motors abgeblitzt und musste im Sommer einen Fusionsplan mit Renault aufgeben, weil der von einem Betrugsskandal geschüttelte französische Marktführer und sein japanischer Partner Nissan uneinig waren. Auch mit Peugeot war Fiat im Frühjahr bereits im Gespräch. Mit FCA/PSA entstünde ein Schwergewicht mit zuletzt 190 Milliarden Euro Umsatz pro Jahr, 8,7 Millionen verkauften Fahrzeugen und 410.000 Beschäftigten. Gemessen am Absatz wäre es der viertgrößte Autokonzern nach Volkswagen, Toyota und Renault-Nissan, nach Umsatz die Nummer Drei nach VW und Toyota.

Ein Zusammenschluss der beiden Volumenhersteller müsste aber auch politische Akzeptanz finden: Großaktionäre von PSA sind mit jeweils gut zwölf Prozent die Familie Peugeot sowie der chinesische und der französische Staat. Bei Fiat - beherrscht von der Agnelli-Familie - dürfte auch die amerikanische Regierung ein Auge darauf haben, wer über den US-Hersteller Chrysler zu bestimmen hat - insbesondere, wenn China als Anteilseigner im Spiel ist. Die Volksrepublik ist an PSA über den Fahrzeugbauer Dongfeng beteiligt. Dieser könnte die Chance zum Ausstieg nutzen, sagten zwei Personen mit Kenntnis der Überlegungen. Dongfeng wollte sich nicht äußern.

Frankreich werde die Fusionsgespräche genau beobachten, mit einem besonderen Blick auf die Beteiligungsverhältnisse, sagte ein Insider aus dem Finanzministerium, der namentlich nicht genannt werden wollte. Ein fusionierter Konzern müsse an dem von PSA vereinbarten Konsortium für eine europäische Batteriezellenproduktion festhalten.

ZUSAMMEN STÄRKER

Nach Zeitungsberichten könnte PSA-Chef Carlos Tavares Chef des neuen Konzerns werden. Er hatte noch Anfang September auf der Automesse IAA die Idee eines Zusammengehens mit FCA für nicht notwendig erklärt. Die zwei Konzerne sind schon Partner im Nutzfahrzeug-Geschäft. Tavares verfolgt eine aggressive Wachstumsstrategie. Vor zwei Jahren erst hatten die Franzosen den Rüsselsheimer Autobauer Opel für 2,6 Milliarden Dollar von General Motors übernommen und seither die Produktion zu niedrigeren Kosten getrimmt.

Die beiden Autobauer hinkten der Konkurrenz bei Elektromobilität und autonomem Fahren hinterher, erklärte Frank Schwope, Analyst von der Norddeutschen Landesbank. Sie seien zur Kooperation gezwungen, um die Kosten zu senken. PSA passe besser zu Fiat Chrysler als Renault, erklärte wie Schwope auch Arndt Ellinghorst vom Investmentberater Evercore ISI.

PSA und FCA könnten sich Motoren und Fahrzeugarchitekturen teilen, um den Investitionsbedarf zu senken und mehr Geld in klimafreundliche Elektrofahrzeuge zu stecken. Fiat hat hier noch größeren Handlungsdruck als PSA. Von den Franzosen konnte Opel zum Beispiel beim elektrischen Corsa profitieren, der sich viel Technik mit dem E-Peugeot 208 teilt.

Der Marke Fiat geht es schon seit Jahren schlecht. Das Hauptwerk Mirafiori in Turin musste bereits Tausende Beschäftigte entlassen. Die italienische Metallgewerkschaft UILM forderte, es dürften keine Stellen gestrichen werden. Die britische Gewerkschaft Unite forderte ein Treffen mit dem PSA-Management. Die Beschäftigten bei der Opel-Schwester Vauxhall in Großbritannien seien zutiefst verunsichert, erst wegen des Brexit und jetzt noch wegen der Fusionspläne. Die IG Metall wollte sich zu den Interessen der deutschen PSA-Tochter Opel vorerst nicht äußern.


© Reuters 2019
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