Im vergangenen Jahr gehörte Renault zu den wenigen Herstellern, die ihre Prognosen trotz eines in sich zusammenbrechenden europäischen Automarkts nicht gesenkt hatten. Die Branche leidet weiter unter Kaufkraftverlusten, den Folgen zunehmender Handelskonflikte und dem wachsenden Wettbewerbsdruck aus Asien.

Gestern nun senkte Renault im Zuge der Vorlage vorläufiger Halbjahreszahlen seine Ambitionen. Der Zeitpunkt ist denkbar ungünstig: Der Abgang von Luca de Meo vor einem Monat hatte bereits für Verunsicherung unter den Anlegern gesorgt.

Besonders schwach präsentierte sich der Monat Juni. Die Verkäufe an Privat- und Gewerbekunden blieben hinter den Erwartungen zurück, das Geschäft mit Nutzfahrzeugen entwickelte sich rückläufig.

Interims-CEO Duncan Minto, bislang Finanzchef, rechnet nun mit einer operativen Marge von rund 6,5 % – nach einem zuvor angepeilten Mindestwert von 7 %. Der freie Cashflow wird zwischen 1 und 1,5 Mrd. EUR erwartet, nachdem zuvor noch 2 Mrd. EUR in Aussicht gestellt wurden.

Kein Totalschaden – aber Handlungsbedarf

Trotz der Enttäuschung ist nicht alles verloren. Renault ist im Vergleich zu vielen Wettbewerbern weniger stark China und US-Zöllen ausgesetzt. Die Konzernführung rechnet mit einer Verbesserung der Geschäftslage im zweiten Halbjahr. Dafür müssen jedoch gleich mehrere Bedingungen erfüllt werden: Das Geschäft mit Nutzfahrzeugen muss wieder anspringen, neue Modelle erfolgreich eingeführt und die Kostendisziplin konsequent eingehalten werden.

Auch die Frage nach der Nachfolge von Luca de Meo ist entscheidend für die künftige strategische Ausrichtung. Ob die 2021 eingeleitete „Renaulution“-Strategie fortgeführt oder neu justiert wird, hängt maßgeblich vom neuen CEO ab.

Ein weiterer Faktor: Die jüngste Schwäche der Aktie könnte eine mögliche Veräußerung von Renault-Anteilen durch Nissan in absehbarer Zeit weniger wahrscheinlich machen.

Schließlich könnte sich Renaults starke Fokussierung auf den europäischen Markt – rund 80 % des Umsatzes – im aktuellen protektionistischen Klima als Vorteil erweisen, insbesondere angesichts der von Donald Trump angestoßenen Handelsbarrieren.

Auch Stellantis unter Druck

Auch Stellantis bleibt von der Gewinnwarnung des Rivalen nicht unberührt. Der französisch-italienische Konzern ist im Segment der leichten Nutzfahrzeuge stark engagiert – und verliert rund 4 % an der Börse.