Samsung Electronics rechnet im Zeitraum April bis Juni mit einem operativen Gewinn von 6,3 Billionen Won (4,62 Milliarden US-Dollar), so die Prognose von LSEG SmartEstimate. Das wäre der schwächste Quartalsgewinn seit eineinhalb Jahren – verursacht vor allem durch verspätete Lieferungen fortschrittlicher Speicherchips an Nvidia, den Weltmarktführer für KI-Hardware.

Ein verpasster Wendepunkt

Diese schwache Entwicklung schürt die Sorge der Anleger hinsichtlich Samsungs Fähigkeit, mit kleineren Konkurrenten wie SK Hynix und Micron Schritt zu halten – insbesondere im Rennen um sogenannte HBM-Chips (High Bandwidth Memory), die für KI-Rechenzentren von zentraler Bedeutung sind.

Während SK Hynix und Micron vom KI-Boom profitieren, bleibt der Zugewinn für Samsung begrenzt – unter anderem wegen der hohen Abhängigkeit vom chinesischen Markt, wo der Verkauf hochentwickelter Chips US-Sanktionen unterliegt.

Analysten zufolge hinkt Samsung beim Zertifizierungsprozess seiner neuen HBM3E-Speicherchips mit 12 gestapelten Lagen (sogenannte „12-high“-Chips) für Nvidia hinterher. „Die HBM-Umsätze dürften im zweiten Quartal stabil geblieben sein, da Exportbeschränkungen nach China bestehen und Samsung seine HBM3E-Chips mit zwölf Lagen bislang nicht an Nvidia liefert“, erklärt Ryu Young-ho, leitender Analyst bei NH Investment & Securities. Er rechnet 2025 nicht mehr mit nennenswerten Volumina für Nvidia.

Im März hatte Samsung Fortschritte bei der Entwicklung dieser Chips bis spätestens Juni in Aussicht gestellt. Doch bislang fehlt eine offizielle Bestätigung zur Nvidia-Zulassung. AMD hingegen hat im Juni angekündigt, bereits erste Lieferungen erhalten zu haben.

Ob Samsung also in der vierten HBM-Generation noch die Führung übernehmen kann, bleibt offen. Angesichts immer größerer Datenmengen stehen diese Chips im Zentrum der künftigen Infrastruktur für Künstliche Intelligenz.

Stabile Smartphones, aber ein unsicheres Umfeld

Im Smartphone-Segment zeigt sich Samsung weiterhin robust. Die Nachfrage dürfte anziehen, da US-Händler im Vorfeld möglicher Zollanhebungen auf Importe außerhalb der USA Vorräte aufbauen. Beobachter gehen davon aus, dass Lagerbestände vorsorglich erhöht werden – denn Washington erwägt einen Strafzoll von 25 % auf ausländische Smartphones.

Gleichzeitig bleibt der regulatorische Druck hoch. Von Halbleitern bis zu Haushaltsgeräten: Zahlreiche Samsung-Sparten sind durch die US-Politik potenziell gefährdet – insbesondere durch Donald Trumps Vorschlag, ab dem 9. Juli pauschale „reziproke“ Zölle einzuführen.

Hinzu kommt die Möglichkeit, dass Washington bestehende Lizenzen für ausländische Chiphersteller mit Produktionsstätten in China widerruft. Auch Samsung wäre davon betroffen – was die Produktion weiter erschweren würde.

Trotz dieses schwierigen Umfelds legte die Samsung-Aktie seit Jahresbeginn um rund 19 % zu. Dieser Anstieg bleibt jedoch deutlich hinter dem KOSPI-Index zurück, der 2025 bislang um 27,3 % gestiegen ist. Damit ist Samsung unter den führenden Speicherchipherstellern derzeit das Schlusslicht in der Kursentwicklung.