Essen (Reuters) - Der Energiekonzern Shell will in Deutschland sein Geschäft mit Biomethan aus landwirtschaftlichen Abfällen ausbauen.

"Unser Ansporn ist es, das grüne Molekül in großen Mengen und zu wettbewerbsfähigen Preisen zu liefern," sagte die Geschäftsführerin von Shell Energy Deutschland, Sonja Müller-Dib, der Nachrichtenagentur Reuters in einem am Dienstag veröffentlichten Interview. Shell wolle seinen Großkunden das Öko-Gas auch aus eigenen Anlagen liefern. Beim Aufbau eines in Europa führenden Biomethangeschäfts könne Deutschland eine wesentliche Rolle spielen.

Shell plane zwei große Biomethan-Anlagen, eine im brandenburgischen Karstädt und eine im niedersächsischen Steinfeld, sagte die Managerin am Rande der Energiemesse "E-World 2024" in Essen. Die Werke sollen in der laufenden Dekade die Produktion aufnehmen und jeweils 200 bis 250 Gigawattstunden Biomethan im Jahr produzieren können. Shell wolle Biomethan aus Gülle und Mist gewinnen. Nahrungsmittel oder Getreide kämen aus Gründen der Ernährungsgerechtigkeit nicht in Frage.

EUROPÄISCHE UNION SETZT AUF HÖHERE BIOMETHAN-PRODUKTION

Biomethan kann wie Erdgas bei einer Vielzahl von Anwendungen in der Automobil-, Chemie-, Düngemittel- und Stahlindustrie oder zum dezentralen Heizen eingesetzt werden. Shell Energy beliefert zurzeit nach eigenen Angaben industrielle Großkunden und über 150 Stadtwerke mit Erdgas und Strom. Shell hatte im vergangenen Jahr für zwei Milliarden Dollar (rund 1,85 Milliarden Euro) den größten europäischen Biomethanhersteller übernommen, das dänische Unternehmen Nature Energy. Shell kann dessen Zugang zur Transportinfrastruktur für den Vertrieb in angrenzende europäische Märkte nutzen. Die Europäische Union hat als Konsequenz aus der durch den russischen Gaslieferstopp 2022 ausgelösten Energiekrise den Ausbau der Biomethanproduktion vorgeschlagen. Diese soll bis 2030 auf 35 Milliarden Kubikmeter verzehnfacht werden. Der deutsche Biomethanmarkt ist noch überschaubar. Hierzulande wurden 2023 rund eine Milliarde Kubikmeter oder 10,5 Terawattstunden (TWh) produziert. Der Gesamtbedarf Deutschlands an Gas betrug im vergangenen Jahr 813 TWh. Shell will seine Kunden auch mit grünen Wasserstoff und erneuerbaren Strom versorgen. "Wer heute Gas sagt, sagt in Zukunft Wasserstoff", erklärt Müller-Dib.

(Geschrieben von Tom Käckenhoff. Redigiert von Olaf Brenner. Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)

- von Vera Eckert