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Swisscom-Chef: Hochgehende zweite Coronawelle trifft Geschäft kaum

29.10.2020 | 13:21

Bern (awp) - Die hochschwappende zweite Coronawelle trifft das Geschäft der Swisscom kaum. Zwar muss der Telekomkonzern wegen der Reisebeschränkungen Einbussen beim Roaming und bei einzelnen kleinen Tochtergesellschaften hinnehmen.

Ansonsten sei aber das Geschäft der Swisscom trotz Corona stabil, sagte Firmenchef Urs Schaeppi am Donnerstag bei der Vorlage der Ergebnisse in den ersten neun Monaten. Das Gesamtjahr 2020 werde gut ausfallen trotz der zweiten Infektionswelle, die in der Schweiz rollt. Die Gruppe peilt im Gesamtjahr einen Umsatz von rund 11 Milliarden Franken und einen Betriebsgewinn (EBITDA) von rund 4,3 Milliarden an.

Das Verhalten der Menschen unterscheide sich noch von dem vom Frühling: Einen Anstieg der Datenvolumina durch grösseren TV- oder Streaming-Konsum am Abend wie zu Zeiten des Lockdowns sehe man noch nicht, sagte Schaeppi. Allerdings sei das Datenvolumen auch nach den Lockerungen im Juni nicht mehr auf das Niveau vor der Pandemie zurückgegangen. Viele Firmen seien nach wie vor oder bereits wieder im Homeoffice.

Preisdruck grösser als Roamingverluste

In den ersten neun Monaten hat die Swisscom 73 Millionen Franken Umsatz durch die geringere Benutzung von Handys im Ausland (Roaming) verloren. Damit machen die Roamingeinbussen etwa ein Drittel des Rückgangs beim Konzernumsatz um 226 Millionen Franken aus. Mehr zu schaffen macht dem Schweizer Branchenprimus der Preisdruck, der durch eine Flut an Sonderangeboten grösser wurde.

Insgesamt schrumpfte der Umsatz von Januar bis September um 3 Prozent auf 8,2 Milliarden Franken. Hier hat sich das Muster der Vergangenheit fortgesetzt: Die Swisscom erodiert in der Schweiz und wächst in Italien. Die italienische Breitbandtochter Fastweb fuhr mehr Umsatz und Gewinn ein.

Den Rückgang im Schweizer Kerngeschäft "konnten wir jedoch dank verbesserter Effizienz grösstenteils auffangen", erklärte Schaeppi. Dabei drückte die Swisscom weiterhin auf die Kostenbremse. So gab sie weniger für Werbung, Kundenakquisition und Kundenbindung aus. Zudem hatte sie auch tiefere Ausgaben fürs Roaming und den Einkauf von Handelswaren wie etwa Smartphones.

Gleichzeitig schrumpfte der Personalbestand. In der Schweiz baute der "blaue Riese" seit Jahresbeginn 509 Vollzeitstellen ab. Hierzulande hat die Swisscom noch 16'119 Vollzeitjobs.

Betriebsgewinn stabil

Durch die Sparmassnahmen konnte der Konzern das operative Ergebnis vor Abschreibungen und Amortisationen (EBITDA) mit 3,36 Milliarden Franken praktisch stabil halten (-0,1 Prozent). Unter dem Strich sank der Reingewinn wegen höheren Steuern leicht um 1,3 Prozent auf 1,17 Milliarden Franken. Damit über traf die Swisscom die Erwartungen der Analysten deutlich. Die Aktie stieg bis kurz nach Mittag in einem schwachen Gesamtmarkt um 1,7 Prozent.

Beim Mobilfunk stiess die Swisscom an die Decke. Bei den lukrativen Abos konnte sie zwar weiter Kunden gewinnen. Der Aderlass beim Prepaid ging allerdings weiter. Zudem konnte die Talfahrt bei den Festnetzanschlüssen gebremst werden.

Beim Ausbau der neuen Mobilfunkgeneration 5G kam die Swisscom wegen des Widerstands von Behörden und Bevölkerung kaum noch voran. Die Kapazität des Mobilfunknetzes konnte durch zusätzliche Antennen, Frequenzmanagement und Software-Upgrades im vergangenen Jahr lediglich noch um 5 Prozent erhöht werden, während das Datenvolumen etwa sechsmal schneller stieg.

Langsam verliert auch der mehrheitlich im Staatsbesitz befindliche Konzern die Geduld mit den Behörden, die an mehreren Orten 5G-Moratorien verhängt haben. Schaeppi klagte, dass die Baugesuche für Handy-Antennen nur zögerlich oder gar nicht mehr bewilligen würden.

"Es kann nicht sein, dass wir bei Einhaltung von allen Gesetzesbestimmungen und Grenzwerten einfach beim Ausbau von Technologien blockiert werden. Wir werden an gewissen Orten auch den Rechtsweg beschreiten", sagte Schaeppi, ohne Einzelheiten zu nennen. Auch die Konkurrenten Sunrise und Salt drohen mit Klagen.

Wechsel an der Spitze

Zudem meldete die Swisscom den Abgang von Verwaltungsratspräsident Hansueli Loosli, der die maximale Amtsdauer von zwölf Jahren erreicht. Zum Nachfolger wird Michael Rechsteiner vorgeschlagen, der aktuell Europa-Chef für das Gas-Power-Geschäft von General Electric ist.

Auch Finanzchef Mario Rossi räumt seinen Posten nach über zwei Jahrzehnten im Konzern. Sein Nachfolger wird per 1. März 2021 der Österreicher Eugen Stermetz, der schon seit acht Jahren für die Swisscom arbeitet.

jb/jr


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