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Thyssenkrupp will Aufzugsparte an Konsortium um Advent verkaufen

27.02.2020 | 19:27

ESSEN (awp international) - Der in Finanznöten steckende Stahl- und Industriekonzern Thyssenkrupp will seine Aufzugsparte komplett an ein Konsortium rund um die Finanzinvestoren Advent und Cinven verkaufen. Mit im Boot ist auch der Ruhrkonzern RAG, der an dem Chemiekonzern Evonik beteiligt ist. Der Preis soll bei 17,2 Milliarden Euro liegen, teilte das Unternehmen am Donnerstag in Essen mit. Neben Advent, Cinven und RAG war zuletzt noch ein Konsortium um Blackstone, Carlyle sowie dem Canadian Pension Plan im Rennen. Thyssenkrupp wird sich mit 1,25 Milliarden Euro an dem ertragreichen Geschäft rückbeteiligen. Die Aktie sprang nachbörslich um 6 Prozent an.

Mit den Erlösen soll die Sanierung Thyssens finanziert werden. So will der Konzern seine Finanzschulden senken. Konkret plant der Konzern, die Pensionsverpflichtungen des Unternehmens zum Teil auszufinanzieren. Dazu soll neben Barmitteln auch die Rückbeteiligung am Aufzuggeschäft eingesetzt werden.

Nach dem Vollzug werde die Eigenkapitalbasis deutlich gestärkt, so das Unternehmen. Thyssenkrupp strebe eine Bonitätsbewertung im Investment-Grade-Bereich an. Innerhalb von zwei Jahren soll es wieder einen positiven freien Mittelzufluss vor Akquisitionen geben, derzeit ist diese Kennziffer im tiefroten Bereich.

Die Krupp-Stiftung, Grossaktionär bei Thyssenkrupp, unterstützt den Verkauf. Der Vorstand habe nun die Aufgabe, die Erlöse "rasch und gezielt so einzusetzen, dass das Unternehmen sich erfolgreich entwickeln kann", hiess es. Thyssenkrupp müsse wieder wettbewerbs- und dividendenfähig werden.

Die Transaktion soll bis zum Ende des laufenden Geschäftsjahres 2019/20 (per Ende September) abgeschlossen werden. Dann soll auch der Kaufpreis fliessen. Die Kartellbehörden müssen dem Geschäft noch zustimmen, wobei Thyssenkrupp keine Bedenken erwartet.

Die Käufer hätten sich zu weitreichenden Standort- und Beschäftigungsgarantien verpflichtet, hiess es. Der Unternehmenssitz bleibe in Deutschland, die Arbeitnehmermitbestimmung werde fortgeführt.

Das Aufzuggeschäft ist die Ergebnisperle von Thyssenkrupp. Der Konzern schreibt derzeit Verluste und hat im vergangenen Jahr die Dividende gestrichen. Künftig soll wieder verstärkt der Stahl im Mittelpunkt stehen. Dort läuft es derzeit schlecht. Überkapazitäten, Preisdruck und eine schwache Konjunktur lasten auf der Branche. Dazu benötigt Thyssenkrupp Geld, um die Sparte zukunftsfähig zu machen und etwa die CO2-Emissionen dort in Zukunft deutlich zu senken.

Auch in den anderen Feldern wird kräftig umgebaut. Der Anlagenbau soll operativ wieder in die Spur gebracht werden. Dabei prüft Thyssenkrupp die Möglichkeit, das Geschäft mit Partnern oder unter einem neuen Dach weiterzuentwickeln, und sucht Interessenten. Das Komponentengeschäft will Thyssenkrupp in ein reines Autozuliefergeschäft umwandeln. Bislang fertigt das Unternehmen auch für andere Industrien wie etwa die Windkraft. Über Partnerschaften oder mögliche Portfolio-Massnahmen soll dann später diskutiert werden. Seine Pläne will Thyssenkrupp im Mai vorstellen.

Im ersten Quartal hatte sich die Lage bei Thyssenkrupp nochmals zugespitzt. Der Nettoverlust fiel per Ende Dezember mit 372 Millionen Euro höher aus als der Verlust im gesamten vergangenen Geschäftsjahr. Die Finanzschulden sind auf mehr als 7 Milliarden Euro gestiegen.

Die prekäre Lage ist auch das Ergebnis mehrerer Strategieschwenks innerhalb kurzer Zeit. Die lange vorbereitete Fusion der Stahlsparte mit dem europäischen Zweig des indischen Stahlkochers Tata war von der EU-Kommission schliesslich untersagt worden. Eine Aufspaltung des Konzerns in zwei Aktiengesellschaften musste abgesagt werden. Thyssenkrupp flog im vergangenen Jahr wegen massiver Kursverluste aus dem Dax . Vorstandschef Guido Kerkhoff musste nach nur gut einem Jahr im Amt seinen Hut nehmen. Im Oktober vergangenen Jahres wechselte die Aufsichtsratsvorsitzende Martina Merz als Interimschefin an die Spitze des Vorstands.

Merz, die den Konzern eigentlich höchstens zwölf Monate führen soll, hat zwei bis drei Jahre für die Sanierung veranschlagt./nas/fba


© AWP 2020
Im Artikel erwähnte Wertpapiere
%Kurs01.01.
DAX -1.78%15448.04 verzögerte Kurse.14.64%
EVONIK INDUSTRIES AG -1.30%28.07 verzögerte Kurse.6.60%
THE BLACKSTONE GROUP INC. -0.77%96.38 verzögerte Kurse.49.87%
THE CARLYLE GROUP INC. -1.47%44.14 verzögerte Kurse.42.49%
THYSSENKRUPP AG -3.24%8.42 verzögerte Kurse.7.11%
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Umsatz 2021 33 188 Mio 39 408 Mio 36 316 Mio
Nettoergebnis 2021 -134 Mio -159 Mio -147 Mio
Nettoliquidität 2021 3 769 Mio 4 475 Mio 4 124 Mio
KGV 2021 -56,6x
Dividendenrendite 2021 0,63%
Marktkapitalisierung 5 242 Mio 6 214 Mio 5 736 Mio
Marktkap. / Umsatz 2021 0,04x
Marktkap. / Umsatz 2022 0,04x
Mitarbeiterzahl 102 306
Streubesitz 61,1%
Chart THYSSENKRUPP AG
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Abstand / Durchschnittliches Kursziel 64,8%
Abstand / Niedrigstes Ziel 10,3%
Revisionen zum Gewinn je Aktie
Vorstände und Aufsichtsräte
NameTitel
Martina Merz Chief Executive Officer
Klaus Keysberg Chief Financial Officer
Siegfried Russwurm Chairman-Supervisory Board
Lothar Steinebach Independent Member-Supervisory Board
Peter Remmler Member-Supervisory Board
Branche und Wettbewerber
01.01.Marktkapitalisierung (M$)
THYSSENKRUPP AG7.11%6 455
ARCELORMITTAL29.03%30 581
NUCOR CORPORATION79.08%28 503
POSCO25.00%22 758
TATA STEEL LIMITED69.58%17 884
NIPPON STEEL CORPORATION37.80%15 804