Zürich (Reuters) - Die Schweizer Wettbewerbsbehörde hat einem Insider zufolge Bedenken bezüglich der Marktstellung der UBS in Teilen des Heimmarktes.

Die Wettbewerbskommission (Weko) habe sich in einem bisher nicht veröffentlichten Gutachten an die Finanzmarktaufsicht Finma dafür ausgesprochen, die Auswirkungen der Notübernahme der Credit Suisse durch die UBS vertieft unter die Lupe zu nehmen, sagte eine mit der Angelegenheit vertraute Person zur Nachrichtenagentur Reuters. Die Empfehlung an die Finma ist nicht bindend. Diese muss nun entscheiden, ob die wettbewerbsrechtlichen Auswirkungen des Zusammenschlusses ausführlicher geprüft werden sollen.

Im vergangenen März hatte die Schweizer Regierung die Übernahme der mit einem digitalen Bankensturm konfrontierten Credit Suisse durch die UBS orchestriert. Die größte Bankenrettung seit der Finanzkrise wurde von der Finma am Tag der Ankündigung bewilligt, die übliche formelle wettbewerbsrechtliche Prüfung durch die Weko blieb aus. Die Behörde nahm in der Folge allerdings zur wettbewerbsrechtlichen Beurteilung des Zusammenschlusses Stellung und ließ das Gutachten im Oktober der Finma zukommen. Darin habe sich die Behörde zu den Auswirkungen des Zusammenschlusses auf den Wettbewerb in bestimmten Geschäftsbereichen geäußert, erläuterte ein Sprecher. "Zudem enthält die Weko-Stellungnahme Empfehlungen an die Finma zur Förderung des Wettbewerbs." Zu Details äußerte sich der Sprecher nicht. Die Weko werde das Gutachten veröffentlichen, sobald die Finma ihre Entscheidung über eine vertiefte Prüfung gefällt habe.

"Die Prüfung der Auswirkungen des Zusammenschlusses auf den Wettbewerb ist im Gange", erklärte ein Finma-Sprecher. Wann der Entscheid gefällt werde, wollte er nicht sagen. Die UBS wollte sich nicht zu dem Weko-Gutachten äußern.

Die Stellungnahme der Weko könnte der Debatte um die Größe der Bank neue Nahrung geben. Kritikern zufolge schränkt die Übernahme der Nummer zwei durch die Nummer eins des Landes den Wettbewerb ein. Analysten zufolge dürfte die neue Riesenbank in Teilen des Schweizer Kreditmarktes eine dominante Stellung einnehmen. Daten von Dealogic zufolge kam das kombinierte Institut im Jahr 2023 im Geschäft mit Franken-Anleihen-Emissionen zudem auf einen Anteil von 45 Prozent. Konzernchef Sergio Ermotti hatte vergangenes Jahr wiederholt betont, dass im Schweizer Bankensektor ein starker Wettbewerb bestehe.

Der mit der Situation vertrauten Person zufolge haben innerhalb der Bank Diskussionen darüber begonnen, wie das Institut reagieren würde, falls die Finma der Weko-Empfehlung folgt und eine vertiefte Prüfung in Auftrag gibt. Sollte sich die Finma für eine vertiefte Prüfung aussprechen, würde erneut die Weko mit der Aufgabe betraut. Unabhängig davon darf die Weko zudem in Zukunft die Stellung der UBS in bestimmten Märkten auf wettbewerbsrechtliche Fragen hin überprüfen, wenn es dazu einen Anlass gibt.

Die Weko ist außerdem besorgt über den Pläne der UBS, die Preise für bestimmte Produkte und Dienstleistungen für Credit-Suisse-Kunden im Schweizer Geschäft und in der Vermögensverwaltung zu erhöhen, wie der Insider erklärte. Die UBS vertritt die Ansicht, dass die Credit Suisse für Kunden zu vorteilhafte Bedingungen anbot, die den Risiken nicht gerecht wurden. CEO Ermotti hatte Anfang Februar zu Analysten gesagt, dass die UBS die Preise anpassen und aus weniger profitablen Geschäften aussteigen müsse, wenn sie wieder die Renditen der alten UBS erreichen wolle. "Wir müssen auch sicherstellen, dass wir, wo immer möglich, keine Rabatte mehr gewähren. Dies wird natürlich mit der Zeit dazu beitragen, die Lücke zu schließen", sagte Ermotti.

(Bericht von Oliver Hirt und Noele Illien, redigiert von Sabine Wollrab. Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)