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ANALYSE/Amazon und Walmart haben ein Rezept für das US-Gesundheitswesen

31.05.2021 | 10:29

Von Charley Grant

NEW YORK (Dow Jones)--Die US-Konzerne haben vier Billionen gute Gründe, in das Geschäft mit dem Gesundheitswesen einzusteigen. Sie haben zwar Anreize, es umzukrempeln, aber selbst ein Tech-Genie wird das System rätselhaft finden. Die Google-Muttergesellschaft Alphabet und die Krankenhauskette HCA Healthcare etwa haben diese Woche einen Deal geschlossen. Es geht um die Entwicklung von Algorithmen, die Patientendaten nutzen, damit sich medizinische Entscheidungen besser treffen lassen und eine Verbesserung der betrieblichen Effizienz.

Zugleich baut der Bankenriese JP Morgan Chase eine neue Sparte auf, die an Gesundheitsinitiativen für seine Mitarbeiter arbeitet und 250 Millionen US-Dollar in Startups und Technologien investiert, die deren Gesundheitsversorgung effizienter und effektiver machen sollen. Währenddessen drängen die Einzelhändler Walmart und Amazon in die Telemedizin vor und verstärken ihr Angebot an Primärversorgung und pharmazeutischen Produkten.

   Apotheken leiden unter Amazon 

Die Investoren beobachten das genau. Aktien traditioneller Apotheken wie Walgreens Boots Alliance und CVS Health gaben in der vergangenen deutlich nach, nachdem Insider berichtet hatten, dass Amazon einen Vorstoß in stationäre Apotheken erwägt. Die Analysten von Morgan Stanley schätzen den gesamten von Amazon ins Auge gefassten Gesundheitsmarkt auf 119 Milliarden Dollar, verteilt auf eine Vielzahl von Dienstleistungen.

Es gibt gute Gründe für große Unternehmen, sich aus ihrer Komfortzone und in den Gesundheitsmarkt hinein zu bewegen. Sie haben nicht so viele Möglichkeiten zu wachsen, und dies ist ein naheliegendes Geschäft, um das zu versuchen. Nach Schätzungen der Branchenexperten Centers for Medicare and Medicaid Services werden die USA in diesem Jahr voraussichtlich etwa 4 Billionen Dollar für das Gesundheitswesen ausgeben - fast ein Fünftel des Bruttoinlandsprodukts. Die großen Arbeitgeber zahlen einen erheblichen Teil der Rechnung durch ihre Beiträge zu den Krankenversicherungsprämien der Arbeitnehmer. Der Vorstandsvorsitzende von JP Morgan, Jamie Dimon, setzt das US-Gesundheitssystem auf eine Liste von politischen Versäumnissen, die die US-Wirtschaft belasten.

   Immer mehr Menschen in den USA jenseits der 65 Jahre 

Die nationale Gesundheitsrechnung wird wahrscheinlich in naher Zukunft stark steigen, da die Bevölkerung altert. So geht die Gesundheitsbehörde davon aus, dass die Zahl der Amerikaner, die 65 Jahre und älter sind, bis 2028 auf 68 Millionen klettern wird, gegenüber 58 Millionen in diesem Jahr. Pandemiebedingte Verschiebungen von Routine-Arztbesuchen und optionalen chirurgischen Eingriffen könnten in den kommenden Jahren zu kränkeren Patienten führen, die eine kostenintensive Versorgung benötigen. Es hat viele Anreize gegeben, dieses verworrene System zu reparieren - ohne großen Erfolg. Ein Joint Venture zur Kostensenkung zwischen den Schwergewichten Berkshire Hathaway, JP Morgan und Amazon wurde 2018 mit großem Tamtam gestartet und verpuffte ohne große Wirkung. Die neueste Runde von Herausforderern bekommt viel zu tun.

Wegen der Konsolidierung sowohl unter den medizinischen Anbietern als auch unter den Kostenträgern sind die Preise für die medizinische Versorgung schwer aufzudecken und noch schwerer zu ändern. Derweil streben die etablierten Unternehmen wahrscheinlich danach, an großen Teilen der Einnahmen festzuhalten. Krankenhäuser, die für mehr als 1 Billion Dollar an jährlichen Ausgaben verantwortlich sind, legen die Preise über Verträge mit Versicherern fest. Große Krankenhaussysteme sind in der Lage, ihre Verhandlungsmacht auszuspielen. Sie können zum Beispiel verlangen, dass die Versicherer sie in jeden Plan aufnehmen, unabhängig davon, ob das System die niedrigsten Kosten bietet oder nicht.

   Starke Abweichungen bei den Kosten für Behandlungen und Medikamente 

Das führt dazu, dass die Preise selbst für grundlegende Leistungen dramatisch variieren, je nachdem, wer sie bezahlt. Ein Kaiserschnitt in einem kalifornischen Krankenhaus kostet zwischen 6.241 und 60.584 Dollar, wie das Wall Street Journal Anfang des Jahres berichtete. Eine Regel der Trump-Administration verlangt von den Krankenhäusern, ihre Preise zu veröffentlichen, aber die Strafe für die Nichteinhaltung beträgt nur 300 Dollar pro Tag. Künstlich hohe Kosten werden in Form von höheren Prämien und Selbstbehalten an Patienten, Arbeitgeber und Steuerzahler weitergegeben. Und da viele Amerikaner über ihren Arbeitgeber versichert sind, müssen diejenigen, die mit ihrem Plan unzufrieden sind, möglicherweise den Arbeitsplatz wechseln, um einen besseren zu bekommen.

Eine ähnliche Dynamik findet auch in anderen Bereichen des Marktes statt. Nehmen Sie Generika, die dramatisch billiger als Markenmedikamente sein können und erschwinglicher sind, wenn sie direkt gekauft werden. "In fast 30 Prozent der Fälle sparen Patienten Geld, wenn sie bar bezahlen, anstatt ihre Versicherung zu nutzen. Dass dies überhaupt der Fall ist, zeigt, wie verkorkst das derzeitige System wirklich ist", argumentiert Zach Reitano, Chef des Barzahlungs-Startups Ro. Fast neun von zehn Verschreibungen werden für Generika ausgestellt.

   Walmart und Amazon fangen nicht bei null an 

Um darauf zu reagieren, haben große Versicherer ihre eigenen ambulanten Operationszentren und Arztpraxen erworben. CVS Health hat mit der Übernahme von Aetna 2018 das Versicherungs- und Apothekengeschäft unter ein Dach gebracht. Aber diese Veränderungen haben die Konzentration in der Branche nur verstärkt.

Zugegeben, die Außenseiter fangen nicht ganz bei null an. Walmart ist bereits heute einer der größten Akteure bei stationären Apotheken in den USA und bietet einige Primärversorgungsdienste an. Amazon hat in den vergangenen Jahren stark in sein Online-Apothekenangebot investiert. Doch auch dort sind die etablierten Unternehmen der Branche noch mit drin. Amazons Apotheken-Sparvorteil für Mitglieder seines Prime-Dienstes wird von einer Tochtergesellschaft des Versicherers Cigna verwaltet.

Außenseiter könnten sich ein Stück vom 4-Billionen-Dollar-Kuchen schnappen. Man sollte sich aber nicht allzu große Hoffnungen machen, dass sie ihn schrumpfen lassen.

Kontakt zum Autor: unternehmen.de@dowjones.com

DJG/DJN/axw/uxd

(END) Dow Jones Newswires

May 31, 2021 04:28 ET (08:28 GMT)

Im Artikel erwähnte Wertpapiere
%Kurs01.01.
ALPHABET INC. 0.71%2844.3 verzögerte Kurse.61.15%
AMAZON.COM, INC. 0.28%3425.52 verzögerte Kurse.3.78%
BERKSHIRE HATHAWAY INC. -0.07%418101 verzögerte Kurse.20.29%
CVS HEALTH CORPORATION -0.18%84.71 verzögerte Kurse.24.25%
DJ INDUSTRIAL 0.10%34798 verzögerte Kurse.11.93%
HCA HEALTHCARE, INC. 0.31%256.33 verzögerte Kurse.55.38%
JPMORGAN CHASE & CO. 1.15%163.04 verzögerte Kurse.22.70%
MORGAN STANLEY -0.62%102.91 verzögerte Kurse.51.10%
S&P 500 0.15%4455.48 verzögerte Kurse.17.03%
WALGREENS BOOTS ALLIANCE, INC. -0.31%48.31 verzögerte Kurse.21.51%
WALMART INC. 0.28%143.17 verzögerte Kurse.-0.96%
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KGV 2022 26,8x
Dividendenrendite 2022 1,55%
Marktkapitalisierung 399 Mrd. 399 Mrd. 369 Mrd.
Marktkap. / Umsatz 2022 0,77x
Marktkap. / Umsatz 2023 0,75x
Mitarbeiterzahl 2 300 000
Streubesitz 50,5%
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Brett M. Biggs Chief Financial Officer & Executive Vice President
Gregory B. Penner Non-Executive Chairman
Clay Johnson Enterprise Chief Information Officer & EVP
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Branche und Wettbewerber
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