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Börse Frankfurt-News: Abseits der Krise (Auslandsaktien)

07.08.2020 | 09:03

FRANKFURT (DEUTSCHE-BOERSE AG) - Mit neuen Technologien navigieren skandinavische Unternehmen wie Hexagon Composites, Volvo, Ericsson und Vow ganz gut durch die Krise. Auch beim Zuchtlachs-Produzenten Mowi laufen die Geschäfte wieder.

6. August 2020. FRANKFURT (Börse Frankfurt). Wer in diesem Jahr auf Aktien aus dem hohen Norden vertraute, hatte statistisch betrachtet einen recht guten Riecher. Der dänischeOMX Copenhagen liegt seit Anfang Januar rund 14 Prozent im Plus und stellt damit viele Indizes anderer Länder in den Schatten. Der schwedische OMX Stockholm schaffte es immerhin, die Corona-Verluste nahezu wieder wettzumachen.

Hexagon Composites: Wasserstoff-Boom stützt das Geschäft

Mit einem Minus von etwa 9 Prozent im Vergleich zum Jahresbeginn hinkt der norwegische OBX zwar etwas hinterher. Von dieser Entwicklung scheint die Aktie von Hexagon Composites (WKN 904953) aber losgelöst. Der Wert erreichte im Juli mit 4,96 Euro einen neuen Rekord und notiert aktuell um 4,41 Euro. "Das Unternehmen profitiert von den Entwicklungen in der Wasserstofftechnologie", begründet Walter Vorhauser den rasanten Anstieg. Länder wie China, Japan und Südkorea investierten massiv in den Zukunftsmarkt. Vor wenigen Wochen hätte sich zudem die EU mit dem "Green Deal" klar für einen Ausbau der Wasserstofftechnologie ausgesprochen. Deutschland ziele gar darauf ab, auf dem Gebiet künftig eine führende Rolle einzunehmen.

"Wasserstoff gilt als Öl der Zukunft", stellt der Händler der Oddo Seydler Bank fest. Als international tätiger Lieferant von Composite Hochdruckbehältern für Gas-Anwendungen habe Hexagon bereits eine Reihe lukrativer Aufträge an Land gezogen. Der jüngste umfasse die Lieferung von Hochleistungs-Druckbehältern aus Verbundwerkstoffen des Typs 4 für Trägerraketen im Gegenwert von 5,2 Millionen US-Dollar. 4,8 Millionen US-Dollar werde die im Juli verkündete Bestellung für mehrere Transportmodule zur Verteilung von Hochdruck-Wasserstoff-Gas für einen großen US-Wasserstoff-Lieferanten und -Tankstellenbetreiber einbringen. Am 12. August veröffentlicht Hexagon Composites die Zahlen für das zweite Quartal.

Volvo: Angriff auf Tesla

Volvo (WKN 871229) arbeitete sich mit geringeren Einbußen als andere Autobauer durch die Pandemie und überflügelte mit einem satten Plus von 14 Prozent im Juli die Vorjahreszahlen. Für Marc Richter von der Baader Bank profitieren die Schweden besonders vom Zusammenschluss mit Geely vor zehn Jahren. "Die Forschung, Entwicklung und Produktion laufen unternehmensweit zusammen." Die Kooperation funktioniere gut. Mit dem in China produzierten Polestar 2 wolle Volvo nun Marktanteile von Teslas Model 3 abgreifen. Seit Juli gibt es das Fahrzeug in Schweden, im August sollen Deutschland, Niederlande und Norwegen folgen. Richter sieht Volvo im Elektrobereich gut aufgestellt. Die Volvo-Aktie arbeitet sich mit 15,40 Euro schrittweise wieder an das Vorkrisenniveau heran.

Ericsson: Mit Hochdruck Richtung 5G

Mit der hohen Nachfrage nach Produkten für den Aufbau von 5G steuerte Ericsson (WKN 850001) ganz gut durch die Pandemie. Bei im Vorjahresvergleich stabilen Umsätzen schafften die Norweger im zweiten Quartal gar eine überraschende Gewinnsteigerung um rund 3 Prozent, wie Richter anmerkt. "Nach Ausgabe der Zahlen Mitte Juli schoss die Aktie nach oben und liegt mit etwas unter zehn Euro deutlich über dem Vor-Corona-Niveau." Die engere Zusammenarbeit mit der Telecom könnte dem Papier nach Ansicht Richters weiteren Auftrieb geben. "Bestehende Vorbehalte gegen die Einbindung von Huawei beim 5G-Aufbau spielt den Norwegern ebenfalls in die Karten."

Vow: Zukunftstechnologien

Nachhaltigkeit auf hoher See ist ein Thema, dem sich Vow (WKN A111AY) in steigendem Maße widmet, wie Richter anmerkt. Vor wenigen Wochen habe der Norweger einen Großauftrag erhalten. Für 7,8 Millionen Euro soll das Unternehmen an einen europäischen Schiffsbauer Technologien für die Wasseraufbereitung, Abfallbe- und -verarbeitung für zwei große Kreuzfahrschiffe liefern. "Vow hat ein Verfahren entwickelt, mit dem aus Plastik Öl hergestellt werden kann." Damit würde ein Anreiz geschaffen, von der Müllentsorgung in die Weltmeere wegzukommen. "100 Schiffe sind bereits umgerüstet." Die Aktie von Vow bewegt sich mit zwei Euro immer noch deutlich unter dem Vorkrisenniveau. Richter sieht in der Aktie Aufwärtspotenzial, warnt aber vor hoher Schwankungsanfälligkeit.

Mowi: Margen steigen wieder

Als einer der größten Produzenten von Zuchtlachs bereitete Mowi (WKN 924848) seinen Anteilseignern während der Corona-Lockdowns wenig Freude. "Der Konzern musste fallende Lachspreise hinnehmen und setzte die Dividende vorerst aus", erklärt Vorhauser. Mittlerweile liefen die Geschäfte des norwegischen Nahrungsmittelkonzerns mit seinen knapp 15.000 Mitarbeitern weltweit wieder runder. "Die im Juli veröffentlichten Zahlen für das zweite Quartal überraschten positiv." Statt der prognostizierten 102.500 habe Mowi 104.000 Tonnen Lachs produziert und damit vor Steuern 96 Millionen Euro verdient. Gerechnet hätten Analysten mit 77 Millionen Euro. "Abgesehen von Kanada steigen die Margen überall." Besonders hohe Erlöse erziele Mowi derzeit in Irland und den Färöer-Inseln. Das anziehende Geschäft spiegele sich im Aktienverlauf wider. Nach der Bodenbildung notiert der Wert aktuell mit rund 16 Euro wieder etwas darüber.

Von: Iris Merker

6. August 2020, © Deutsche Börse AG

(Für den Inhalt der Kolumne ist allein Deutsche Börse AG verantwortlich. Die Beiträge sind keine Aufforderung zum Kauf und Verkauf von Wertpapieren oder anderen Vermögenswerten.)


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