Zürich (awp) - Der Schweizer Aktienmarkt setzt seine Konsolidierungstendenz vom Wochenstart auch am Dienstag fort. Mit einer Spanne von nicht einmal 40 Punkten sei der Markt mit einem "Ruhepuls" unterwegs, kommentiert ein Händler. Generell scheine die Risikobereitschaft der Investoren derzeit nachzulassen. Dies zeige sich auch daran, dass die Märkte auch in Europa nicht nur an Richtung verloren haben - auch die Volatilität habe abgenommen.

"Die grosse Frage, die sich den Anlegern stellt, lautet: Stehen die Aktienmärkte nach den jüngsten Avancen vor einer Korrektur oder ist die derzeitige Konsolidierung nur eine Verschnaufpause vor dem Erreichen neuer Höchststände?", fasst ein Börsianer zusammen. Während aus technischer Sicht eine Korrektur durchaus wahrscheinlich sei, sprächen die makroökonomischen Daten eine andere Sprache. Im Tagesverlauf wird sich EZB-Präsidentin Christine Lagarde zu Wort melden und am Abend wird das Sitzungsprotokoll der letzten Fed-Sitzung veröffentlicht. Im Vorfeld könnten Anleger es auch vorziehen, sich zurückzulehnen und die weiteren Entwicklungen abzuwarten.

Der Leitindex SMI gewinnt gegen 11.15 Uhr 0,20 Prozent hinzu auf 10'762,28 Punkte. Der 30 Titel umfassende SLI steigt um 0,23 Prozent auf 1708,07 und der breite SPI um 0,13 Prozent auf 14'133,03 Zähler. Im SLI gewinnen 16 hinzu und 12 geben nach. Richemont und Partners Group sind unverändert.

Sonova (+6,3%) führen mit einem klaren Vorsprung das Gewinnerfeld an. Nach einer verhaltenen ersten Jahreshälfte war der Hörgerätehersteller zwar gezwungen, seine diesjährigen EBITA-Ziele nach unten anzupassen. Die Anleger sind jedoch erleichtert, dass die Zahlen nicht noch schlechter ausgefallen sind.

Holcim und Logitech folgen mit Kursgewinnen von jeweils mehr als 1 Prozent. Bei Holcim verweisen Börsianer darauf, dass die Papiere seit Mitte Oktober steil nach oben zeigen und innerhalb eines Monats fast 15 Prozent zugelegt haben. Neben den jüngsten Geschäftszahlen dürfte hier die Überwindung der 60-Franken-Marke auch für eine gewisse Stütze sorgen, erklärt ein Charttechniker.

Bei Logitech wiederum gehen Händler davon aus, dass die am Abend nach Börsenschluss anstehenden Zahlen vom US-Konzern Nvidia leicht stützen. Bereits am Vorabend waren die Aktien der US-Firma auf ein Rekordhoch gestiegen. Bereits bei den Zahlen zum zweiten Quartal hatte Nvidia einen regelrechten Branchenboom ausgelöst. Allerdings warnen vorsichtige Stimmen auch, dass schon eine leichte Enttäuschung ausreichen dürfte, um eine kräftige Abwärtsbewegung auszulösen.

Als Stütze für den Gesamtmarkt erweisen sich auch die Kursgewinne der beiden Schwergewichte Nestlé (+0,5%) und Novartis (+0,2%). Dagegen geht es für die Roche-Bons um 0,1 Prozent abwärts und die Inhaber geben sogar mehr als 1 Prozent ab.

Stärker fallen nur noch Julius Bär (-2,0%) zurück. Sie setzen die Kursschwäche vom Vortag (-12%) fort. Nach den enttäuscht aufgenommenen Zahlen und einer Wertberichtigung im Kredit-Portfolio haben nun zahlreiche Analysten mit Kurszielsenkungen reagiert.

Trotz starker Daten zu den Uhrenexporten geht es für die beiden heimischen Hersteller Richemont (unv.) und Swatch (-1,3%) abwärts. Laut ZKB fielen die Uhrenexporte etwas schwächer als erwartet aus. Bei RBC machen die Experten im Bereich der Luxusgüter einen gewissen Druck aus, der tendenziell belastend sein könnte.

Es sind aber vor allem Unternehmen aus den hinteren Reihen, die mit starken Ausschlägen in den Fokus rücken. So brechen Evolva um 75 Prozent auf 0,96 Franken ein. Das Biotechunternehmen verkauft seine Aktivitäten an Lallemand und wird von Börse verschwinden. Die Liquidationsdividende soll zwischen 70 Rappen und 2,40 Franken liegen.

Im Kielwasser sacken auch Kinarus (-50%) und Spexis (-14%) ab. Beide Unternehmen mussten zuletzt wegen Finanzierungsproblemen das Handtuch werfen.

U-Blox (-12%) werden nach angekündigter Restrukturierung und einem Abschreiber verkauft. Die Ankündigung des Thalwiler Halbleiterunternehmens, dass 2024 ein Übergangsjahr werde, gefällt den Investoren nicht.

hr/ra