Zürich (awp) - Der Schweizer Aktienmarkt hat am Freitag - dem zweiten kleinen Verfallstermin des Jahres - zum vierten Mal in dieser Woche zugelegt. Das Tageshoch vom frühen Nachmittag vermochte der Leitindex SMI indes nach der Publikation der Produzentenpreise in den USA nicht zu halten. Diese zeigten laut Analysten ein ähnliches Bild wie schon die Konsumentenpreise am vergangenen Dienstag. Die Inflation ist hartnäckiger als gedacht und mit raschen Zinssenkungen der US-Notenbank ist deshalb nicht zu rechnen.

Insgesamt blieb die Stimmung aber freundlich. Die Investoren würden derzeit für alle Konjunkturdaten ein positives Narrativ finden, hiess es etwa in einem Marktkommentar der Online-Bank Swissquote mit Blick auf die von einem Rekord zum nächsten eilenden US-Aktien. Derzeit sei das Sentiment geprägt von "blindem Optimismus, geblendet vom Glanz der am Ende des Tunnels wartenden Zinssenkungen".

Der SMI beendete den Tag schliesslich 0,23 Prozent höher bei 11'310,61 Punkten, was im Wochenvergleich ein Plus von 2,0 Prozent ergibt. Der 30 Titel umfassende SLI, bei dem die Index-Schwergewichte gekappt sind, legte 0,37 Prozent auf 1840,06 Punkte und der breite SPI 0,19 Prozent auf 14'798,96 Punkte zu. Von den SLI-Titeln gingen 22 höher aus dem Handel und acht tiefer.

Grösster Gewinner bei den Blue Chips waren Sika (+2,8%). Analysten zeigten sich mit den am Morgen präsentierten Gewinnzahlen 2023 zufrieden. Sie seien in etwa im Rahmen der Erwartungen ausgefallen, so der Tenor. Gelobt wurde unter anderem das solide Abschneiden beim freien Cashflow, was ein Hinweis für eine künftig grosszügigere Dividendenpolitik sein könnte.

Dahinter zeigten sich die zuletzt gebeutelten Swatch (+2,3%) sehr gesucht. Ein Händler erklärte dies mit der Bewertung klar unter Buchwert. "Swatch holen endlich etwas auf", sagte er. Auch weitere konjunktursensitive Aktien wie Holcim (+1,7%), Geberit (+1,3%) oder ABB (+1,7%) legten klar zu. ABB hat am Morgen über eine Ergänzungsakquisition in den USA berichtet.

Im Fokus standen nach Zahlen auch Swiss Re, welche mit einem Minus von 2,6 Prozent die deutlichsten Abgaben einfuhren. Der Rückversicherer hat zwar im vergangenen Jahr die eigene Gewinnprognose dank einer tiefen Schadenlast im Schlussquartal übertroffen und die Dividende - zumindest in US-Dollar - etwas angehoben. Allerdings hatten sich einige Analysten ein noch besseres Abschneiden erhofft.

Ein stärkeres Plus des Gesamtmarktes verhinderten indes insbesondere Nestlé (-1,0%), welche aber trotz dieses Tauchers über die Woche gesehen 1,8 Prozent anzogen.

Im breiten Markt stachen insbesondere Aluflexpack mit einem Plus von 62 Prozent auf 14,12 Franken ins Auge. Die österreichische Konkurrentin Constantia Flexibles will den Verpackungsspezialisten übernehmen und wird dazu ein Angebot im Bereich von 15,00 bis 18,75 Franken je Aluflex-Aktie vorlegen, wie heute bekannt wurde. Der Verwaltungsrat von Aluflexpack empfiehlt jedenfalls die Annahme der Offerte.

Noch nicht zur Ruhe fanden Temenos (-4,6%). Nach dem Einbruch vom Vortag um knapp 30 Prozent nach schweren Vorwürfen des Shortsellers Hindenburg Research wegen angeblicher Unregelmässigkeiten in der Rechnungslegung ging es am Berichtstag weiter bergab. Am Nachmittag hatte sich der aktivistische Aktionär Petrus Advisers den Forderungen von Hindenburg Research nach einer sofortigen Absetzung des Interims-Chefs Andreas Andreades angeschlossen.

Meyer Burger (-5,3%) litten unter einer Klagedrohung des Anlegerschutzvereins SASV. Der Verein wirft dem Unternehmen eine Schädigung der Investoren vor, was Meyer Burger wiederum von sich wies.

Youngtimers (-7,7%) fielen ebenfalls markant zurück, nachdem die Regulierungsstelle der SIX einen Sanktionsantrag gegen die Beteiligungsgesellschaft eingereicht hatte. Es geht dabei um mögliche Verletzungen der Vorschriften zur Rechnungslegung.

cf/uh