Zürich (awp) - Der Schweizer Aktienmarkt präsentiert sich am Montagvormittag schwächer. Belastet wird der Gesamtmarkt vor allem von den Kursverlusten der schwergewichtigen SMI-Werte. Dagegen setzen Technologie-, Zykliker- und Finanzwerte dank Schnäppchenjägern zu einer Gegenbewegung an. "Wir stehen aber am Anfang einer eher schwierigen Woche", sagt ein Händler und verweist vor allem auf den am Donnerstag anstehenden Zinsentscheid der Schweizerischen Nationalbank (SNB) und den schwachen Euro. Letzterer dürfte die hiesige Wirtschaft noch stark belasten, sollte die Schwäche anhalten. Wie die SNB entscheiden wird, ist laut Prognostikern aber völlig offen.

Hinzu kommen als weitere Unsicherheitsfaktoren die kurzfristig einberufenen Parlamentswahlen in Frankreich und die Sorgen um einen möglichen Handelskonflikt zwischen China und Europa. Unternehmensnachrichten bleiben dagegen noch eine Weile Mangelware. Die am Morgen veröffentlichten chinesischen Wirtschaftsdaten unterstrichen erneut die holprige Erholung des Landes, heisst es von Händlerseite. Auch die jüngsten Daten aus dem Immobiliensektor belegten die Spannungen. Neben der SNB dürfte auch der grosse Verfall an den Terminbörsen am kommenden Freitag gewisse Schatten in Form von erhöhter Volatilität vorauswerfen, heisst es weiter.

Der Leitindex SMI verliert um 11.05 Uhr 0,29 Prozent auf 12'010,23 Punkte. Der SLI mit den 30 wichtigsten Titeln verliert 0,17 Prozent auf 1944,78 Punkte und der breiter gefasste SPI 0,21 Prozent auf 15'960,39 Zähler. Im SLI halten sich Gewinner und Verlierer die Waage.

Der Volatilitätsindex VSMI steigt um 2,1 Prozent auf 14 Punkte. Damit liegt das Börsenangstbarometer nur knapp unter dem bisherigen Jahreshoch von 14,2 Punkten.

Dass der SMI zu Wochenbeginn seinen europäischen Pendants hinterherhinkt, liegt vor allem an den drei defensiven Schwergewichten Novartis (-1,3%), Roche (GS -1,1%) und Nestlé (-0,3%), deren Verluste den Markt belasten. Mit Richemont (-1,0%) gibt ein weiterer grosskapitalisierter Titel nach. Händler sprechen bei den "grossen Drei" vor allem von Gewinnmitnahmen nach der relativ starken Vorwoche.

Beim Luxusgüterhersteller Richemont, dessen Aktie seit Jahresanfang mit fast +25 Prozent sehr gut gelaufen ist, dürften die durchzogenen China-Daten belastend hinzukommen. Mit Swatch (-0,5%) gibt ein weiterer "China-sensitiver Titel" nach.

Auf der Gewinnerseite stehen die Banken UBS (+1,6%) und Julius Bär (+1,4%). Händler sprechen von einer Gegenbewegung. Die Banken hätten seit den Europawahlen einen schweren Stand gehabt. Positiv sei zudem, dass die UBS einen Schlussstrich unter den Greensill-Skandal ziehen wolle. So unterbreitet die Groaabank den Anlegern der "Supply Chain Finance Funds" ein freiwilliges Rückkaufangebot.

Zu den Gewinnern zählen auch die Technologiewerte VAT (+0,8%) und am breiteren Markt AMS Osram (+2,8%), Temenos (+1,5%), Comet (+1,6%) und Inficon (+0,5%). "Das Thema KI lässt die Anleger nicht los", sagt ein Händler und rät dazu jede Kursschwäche für Käufe auszunützen.

Zu den Gewinnern zählen auch die Versicherungswerte Swiss Life (+0,7%), Swiss Re (+0,4%) und Zurich (+0,5%). Sie werden europaweit gekauft, was Händler ebenfalls mit einer Gegenbewegung erklären. Auch bei den zyklischen Werten wie ABB (+0,8%), Geberit (+0,4%) und SIG (+0,3%) greifen die Anleger zu. Die eher defensiven Titel Sandoz (+0,9%), Givaudan (+0,7%) und Swisscom (+0,3%) gehören ebenfalls zu den Gewinnern.

Schlusslicht in den hinteren Reihen ist Pierer Mobility (-15%). Der Zweiradhersteller hatte am Freitagabend die bisherige Prognose für das Gesamtjahr kassiert und einen operativen Verlust angekündigt. Begründet wurde dies mit schleppenden Geschäften in den USA und Europa.

Die Aktien von Molecular Partners (+9,9%) und Kuros (+5,9%) setzen ihren Höhenflug derweil fort.

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