Zürich (awp) - Die Schweizer Aktienbörse tendiert am Freitagvormittag fester. Dabei hat sich nach einem verhaltenen Start im Verlauf ein anziehender Trend durchgesetzt. Der Leitindex steigt dabei über die Marke von 11'000 Punkten. Händler verweisen in die USA, wo am Vortag vor allem die Technologiewerte dank neuer KI-Fantasie einen starken Lauf gehabt hätten. Zudem hofften Investoren darauf, dass die am Nachmittag erwarteten US-Konjunkturdaten eine Abkühlung der des Arbeitsmarktes zeigten. Das Geschäft verlaufe aber trotz guter Stimmung in eher ruhigen Bahnen. "Die Anleger trauen sich nicht zu weit auf die Äste hinaus", sagt ein Händler. Die US-Arbeitsmarktdaten gelten als entscheidend für die US-Geldpolitik. Die US-Notenbank Fed veröffentlicht am kommenden Mittwochabend (MEZ) die Zinsentscheidung.

Sollten die US-Jobzahlen eine Abkühlung des Arbeitsmarktes bestätigen, erhielte die Hoffnung auf sinkende Zinsen im kommenden Jahr weiteren Auftrieb, heisst es weiter. Dagegen könnte ein zu starker Bericht zur Gefahr für die Börse werden, meint ein Experte. Denn dies könnte das Fed dazu veranlassen, die erste Zinssenkung etwas weiter nach hinten zu verschieben. Seit dem Sommer hat das Fed den Leitzins aber nicht mehr angetastet. An den Märkten werden für kommendes Jahr deutliche Zinssenkungen erwartet, weil mit einer Konjunkturabschwächung gerechnet wird. Die Zinshoffnungen hatten in den vergangenen Wochen die Börsen dies- und jenseits des Atlantiks angetrieben.

Der Leitindex SMI notiert gegen 11.00 Uhr um 0,36 Prozent höher auf 11'007,13 Punkten. Der 30 Titel umfassende SLI gewinnt 0,55 Prozent auf 1740,11 und der breite SPI 0,39 Prozent auf 14'385,09 Zähler. Im SLI stehen 25 Gewinnern fünf Verlierer gegenüber.

Zu den grössten Gewinnern zählen die Wachstumswerte Straumann (+2,1%) und Sonova (+0,9%). Kräftige Gewinne gibt es auch bei AMS Osram (+8,3%). Die Aktie profitiere davon, dass die Kapitalerhöhung besser als erwartet über die Bühne gegangen sei, heisst es. Mancher Anleger versuche nun noch auf den Zug aufzuspringen. Zusätzlicher Rückenwind erhalte der Sensorenhersteller von einer Kaufempfehlung der ZKB.

Die Anteile von Richemont (+2,1%) und Swatch (+1,6%) reihen sich ebenfalls weit oben in der Gewinnerliste ein. Ein Händler spricht von neuen China-Hoffnungen. Chinas Politbüro wolle die Finanzpolitik der Regierung verstärken, um die Binnennachfrage anzukurbeln, und zudem eine flexible Geldpolitik betreiben, meldete die Nachrichtenagentur Bloomberg. Ein anderer Händler meint zudem, in den beiden bislang schlecht gelaufenen Luxusgüterwerten positionierten sich nun manche Anleger für das kommende Jahr.

Die arg gebeutelten Aktien des Vermögensverwalters Julius Bär (+1,6%) setzten zu einer Erholung an, heisst es. Mit UBS, Partners Group und Swiss Life legen auch andere Finanztitel bis zu 0,8 Prozent zu.

Als Stütze des Marktes erweisen sich ausserdem Roche GS (+0,8%) und Inhaber (+0,9%). Dagegen geben Novartis (-0,3%) nach. Nachdem Novartis 2023 besser als Roche GS gelaufen und Roche "schon rein optisch" sehr günstig bewertet sei, wetteten manche Marktteilnehmer nun auf eine bessere Perfomance von Roche im kommenden Jahr, sagt ein Händler. Nestlé (-0,1%), ein weiteres Schwergewicht, ermässigt sich ebenfalls.

Bei den Verlierern sind neben Novartis und Nestlé mit Givaudan (-0,3%) und Swisscom (-0,4%) zwei weitere defensive Werte zu finden. Ebenfalls schwächer notieren Zurich (-0,4%).

Auf den hinteren Rängen erholen sich Flughafen Zürich von anfänglich starken Einbussen auf noch -0,5 Prozent. Grund für das Minus sind laut Händlern Gewinnmitnahmen und die Ratingabstufung der UBS auf "Neutral" von "Buy".

Unter stärkeren Abgaben leiden Stadler Rail (-3,6%). Ein Analyst von JPMorgan zweifelt an den Mittelfristzielen des Zugherstellers und hat die Empfehlung auf "Underweight" von "Neutral" reduziert. Auch Landis + Gyr (-0,4%) werden vorsichtigen Analystenkommentaren gebremst, grenzen die Einbussen im Verlauf aber ein.

pre/hr