Von Herbert Rude

FRANKFURT (Dow Jones)--An den europäischen Aktienmärkten hat sich die Rally am Dienstag mit neuen Allzeit- und Jahreshochs fortgesetzt. Der DAX stieg um 0,8 Prozent auf den neuen Rekordstand von 16.533 Punkten, das Verlaufshoch lag am Nachmittag noch einmal 18 Punkte darüber. Der Euro-Stoxx-50 gewann 0,8 Prozent auf 4.451 Punkte. Mailand, Madrid und Portugal markierten schon vor dem DAX neue Jahreshochs: "Südeuropa stiehlt allen die Show", sagte ein Händler.

Die Indizes in Südeuropa profitierten besonders stark von den fallenden Zinsen und den sinkenden Risikoaufschlägen der dortigen Staatsanleihen. Das stützte die Kurse ausgewählter Banken wie Santander, Monte dei Paschi di Siena oder Banco Comercial Portugues, die alle zulegten. Hinzu kamen gute US-Konjunkturdaten: Der Einkaufsmanager-Index für das nichtverarbeitende Gewerbe stieg stärker als erwartet: Während die Inflation zurückkomme, finde die Konjunktur anscheinend ihren Boden: "Für die Banken ein gutes Szenario", so ein Händler mit Blick auf nachlassende Sorgen vor Kreditausfällen.

Dazu stützt das politische Umfeld die Börsen in Südeuropa: "Spanien hat wieder eine Regierung, Neuwahlen in Portugal machen Hoffnung auf eine wirtschaftsfreundlichere Politik, und in Rom sitzt die Regierung nach über einem Jahr immer noch fest im Sattel, für Italien äußerst ungewöhnlich", so der Händler.

Im DAX schlossen sich am Nachmittag auch konjunkturzyklische Titel wie die Autoaktien der Rally an. Bereits zuvor waren die zinssensitiven Versorger RWE und Eon gefragt, daneben Deutsche Telekom, Allianz, Siemens und Vonovia.

Nun seien die Aussichten auf weiter steigende Kurse bis zum Jahresende gut: "Untergewichtete Marktteilnehmer dürften nun regelrecht in den Markt gezwungen werden", sagte ein Händler. Sie seien daran interessiert, zum Jahresende eine möglichst hohe Aktienquote auszuweisen.

Gestützt wurde der DAX von seinen Schwergewichten: In SAP, Siemens, Airbus, Allianz und Deutsche Telekom seien die Aufwärtstrends intakt.


   AT&T bestätigt: Telekomausrüstung zukünftig von Ericsson 

Weiter schwer unter Druck stand die Nokia-Aktie mit minus 5,9 Prozent, während es zugleich für Ericsson kräftig um 6,1 Prozent nach oben ging. Spekulationen vom Vortag, die da bereits die Kurse entsprechend bewegt hatten, haben sich bestätigt: AT&T wird nun über fünf Jahre Telekomausrüstung von Ericsson beziehen. Das Geschäft hat einen Wert von rund 14 Milliarden Dollar. Nokia hat darauf umgehend mit einer Verschiebung des Margenziels reagiert.


   Brenntag entflechtet - aber kein Spin-Off 

Brenntag legten moderat um 0,6 Prozent zu. Der Chemikalienhändler setzt die operative und rechtliche Entflechtung seiner beiden Geschäftsbereiche Essentials und Specialties im Rahmen seiner strategischen Umstrukturierung fort. "Ein Spin-Off oder ähnliches ist aber nicht geplant", zeigte sich ein Marktteilnehmer enttäuscht. Auch die operativen Aussichten konnten den Kurs nicht stützen: Bis 2027 peilt Brenntag auf Konzernebene nun ein jährliches Wachstum des organischen Ergebnisses vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen von 7 bis 9 Prozent an. Vor einem Jahr wurden noch 6 bis 8 Prozent erwartet.

Positiv für Kontron (+3,4%) wirkte eine erneute Auftragsmeldung über 30 Millionen Euro. Carl Zeiss Meditec verloren dagegen 1,7 Prozent - laut Händlern hat JP Morgan die Aktie mit "Underweight" gestartet.


   Morphosys weiter auf Erholungskurs 

Weiter auf Erholungskurs lagen Morphosys. Der Kurs legte um weitere 11,3 Prozent zu auf 27,55 Euro. Im Handel wurde auf eine Studie von JP Morgan verwiesen. Dort soll die Aktie als "Smallcap-Favorit" für 2024 genannt worden sein. Das Kursziel haben die Analysten laut Händlern auf 31 Euro zurückgenommen.

Für Barclays ging es nach einer Platzierung um 2,5 Prozent nach unten. Der Staatsfonds von Katar hat sich von rund 2,4 Prozent des aktuellen Aktienkapitals getrennt.


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Index                                 Schluss-  Entwicklung  Entwicklung    Entwicklung 
.                                        stand      absolut         in %           seit 
.                                                                         Jahresbeginn* 
Euro-Stoxx-50                         4.451,00       +36,05        +0,8%         +17,3% 
Stoxx-50                              4.033,65       +14,20        +0,4%         +10,5% 
Stoxx-600                               467,54        +1,76        +0,4%         +10,0% 
XETRA-DAX                            16.533,11      +128,35        +0,8%         +18,7% 
FTSE-100 London                       7.489,84       -23,12        -0,3%          +0,8% 
CAC-40 Paris                          7.386,99       +54,40        +0,7%         +14,1% 
AEX Amsterdam                           774,07        +3,46        +0,4%         +12,4% 
ATHEX-20 Athen                        3.079,83       -13,58        -0,4%         +36,8% 
BEL-20 Bruessel                       3.626,88       +33,34        +0,9%          -2,0% 
BUX Budapest                         58.432,29       -77,56        -0,1%         +33,4% 
OMXH-25 Helsinki                      4.347,70        -9,57        -0,2%          -9,7% 
ISE NAT. 30 Istanbul                  8.673,06       -58,51        -0,7%         +45,9% 
OMXC-20 Kopenhagen                    2.218,41        -7,26        -0,3%         +20,9% 
PSI 20 Lissabon                       6.572,24        +3,88        +0,1%         +14,8% 
IBEX-35 Madrid                       10.238,40       +60,10        +0,6%         +24,4% 
FTSE-MIB Mailand                     30.082,88      +168,79        +0,6%         +26,2% 
OBX Oslo                              1.189,53        -0,71        -0,1%          +9,1% 
PX  Prag                              1.399,27        +1,81        +0,1%         +16,4% 
OMXS-30 Stockholm                     2.267,80       +14,00        +0,6%         +11,0% 
WIG-20 Warschau                       2.298,78       +17,74        +0,8%         +28,3% 
ATX Wien                              3.312,78        +0,06        +0,0%          +6,1% 
SMI Zuerich                          10.964,81       +12,37        +0,1%          +2,2% 
*bezogen auf Schlusskurs vom Vortag 
 
DEVISEN               zuletzt        +/- %   Di, 9:30  Mo, 17:03    % YTD 
EUR/USD                1,0787        -0,4%     1,0822     1,0816    +0,8% 
EUR/JPY                158,87        -0,4%     158,89     159,12   +13,2% 
EUR/CHF                0,9451        -0,1%     0,9458     0,9453    -4,5% 
EUR/GBP                0,8567        -0,1%     0,8575     0,8574    -3,2% 
USD/JPY                147,30        +0,1%     146,83     147,11   +12,3% 
GBP/USD                1,2590        -0,3%     1,2621     1,2614    +4,1% 
USD/CNH (Offshore)     7,1720        +0,3%     7,1521     7,1523    +3,5% 
Bitcoin 
BTC/USD             42.712,87        +1,8%  41.485,86  41.257,37  +157,3% 
 
ROHÖL                 zuletzt  VT-Settlem.      +/- %    +/- USD    % YTD 
WTI/Nymex               73,77        73,04      +1,0%      +0,73    -3,9% 
Brent/ICE               78,34        78,03      +0,4%      +0,31    +1,5% 
GAS                            VT-Settlem.               +/- EUR 
Dutch TTF              38,145        40,42      -5,6%      -2,28   -52,1% 
 
METALLE               zuletzt       Vortag      +/- %    +/- USD    % YTD 
Gold (Spot)          2.013,28     2.029,63      -0,8%     -16,35   +10,4% 
Silber (Spot)           24,02        24,53      -2,1%      -0,50    +0,2% 
Platin (Spot)          900,94       922,00      -2,3%     -21,06   -15,6% 
Kupfer-Future            3,78         3,82      -1,1%      -0,04    -0,9% 
 
YTD bezogen auf Schlussstand des Vortags 
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December 05, 2023 11:59 ET (16:59 GMT)