Von Herbert Rude

FRANKFURT (Dow Jones)--An den europäischen Börsen geht es am Dienstagnachmittag nur noch etwas nach oben. Der DAX steigt um 0,4 Prozent auf 13.322 Punkte, das Tageshoch hatte bei 13.444 gelegen. Der Euro-Stoxx-50 zieht um 0,6 Prozent auf 3.493 Punkte an. "Das Umfeld bleibt schwierig", sagt ein Händler. Und Salah Eddine Bouhmidi von IG Markets warnt, die Anleger sollten auf der Hut sein. "Um der galoppierenden Inflation Herr zu werden, bleibt nichts anderes übrig als die Zinsen schneller als gedacht anzuheben. Hoffnung bietet aktuell nur der Glaube, dass die EZB einen Mittelweg finden wird", so der Marktanalyst.

Relativ positiv gestimmt ist Jochen Stanzl von CMC Markets: "Die Lage in den Unternehmen ist nicht so schlecht wie die Stimmung", sagt er. Die Zahl der Gewinnwarnungen sei niedrig. Offensichtlich seien die Unternehmen in der Lage, die gestiegenen Preise an die Kunden weiterzureichen. Zusammen mit der überverkauften Lage entstehe nun die Chance für eine Erholungsrally. Die viel diskutierten negativen Nachrichten von der Inflation über den Krieg in der Ukraine bis hin zur zügigen geldpolitischen Wende seien bekannt und rissen niemanden mehr vom Hocker.

Positiv ist auch, dass die Marktbreite stimmt: Während die defensive Sektoren der Versorger, der Telekom-Aktien und der Nahrungsmittel- oder Getränkekonzerne ins Minus gerutscht sind, präsentieren sich die konjukturabhängigeren Sektorenindizes für die Autos, die Chemie, die rohstoffnahen Basic Resources oder auch die Technologie mit Aufschlägen zwischen 1 und 1,5 Prozent weiterhin auf der Gewinnerseite.


   Bayer unter Druck - und spanische Versorger 

Bayer verlieren mehr als 3 Prozent. Der Supreme Court in den USA will sich nicht mit einem Berufungsantrag von Bayer im Fall Edwin Hardeman befassen. Dieser bekam wegen seiner Krebserkrankung 25 Millionen Dollar Schadensersatz zugesprochen, weil sie auf Roundup zurückgeführt wurde. Das hatte auch ein Berufungsgericht in Kalifornien bestätigt.

Die Schwäche der Versorger liegt vor allen an Spanien: Endesa und Iberdrola geben jeweils 2,8 Prozent ab. Hintergrund sind Aussagen der spanischen Finanzministerin María Jesús Montero. Diese hat bekräftigt, dass der Sektor wegen exorbitanter Gewinne einen größeren finanziellen Beitrag leisten sollte. Die Regierung sei dabei, entsprechende Maßnahmen auszuarbeiten. Der Versorgersektor in Europa führt die Verliererliste mit Abgaben von 0,9 Prozent an.

Im DAX gewinnen Mercedes 1,8 Prozent, Sartorius 1,9 Prozent und Covestro 2,2 Prozent. Dagegen fallen Zalando um 3,1 Prozent und Hellofresh um 0,9 Prozent. Am Markt steht der Online-Bereich erneut in weiten Teilen unter Druck: So Delivery Hero mit einem Minus von 7,8 Prozent.

Im MDAX notieren Fuchs Petrolub nun unverändert, der Schmierstoffhersteller will bis zu 200 Millionen Euro für Aktienrückkäufe ausgeben, die sich allerdings bis Ende März 2024 erstrecken sollen. Commerzbank ziehen um weitere 2,9 Prozent an, und K+S können sich nach den jüngsten Verlusten um 4,3 Prozent erholen. Im SDAX geben Flatexdegiro 1,7 Prozent ab: Der Broker hat seine Jahresprognose für 2022 quantifiziert, einige Kennzahlen liegen unter Erwartung.


   Leonardo nach Deal in den USA sehr fest 

Kräftig nach oben geht es mit einem Plus von 5,1 Prozent für die Aktien von Leonardo in Mailand. Das italienische Rüstungsunternehmen hat die Fusion seines US-Geschäfts Leonardo DRS mit der israelischen Rada Electronic Industries bekanntgegeben. "Kurstreibend wirkt vor allem, dass ein Listing der neuen Firma geplant ist", kommentiert ein Händler. Angesichts der weltweiten Aufrüstung dürfte dies gute Aktienbewertungen erzielen.

In Paris setzen die Aktien des österreichisch-französischen Pharmaherstellers Valneva ihre Kursrally fort. Die Aktien hatten schon am Vortag um fast 30 Prozent haussiert und springen nun weitere 18 Prozent nach oben. Auslöser war die Meldung, dass Pfizer sich mit 8,1 Prozent an Valneva beteiligt. Kurstreiber ist nun die Spekulation, Pfizer könnte Valneva komplett übernehmen.


   Nordex-Zahlen bereiten keine Freude 

Keine Freude machen im Handel die Zahlen von Nordex (-7,3%) zum ersten Quartal. "Die Marge liegt nochmal deutlich unter der Gewinnwarnung vom Mai", sagt ein Händler. Nordex hatte da die EBITDA-Margenerwartung auf bis zu minus 4 Prozent für das Gesamtjahr gesenkt, nun wurden minus 5,6 Prozent im Quartal vorgelegt. Das dürfte die Zielerreichung für das Gesamtjahr nun erschweren. Dazu sei die Nettoliquidität deutlich gefallen auf rund 315 nach 424 Millionen Euro im Vorquartal. "Das Risiko einer baldigen Kapitalerhöhung dürfte damit weiter steigen", so der Händler zu dem Windkraftanlagenbauer, der am Montag aus dem TecDAX und dem SDAX geflogen ist.


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Aktienindex              zuletzt       +/- %       absolut      +/- % YTD 
Euro-Stoxx-50           3.496,21       +0,8%         26,38         -18,7% 
Stoxx-50                3.415,98       +0,5%         16,89         -10,5% 
DAX                    13.322,09       +0,4%         56,49         -16,1% 
MDAX                   27.574,64       +0,3%         91,43         -21,5% 
TecDAX                  2.852,49       +0,6%         17,30         -27,2% 
SDAX                   12.484,50       +0,6%         80,53         -23,9% 
FTSE                    7.146,23       +0,3%         24,42          -3,6% 
CAC                     5.974,61       +0,9%         54,52         -16,5% 
 
Rentenmarkt              zuletzt                   absolut        +/- YTD 
Dt. Zehnjahresrendite       1,76                     +0,01          +1,94 
US-Zehnjahresrendite        3,28                     +0,04          +1,77 
 
DEVISEN                  zuletzt       +/- %  Di, 7:40 Uhr  Mo, 17:14 Uhr   % YTD 
EUR/USD                   1,0559       +0,4%        1,0516         1,0529   -7,1% 
EUR/JPY                   143,83       +1,3%        141,98         142,16   +9,9% 
EUR/CHF                   1,0203       +0,4%        1,0173         1,0181   -1,7% 
EUR/GBP                   0,8600       +0,2%        0,8578         0,8595   +2,4% 
USD/JPY                   136,19       +0,8%        135,02         135,02  +18,3% 
GBP/USD                   1,2280       +0,3%        1,2258         1,2251   -9,3% 
USD/CNH (Offshore)        6,6884       -0,0%        6,6897         6,6893   +5,3% 
Bitcoin 
BTC/USD                21.556,04       +5,7%     20.924,64      20.706,92  -53,4% 
 
ROHOEL                   zuletzt   VT-Settl.         +/- %        +/- USD   % YTD 
WTI/Nymex                 111,79      109,56         +2,0%           2,23  +53,6% 
Brent/ICE                 115,40      114,13         +1,1%           1,27  +53,0% 
GAS                               VT-Schluss                      +/- EUR 
Dutch TTF                 125,27      122,70         +3,8%           4,64  +51,5% 
 
METALLE                  zuletzt      Vortag         +/- %        +/- USD   % YTD 
Gold (Spot)             1.840,25    1.838,80         +0,1%          +1,45   +0,6% 
Silber (Spot)              21,89       21,61         +1,3%          +0,28   -6,1% 
Platin (Spot)             948,35      935,50         +1,4%         +12,85   -2,3% 
Kupfer-Future               4,05        4,01         +1,0%          +0,04   -8,8% 
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June 21, 2022 10:15 ET (14:15 GMT)