NIKOSIA/FRANKFURT (dpa-AFX) - Bundesbank-Präsident Joachim Nagel hat sich trotz des jüngsten Rückgangs der Inflation gegen eine Diskussion über mögliche Zinssenkungen in der Eurozone ausgesprochen. "Es wäre verfrüht, die Leitzinsen bald zu senken oder über solche Schritte zu spekulieren", sagte Nagel am Dienstag laut Redetext auf einer Veranstaltung der Notenbank von Zypern in Nikosia. Die wesentlichen Auswirkungen der jüngsten geldpolitischen Straffung auf die Inflation müssen sich nach Einschätzung des Ratsmitglieds der Europäischen Zentralbank (EZB) erst noch zeigen.

Die EZB hatte den Leitzins im Oktober zwar nicht weiter angehoben, zuvor aber zehn Zinserhöhungen in Folge vorgenommen, um die hohe Inflation im Währungsraum in den Griff zu bekommen. Bundesbankchef Nagel hatte in den vergangenen Monaten mehrfach auf die Risiken einer weiter hartnäckig hohen Inflation hingewiesen und in diesem Zusammenhang von einem "gierigen Biest" gesprochen, das noch nicht besiegt sei.

"Obwohl die Inflation in den vergangenen Monaten deutlich gesunken ist, können wir nicht davon ausgehen, dass der Rückgang anhalten wird", warnte Nagel. Der positive Effekt des Rückgangs der Energiepreise habe sich abgeschwächt und die Inflation liege nach wie vor über dem von der EZB angestrebten Zielwert von mittelfristig zwei Prozent. Der Weg dürfte holprig werden. Die Inflationsrate lag zuletzt knapp unter drei Prozent, nachdem sie im vergangenen Jahr zeitweise auf über zehn Prozent gestiegen war. /jkr/mis/jha/