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Wissenschaftler: Mehr als 200 000 Corona-Tote in den USA

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22.09.2020 | 18:24

WASHINGTON (dpa-AFX) - Seit Beginn der Corona-Pandemie sind in den USA mittlerweile mehr als 200 000 Menschen nach einer Infektion mit dem Virus gestorben. Das ging am Dienstagmittag (Ortszeit) aus Daten der Universität Johns Hopkins in Baltimore hervor. In keinem anderen Land der Welt gibt es so viele bekannte Corona-Tote. Seit Beginn der Pandemie gab es in den USA demnach mehr als 6,8 Millionen bestätigte Infektionen mit dem Erreger Sars-CoV-2. Kritiker werfen Präsident Donald Trump Versagen im Kampf gegen die Pandemie vor.

Der demokratische Präsidentschaftskandidat Joe Biden sprach am Dienstag von einem düsteren Tag. "Während andere Länder rund um die Uhr gearbeitet haben, um dieses Virus unter Kontrolle zu bringen, war unser Präsident mit twittern und golfen zu beschäftigt", schrieb Biden auf Twitter. Biden und Trump treten bei der Wahl am 3. November

- in genau sechs Wochen - gegeneinander an.

Die Sprecherin des Repräsentantenhauses, die Demokratin Nancy Pelosi, warf Trump "tödliche Desinformation und Nachlässigkeit" vor. Dass so viele Menschen gestorben seien, sei umso herzzerreißender, weil es nicht so hätte kommen müssen. "Die Geringschätzung des Präsidenten für Wissenschaft, Regierungsführung und die Gesundheit des amerikanischen Volkes hat zu einer historischen nationalen Tragödie geführt", erklärte Pelosi.

Trump sieht die Hauptverantwortung für die Schwere der Pandemie bei China, wo das Virus das erste Mal nachgewiesen wurde. In einer am Dienstag ausgestrahlten Videobotschaft im Rahmen der Generaldebatte der Vereinten Nationen sagte er, die Regierung in Peking habe die weltweite Ausbreitung des "China-Virus" nicht gestoppt. "Wir müssen die Nation zur Rechenschaft ziehen, die diese Seuche auf die Welt losgelassen hat - China", sagte er.

In den USA habe die Pandemie zur größten Mobilisierung seit dem Zweiten Weltkrieg geführt, sagte Trump. Er kündigte an: "Wir werden einen Impfstoff verteilen, wir werden das Virus besiegen, wir werden die Pandemie beenden, und wir werden in eine neue Ära von beispiellosem Wohlstand, Zusammenarbeit und Frieden eintreten." Trump lobt immer wieder die Anstrengungen seiner Regierung, die Ausbreitung des Virus einzudämmen. Seine Gegner werfen ihm vor, kaum Mitgefühl für die Opfer erkennen zu lassen.

Die Sprecherin des Weißen Hauses, Kayleigh McEnany, sagte bei einer Pressekonferenz, Trump habe schon einmal gesagt, dass es ihn um den Schlaf bringe, wenn er auch nur über ein verlorenes Leben nachdenke. "Dieser Präsident hat es unglaublich ernst genommen", sagte sie.

Die Opferzahl in den USA, einem Land mit 330 Millionen Einwohnern, ist weltweit die bislang höchste in absoluten Zahlen. An zweiter Stelle steht derzeit Brasilien mit mehr als 137 000 Toten, gefolgt von Indien mit rund 89 000 Opfern. Relativ zur Einwohnerzahl hingegen ist die Zahl der Opfer unter anderem in Peru, Belgien, und Spanien höher als in den USA. In Peru etwa starben Johns Hopkins zufolge rund 98 Menschen pro 100 000 Einwohner, in Belgien 87, in Spanien 65. In den USA waren es bislang 61 Menschen pro 100 000 Einwohner, vergleichbar mit Italien (59). In Deutschland hingegen waren pro 100 000 Einwohnern bislang nur 11 Tote zu beklagen.

Die Webseite der Universität Johns Hopkins wird regelmäßig aktualisiert und zeigt daher meist einen höheren Stand als die offiziellen Zahlen der US-Gesundheitsbehörde CDC. In manchen Fällen wurden die Zahlen der Universität aber auch wieder nach unten korrigiert. Der CDC zufolge gab es bis Dienstagmittag (Ortszeit) etwas mehr als 199 000 Corona-Tote. Der Erreger Sars-CoV-2 kann die Erkrankung Covid-19 auslösen, die vor allem für ältere oder immungeschwächte Menschen lebensgefährlich sein kann.

Die Corona-Neuinfektionen pro Tag bewegen sich in den USA weiter auf hohem Niveau. Zuletzt wurden täglich rund 40 000 bestätigte Neuinfektionen gemeldet - mal mehr, mal weniger. Experten zufolge müsste diese Zahl unter 10 000 gebracht werden, um die Pandemie unter Kontrolle zu bringen.

Die Präsidentenwahl dürfte angesichts der verheerenden Bilanz auch zur Abstimmung über den Kampf gegen die Pandemie werden. Mehrere Umfragen haben gezeigt, dass die meisten Wähler dem früheren Vizepräsidenten Biden eher als Trump zutrauen, die Pandemie unter Kontrolle zu bringen. Biden (77) liegt auch in landesweiten Umfragen seit Monaten vor Trump (74). Bis zum Wahltag kann sich aber noch vieles ändern - und landesweite Umfragen sind wegen des komplexen Wahlsystems nur begrenzt aussagekräftig./jbz/DP/fba

© dpa-AFX 2020

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