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Makro-Briefing: IWF zuversichtlich – Naher Osten sehr heiß – Brexit, eine Posse!

16.09.2019 | 12:14

Die Welt kommt nicht zur Ruhe. Kaum zeichnet sich bei einem von den USA ausgelösten Problemherd eine Chance auf eine Nivellierung des Krisenszenarios ab (Handelskrieg mit China), da verschärft sich das Krisenszenario in der Auseinandersetzung im Nahen Osten. Zu viele Narrative sollen Fakten ersetzen!

Zunächst werfen wir einen Blick auf die jüngsten Äußerungen des IWF:

Der IWF sieht die Weltwirtschaft trotz der von den USA ausgelösten Handelskonflikte (neutraler bei dem IWF beschreiben) weit von einer Rezession entfernt. Diese Konflikte belasteten zwar das Wachstum, aber eine Rezession zeichnete sich nicht ab. Davon sei man weit entfernt. Das Verbrauchervertrauen und der Dienstleistungssektor zeigten sich weiter robust. Es stellte sich aber die Frage, wie lange diese Widerstandfähigkeit anhalte. Grundsätzlich teilen wir die Meinung des IWF zur aktuellen Lage, aber auch zu den Risiken. Entscheidend ist die Frage, wie viel weitere Belastungen die Weltwirtschaft aushält. In allen Konflikten, die die Weltwirtschaft belasten, spielen die USA eine Schlüsselrolle. Dabei sind die Aktionen der USA bezüglich der Wahrung internationaler Rechtsstaatlichkeit mindestens angreifbar. Wie lange schauen wir noch in gewohnter politischer Korrektheit weg und fabulieren gleichzeitig über westliche Werte? Wir sind erstaunt, dass man bei dem IWF die Verantwortung für die Konflikte nicht klarer benennt. Ebenso ist irritierend, dass die Angriffe auf das Organigramm der globalen Wirtschaft durch die USA nicht kritischer aufgenommen werden. Politische Korrektheit schützt nur Partikularinteressen! Sind das Interessen Europas?

 

Angriff auf saudische Öl-Produktionsanlagen:

Öl-Produktionsanlagen Saudi-Arabiens wurden bei Angriffen schwer beschädigt. Laut offiziellen Angaben fällt bis auf weiteres die Produktion von 5,7 Millionen Barrel Öl pro Tag aus. Das entspricht circa 5% der weltweiten Produktion. Es dürfte Wochen dauern, bis die volle Kapazität der Produktion wieder erreicht wird. Hohe Lagerbestände Saudi-Arabiens würden die Exportfähigkeit Saudi-Arabiens aber gewährleisten. 

Die USA haben nahezu reflexhaft den Vorwurf erhoben, dass der Iran hinter den Angriffen auf die Ölanlagen Saudi- Arabiens stecke. Es soll Hinweise geben, dass die Flugkörper aus west-nordwestlicher Richtung gekommen seien - und nicht aus südlicher Richtung aus dem Jemen, sagte ein US-Regierungsvertreter. Saudi-Arabien hätte darauf hingewiesen, dass es Anzeichen gebe, dass auch Marschflugkörper bei den Attacken eingesetzt worden seien. 

Im Gegensatz zu den reflexartigen US-Unterstellungen der Schuld des Iran reklamieren die von saudischen Militärschlägen betroffenen Huthi-Rebellen im Jemen die Anschläge für sich. Der Iran hat die US-Vorwürfe zurückgewiesen, verantwortlich für die Anschläge zu sein. Welches Interesse kann der Iran an Krieg haben, wenn man gerade ein Abkommen mit China über den Aufbau der Ölinfrastruktur über 400 Mrd. USD vereinbart und mit Paris über Kreditlinien in Höhe von 15 Mrd. USD verhandelt? 

Der US-Regierungsvertreter beharrte aber auf den Anschuldigungen: „Es gibt keinen Zweifel, dass der Iran dafür verantwortlich ist. Wie auch immer man das drehe, es gebe kein Entkommen. Es gibt keine anderen Kandidaten.“ 

Diese Worte könnte man mit dem Begriff Kriegslust in Verbindung bringen. Nun ja, es gab ja auch Massenvernichtungswaffen im Irak und im Golf von Tonkin ging auch alles mit rechten Dingen zu. Lernt der übrige Westen ex USA aus den Fehlern, vorschnell im Rahmen von Vorfestlegungen und Schuldzuweisungen Narrative zu entwickeln, auf denen dann Krieg als ultimative Mittel der Politik basiert? 

 

Brexit: Wenn es nicht so ernst wäre!

Wenn es nicht so ernst wäre, wäre diese Posse ultimativ unterhaltsam. Premierminister Johnson hat seine Entschlossenheit unterstrichen, Großbritannien am 31. Oktober aus der EU zu führen. Er werde Wege finden, ein vom Parlament verabschiedetes Gesetz zu umgehen. Das ist mal sportliche Rechtstreue eines Premiers! Johnson verglich sich mit der Comicfigur „Der unglaubliche Hulk". Premier Johnson sagte allen Ernstes, je wütender Hulk werde, desto stärker würde Hulk. Hulk ist jedes Mal entkommen, egal wie sehr er in der Enge schien - und das gleiche gelte für dieses Land. Dieses intellektuelle Niveau auf der politischen Bühne Europas ist Atem beraubend … niedrig! Heute steht das Treffen zwischen EU-Kommissionschef Juncker und Johnson in Luxemburg an. Premier Johnson zeigt sich im Vorwege zuversichtlich. Es gebe gute Gespräche über die Irland-Frage. Am Freitag klang das von Seiten der EU jedoch noch völlig anders (Backstop). Will BoJo nur ein Narrativ aufbauen, dass die „böse“ EU Schuld am harten Brexit trägt? Dieser Eindruck drängt sich auf! Verweigern wir uns besser faktenloser Narrative und Premiers, die zu viel Zeit für Comics aufwenden!

 

Datenpotpourri der letzten 24 Handelsstunden:

Eurozone:  Reallöhne beeindrucken                        

Der Handelsbilanzüberschuss stellte sich in der nicht bereinigten Fassung auf 24,8 Mrd. Euro nach zuvor 20,6 Mrd. Euro.

Die Arbeitskosten nahmen per 2. Quartal im Jahresvergleich um 2,7% nach 2,5% zu. Lohnkosten stiegen per 2. Quartal um 2,7% nach 2,7% (revidiert von 2,5%). Reallohngewinne, die für die gesamtwirtschaftliche Leistung förderlich sind, sind deutlich erkennbar.

 

USA:  Positive Akzente bei Konjunkturdaten

Importpreise sanken per August im Monatsverglich um 0,5% (Prognose -0,4%), während Exportpreise um 0,6% fielen (Prognose -0,2%).

Einzelhandelsumsätze nahmen im Monatsvergleich um 0,4% (Prognose 0,2%) zu. Im Jahresvergleich stellte sich ein Anstieg um 4,14% nach 3,58% ein.

Der Index des Verbrauchervertrauens nach Lesart der Universität Michigan ist laut vorläufiger Berechnung im Vergleich zum Vormonat von 89,8 auf 92,0 Zähler gestiegen. Die Prognose lag bei 90,9 Punkten.

US-Lagerbestände nahmen per Juli im Monatsvergleich um 0,4% (Prognose 0,3%) zu.

 

China:  Etwas weicher, aber nicht kritisch!

Einzelhandelsumsätze legten per August im Jahresvergleich um 7,5% nach 7,6% zu. Der Anstieg von Januar bis August stellte sich auf 8,21% nach 8,32%.

Die Industrieproduktion stieg per August im Jahresvergleich um 4,4% nach 4,8%. Von Januar bis August nahm die Industrieproduktion um 5,6% nach 5,8% zu.

Investitionen im städtischen Raum legten per August im Jahresverglich um 5,5% nach zuvor 5,7% zu.

Zusammenfassend ergibt sich ein Szenario, das den USD gegenüber dem Euro favorisiert. Ein Überwinden der Widerstandszone bei 1.1160 – 80 negiert den positiven Bias des USD.

Viel Erfolg!

 

 Gastbeitrag von Folker Hellmeyer, Chefanalyst SOLVECON INVEST


www.solvecon-invest.de

Herr Hellmeyer hat am Finanzmarkt ursprünglich als Devisenhändler begonnen. Für Deutsche Bank und Helaba war er in Hamburg, London und Frankfurt tätig. Von 2002 bis 2017 war Herr Hellmeyer Chefanalyst der Bremer Landesbank und hat mit klaren Worten die Entwicklungen an den Börsen und im Finanzmarkt­geschehen kommentiert.

 


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