Moskau (Reuters) - Russland hatte nach Angaben von Präsidialamtssprecher Dmitri Peskow Kontakt mit den USA über einen möglichen Gefangenenaustausch des inhaftierten US-Reporters Evan Gershkovich.

Er verweise auf Äußerungen von Präsident Wladimir Putin, der Anfang Juni solche Kontakte betätigt habe, sagte Peskow am Montag. "Sie gehen weiter, sollten aber weiterhin in völliger Stille vonstattengehen", sagte Peskow. "Daher können keine Ankündigungen, Erklärungen oder Informationen zu dieser Angelegenheit gegeben werden." Der 32-jährige Reporter des "Wall Street Journals" war am 29. März 2023 vom russischen Inlandsgeheimdienst FSB in Jekaterinburg im Ural festgenommen worden. Gershkovich wird Spionage für den US-Geheimdienst CIA vorgeworfen, die erste Anhörung in dem Prozess gegen ihn soll am 26. Juni unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfinden, teilte das Gericht in Jekaterinburg am Montag mit.

Auf die Frage, warum der Spionageprozess gegen Gershkovich ohne Öffentlichkeit stattfinden müsse, sagte Peskow, er könne sich zu solchen Angelegenheiten nicht äußern. "Das ist eine Gerichtsentscheidung. Wir können dazu keinen Kommentar abgeben."

Im Falle einer Verurteilung droht Gershkovich eine Gefängnisstrafe von bis zu 20 Jahren. Den Ermittlungsbehörden zufolge sammelte er im Auftrag der CIA in der Region Swerdlowsk geheime Informationen über die Aktivität des Rüstungsunternehmens JSC NPK Uralwagonsawod zur Herstellung und Reparatur von Militärausrüstung.

Das "Wall Street Journal" erklärte, Gershkovich habe nur seine Arbeit gemacht. Die Zeitung und Gershkovich selbst bestreiten die Spionagevorwürfe. Das US-Präsidialamt nannte die Vorwürfe lächerlich. Gershkovich ist der erste US-Journalist, der seit Ende des Kalten Krieges vor mehr als drei Jahrzehnten in Russland wegen Spionagevorwürfen festgenommen wurde.

(Bericht von: Dmitry Antonov, Guy Faulconbridge; geschrieben von Sabine Ehrhardt, redigiert von Kerstin Dörr. Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte)