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Henkel reagiert mit Umbau auf Krise im Kosmetik-Geschäft

28.01.2022 | 14:28
ARCHIV: Henkel-Logo in Düsseldorf, Deutschland, 8. Márz 2012. REUTERS/Ina Fassbender

Düsseldorf (Reuters) - Der Konsumgüterriese Henkel zieht angesichts wachsender Probleme im Kosmetika-Geschäft die Reißleine.

Das Kosmetik- und Waschmittelgeschäft rund um Schwarzkopf und Persil mit knapp 20.000 Mitarbeitern in 60 Ländern soll in einer Sparte zusammengefasst werden. "Henkel stellt sich damit viel besser für die Zukunft auf", versprach Konzernchef Carsten Knobel am Freitag. Langfristig will Henkel dadurch profitabler werden, zunächst aber sollen Marken abgestoßen und Stellen gestrichen werden. Über konkrete Zahlen schwieg sich Knobel aus - das Management wolle erst Gespräche mit den Arbeitnehmern aufnehmen. Die Kosten für den Umbau sollen ebenfalls später konkretisiert werden. Die Düsseldorfer legten auch nach Knobels Worten "vorsichtigen" Ausblick für 2022 vor, der die Investoren aber enttäuschte. Die Aktien des Dax-Konzerns stürzten ab und notierten am Mittag mit einem Minus von über zehn Prozent bei 70.76 Euro.

Henkel kämpft wie andere Konsumgüterhersteller mit hohen Rohstoffkosten und Problemen in den globalen Lieferketten. Deutliches Wachstum konnten die Düsseldorfer im vergangenen Jahr in ihrem Klebstoffgeschäft verbuchen, die Kosmetiksparte schwächelt dagegen ebenso wie das Geschäft in Nordamerika. Die Sparte kam im vergangenen Jahr auf einen Umsatz von rund 3,7 Milliarden Euro, 2020 waren es noch knapp 3,8 Milliarden Euro und im Jahr zuvor rund 3,9 Milliarden Euro. Für das laufende Jahr erwartet Henkel einen organischen Umsatzrückgang von bis zu fünf Prozent für die Sparte. Analysten hatten immer wieder kritisiert, das Geschäft sei im Vergleich mit Konkurrenten wie L'Oreal zu klein und nicht profitabel genug.

PERSIL UND SCHWARTZKOPF UNTER EINEM DACH

Nun will Knobel gegensteuern. Durch die neue Struktur werde ein "breiteres Fundament geschaffen, um unser Portfolio weiter zu optimieren und aktiv zu gestalten und auf ein höheres Wachstums- und Margenprofil zu bringen", sagte der seit 2020 amtierende Henkel-Chef. Die Kräfte würden gebündelt, die neue Konsumgüter-Sparte könne durch Zukäufe gestärkt werden - und es könnten auch "erhebliche Synergien" gehoben werden. Einsparungen könnte es etwa in Verwaltung, Vertrieb oder Marketing geben. Zuletzt hatte Henkel 2008 einen Abbau von rund 3000 Stellen angekündigt, Knobel wollte aktuell keine Zahlen vorlegen. Vor dem Hintergrund des Umbaus gab der Henkel-Chef aber schon neue mittel- bis langfristige Finanz-Ziele aus. Für das organische Umsatzwachstum strebt er drei bis vier Prozent an - bisher waren es zwei bis vier Prozent. Die bereinigte Ebit-Marge soll rund 16 Prozent betragen. Zudem kündigte Knobel erstmals in der Henkel-Geschichte einen Aktien-Rückkauf an, ein Volumen von bis zu einer Milliarde Euro ist geplant.

Für 2022 erwartet Henkel nun ein organisches Umsatzwachstum in der Bandbreite von zwei bis vier Prozent. Die bereinigte Umsatzrendite wird zwischen 11,5 und 13,5 Prozent gesehen - also deutlich unter dem mittelfristig anvisierten Wert. Vor allem die steigenden Materialkosten ließen Henkel vorsichtig in die Zukunft blicken, beim Gewinn liege die Prognose unter den bisherigen Markterwartungen, sagte Knobel. Die Kurssturz am Freitag sei "kein Votum über unsere strategischen Maßnahmen". Jeffries-Analysten erklärten, der Aktienrückkauf und die Überprüfung des Marken-Portfolios seien zu begrüßen, die Zurückhaltung beim Gewinn-Ausblick für 2022 dagegen nicht.

Henkel steht mit seinem Umbau nicht allein. Auch Konkurrent Unilever hat einen Stellenabbau und eine neue Struktur angekündigt. Unilever geht aber einen anderen Weg. Der Konzern setzt künftig auf fünf statt zuvor drei Sparten, bei Henkel sollen es spätestens Anfang 2023 nur noch zwei statt bisher drei Einheiten sein. Knobel zufolge begibt sich Henkel mit dem Umbau aber nicht auf den Weg, sich in zwei eigenständige Börsenfirmen für Klebstoffe und Konsumgüter aufzuspalten. Dies sei nicht geplant, Henkel sei in der neuen Aufstellung stärker.

Konkurrent Beiersdorf hatte für das Gesamtjahr 2021 in Aussicht gestellt, dass die Erlöse organisch um acht bis zehn Prozent steigen. Höhere Preise bei den Rohstoffen wollen die Hamburger mit Einsparungen und Preiserhöhungen für die eigenen Produkte kompensieren. Die operative Umsatzrendite (Ebit-Marge) wird bei rund 11,8 Prozent erwartet. Für 2022 hatte sich Beiersdorf-Finanzchefin Astrid Herrmann zuversichtlich geäußert, eine leichte Steigerung der Ebit-Marge zu schaffen.


© Reuters 2022
Im Artikel erwähnte Wertpapiere
%Kurs01.01.
BEIERSDORF AKTIENGESELLSCHAFT 0.86%96.66 verzögerte Kurse.6.02%
DAX 1.56%14181.56 verzögerte Kurse.-12.09%
UNILEVER PLC -1.26%3681.83 verzögerte Kurse.-5.40%
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