Börsen-Update der Woche
Börsen-Update der Woche  :  Ruhe vor dem Sturm

Börsen-Update der Woche : Ruhe vor dem Sturm

Für die Finanzmärkte war es wegen des Feiertags Thanksgiving, an dem die Wall Street ruht, eine eher ruhige Woche, die erneut mit einem Plus endete. Vorausgegangen war die Bestätigung, dass sich das Tempo der Zinserhöhungen in den USA und in Europa bald verlangsamen könnte. Die Zentralbanken warnten allerdings, dass die Inflation noch lange nicht eingedämmt ist und weitere Zinsstraffungen erforderlich sein werden. Wochenperformance* DAX 14541  +0.76% SIEMENS ENERGY AG +9.95% FRESENIUS SE & CO. K... +5.28% BRENNTAG SE +4.14% PUMA SE -3.25% VOLKSWAGEN AG -3.74% ADIDAS AG -4.04% STOXX EUROPE 600440.73  +1.71% S&P 5004026.12  +1.53% NIKKEI 22528283.03  +1.37% GOLD1754.26$  +0.12% BRENT OIL83.79$  -4.45% EURO / US DOLLAR1.04$  +0.62% Tops / Flops der Woche Manchester United (+44 %): Nachdem die Gerüchteküche zuletzt schon brodelte, bestätigte die Familie Glazer, dass sie derzeit ihre Beteiligung am britischen Fußballverein überdenkt. Das bedeutet: Falls sich ein Käufer mit einem guten Angebot findet, ist ein Verkauf wahrscheinlich. Mirati Therapeutics (+25 %): Bloomberg News berichtete diese Woche, dass das Onkologieunternehmen offenbar von mehreren Pharmariesen umworben wird. Seit der große Konkurrent Seagen entschieden hat, unabhängig zu bleiben, hat das Interesse an Mirati zugenommen. Die US-Arzneimittelbehörde FDA (Food and Drug Administration) muss bis Mitte Dezember über Adagrasib, ein Medikament zur Behandlung von Lungenkrebs, entscheiden. Burlington Stores (+24 %): Der Textileinzelhändler hat einen optimistischeren Ausblick für das Jahr 2023 abgegeben, was die Anleger beruhigte. Damit wollte man ihnen wohl auch die enttäuschenden Quartalsergebnisse erträglicher machen. Warner Music (+17 %): Die Analysten begrüßten die Mitte der Woche vorgelegten Quartalsergebnisse sowie die Prognosesicherheit für die kommenden Geschäftsjahre. Best Buy (+14 %): Auch hier gab es erfreuliche Ergebnisse. Der Einzelhändler übertraf die Erwartungen und hob daraufhin sein Umsatzziel für das Geschäftsjahr an, was am Markt natürlich gut ankam. Siemens Energy (+10 %): Nach längerer Durststrecke setzt der deutsche Konzern sein Comeback fort. Die in der letzten Woche veröffentlichten Zahlen und die operative Disziplin überzeugen. Die Aktie hat innerhalb eines Monats um 44 % zugelegt - ein neuer Rekord bei europäischen Large Caps. Dr. Martens (-24 %): Der Hersteller der bekannten Schuhe warnte davor, dass die unerwartet schwache Nachfrage im aktuellen Konsumumfeld auf die diesjährigen Margen drücken wird. Jack in the Box (-16 %): Die Fastfood-Kette gab bei der Bekanntgabe ihrer Quartalszahlen einen zaghaften Ausblick auf das kommende Jahr, ohne die Erwartungen zu enttäuschen. Außerdem sieht sich die Gruppe durch die Übernahme von Del Taco höheren Kosten gegenüber. TAG Immobilien (-15 %): Das deutsche Immobilienunternehmen kündigte diese Woche an, dass es zugunsten der eigenen Finanzkraft in diesem Jahr auf die Zahlung einer Dividende verzichten wird, und musste dafür kräftig Federn lassen. Ob es im Jahr 2023 eine Ausschüttung geben wird, ist noch unklar. Intrum (-11 %): Das schwedische Unternehmen kündigte eine umfassende negative Anpassung bei einer seiner Beteiligungen an, was den Marktteilnehmern sehr missfiel. Das Research-Haus Nordea senkte seine Empfehlung von Kaufen auf Halten. Crédit Suisse (-12 %): Für die Bank geht der Albtraum weiter: Sie rechnet für das 4. Quartal mit einem hohen Verlust. Trotzdem führte die Crédit Suisse eine Kapitalerhöhung von 4 Mrd. CHF durch und verschaffte sich damit ein Sicherheitspolster für die erfolgreiche Umsetzung ihrer Transformation. Rohstoffe Energie: Die Ölmärkte stehen weiterhin unter Druck und gaben in der vergangenen Woche erneut nach. Die Europäische Union erwägt eine Preisobergrenze von 65 bis 70 USD für russisches Öl, das bereits mit einem deutlichen Abschlag gegenüber der Sorte Brent gehandelt wird (Urals-Öl steht derzeit bei rund 67 USD je Barrel). Daraus lässt sich schließen, dass sich die Preisobergrenze kaum auf die russische Ölproduktion auswirken dürfte. Diese wird in den nächsten Monaten also voraussichtlich nicht wesentlich zurückgehen, was zumindest teilweise die niedrigeren Ölpreise der letzten Tage erklärt. Die Nordseesorte Brent notiert bei ca. 86 USD, während die US-Referenzsorte WTI mit 79 USD pro Barrel gehandelt wird. Beim Erdgas pendelt der europäische Referenzpreis am niederländischen Handelsplatz TTF um die Marke von 123 EUR/MWh. Russland hat der Ukraine vorgeworfen, beim Transit durch ihr Staatsgebiet Gas abzuzweigen, das für die Republik Moldau bestimmt war. Gazprom droht daher, seine Lieferungen über die Ukraine zu drosseln. Metalle: Industriemetalle verbilligten sich weltweit, da Beunruhigung über die neuen Coronabeschränkungen in China herrschte. Die erneute Ausbreitung des Coronavirus veranlasste die dortigen Behörden, mehrere Städte und Viertel wieder abzuriegeln. Der Markt muss also folglich noch etwas Geduld haben, bis sich die Metallnachfrage deutlich erholt. Eine Tonne Kupfer kostet an der LME aktuell etwas über 8.000 USD. Im Segment Edelmetalle verharrte der Goldpreis bei 1.750 USD. Der World Platinum Investment Council rechnet für nächstes Jahr zum ersten Mal seit 2020 wieder mit einem Platinmangel. Dabei verweist das Institut auf eine kräftige Nachfrage aus der Automobilindustrie (deren Bedarf gegenüber dem Vorjahr um 3,3 % steigen dürfte), während das globale Angebot voraussichtlich nur um 2 % zulegen wird. Derzeit notiert Platin bei etwa 985 USD je Tonne. Agrarprodukte: Die Ukraine erwartet, dass sie 13 Millionen Tonnen Weizen in der Saison 2022/2023 exportieren wird und damit deutlich weniger als die 20 Millionen Tonnen im Vorjahr. Weizen notiert in Chicago unter der Marke von 800 Cent, Mais dagegen bei 660 Cent je Scheffel. Makroökonomie Marktstimmung: Konfus aber positive Tendenz. Nach wie vor sprechen die Konjunkturindikatoren, die Zinsen und die Aktien jeweils eine ganz unterschiedliche Sprache. Wer blickt da noch durch? Die europäischen Einkaufsmanagerindizes von November haben die Prognosen der Ökonomen übertroffen. In den USA sind sie unverändert schwach, doch die Auftragseingänge für langlebige Wirtschaftsgüter sind besser als erwartet und das Verbrauchervertrauen hellt sich auf. Die Aktienmärkte profitierten davon, dass die Anleger positiv auf das Protokoll der letzten Fed-Sitzung reagierten. Sie lasen darin Anzeichen für eine etwas weniger starre Haltung der US-Notenbank mit Blick auf das Tempo der Zinsanhebungen. Ob sie richtig liegen, wird die wichtige Rede von Jerome Powell nächsten Mittwoch zeigen. Devisen: Das Pfund Sterling hatte eine gute Woche und wertete gegenüber den meisten Währungen wieder auf. Die Devisenhändler erklären diese Dynamik mit den weiterhin sehr hohen Inflationszahlen in Großbritannien, denn so sieht sich die Zentralbank gezwungen, an der Zinsschraube zu drehen. Sie sind jedoch in Anbetracht der Wirtschaftslage in Großbritannien skeptisch, ob dieses Phänomen von Dauer sein wird. Der Kurs des Pfund Sterling liegt nun bei 1,2104 USD bzw. 1,1619 EUR. Der Euro holte gegenüber dem US-Dollar ebenfalls auf und erreichte ein Niveau 1,0418 USD, bevor er am Freitag wieder unter die Marke von 1,04 USD sank. Auch die chinesische Währung machte Boden gut, nachdem die Zentralbank des Landes erneut eingriff, um die lahmende Wirtschaft anzukurbeln. Anleihen: In den USA geht der Anleihemarkt weiterhin davon aus, dass die US-Notenbank das Tempo der Zinserhöhungen verlangsamen wird. Die Rendite zehnjähriger US-Treasuries sank von 3,78 % vor einer Woche auf 3,71 %. In Erwartung einer deutlichen wirtschaftlichen Abkühlung, die allerdings auf sich warten lässt, sind auf der inversen Zinsstrukturkurve die Renditen kurzfristiger Schuldtitel nach wie vor höher als die von Langläufern. Die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen verharrt unter 2 %, obgleich sie am Freitag deutlich gestiegen ist. Französische Staatsanleihen pendelten sich im Bereich von 2,4 % ein, Schweizer Staatspapiere mit 10 Jahren Laufzeit werfen dagegen 1 % ab. Kryptowährungen: Der Bitcoin steht noch immer unter dem Schock der FTX-Pleite. Diese Woche rückte die digitale Währung mit einem Plus von 1,73 % leicht in positives Terrain vor und bewegte sich bei Redaktionsschluss bei rund 16.500 USD. Nachdem das Vertrauen im Ökosystem der Kryptowährungen auf null gesunken war, wird es vermutlich viele Wochen dauern, bis der Markt für digitale Anlagen wieder für eine größere Zahl von Anlegern attraktiv wird. Während wir warten, dass der Optimismus in Bezug auf die Kryptowährungen zurückkehrt, arbeiten Amazon und Apple an der Produktion einer Serie bzw. eines Films über das Chaos bei der Kryptobörse FTX. Kryptobegeisterte dürften gespannt sein... Termine: Nächste Woche stehen einige makroökonomische Daten auf dem Programm: Am Dienstag wird das Conference Board den aktuellen US-Verbrauchervertrauensindex veröffentlichen. Am Mittwoch erwarten wir dann die erste Schätzung zur Inflation in Europa im November, eine neue Prognose zum US-amerikanischen BIP im 3. Quartal, den JOLTS-Report des US-Arbeitsministeriums zur Anzahl offener Stellen und eine wichtige Rede des Fed-Präsidenten Jerome Powell. Am Donnerstag stehen in den USA die Verbraucherpreisinflation und der Einkaufsmanagerindex für das verarbeitende Gewerbe auf der Agenda. Am selben Tag treffen sich auch die OPEC-Staaten. Am Freitag wird sich Christine Lagarde zu Wort melden, außerdem werden die US-Arbeitsmarktdaten für November veröffentlicht. Ruhe vor dem Sturm Auf die Ruhe folgt der Sturm. Nach dem Feiertag in den USA wird nächste Woche eine Flut von Zahlen erwartet. Wenn der Black Friday und der Cyber Monday vorüber sind, werden die Marktteilnehmer erfahren, wie es um die Konsumlaune der US-Verbraucher steht. *Die Wochenperformance der Indizes und Aktien bezieht sich auf den Zeitraum von der Eröffnung der Märkte am Montag bis zur Erstellung dieses Newsletters am Freitag.Die Wochenperformance von Rohstoffen, Edelmetallen und Währungen bezieht sich auf den 7-Tage-Zeitraum von Freitag bis Freitag (bis zur Erstellung des Newsletters). Diese Vermögenswerte notieren auch an Wochenenden.
ZB Am 26. November 2022 um 18:11 Uhr
Schwerpunkte
VW von Corona-Einschränkungen in China betroffen

VW von Corona-Einschränkungen in China betroffen

Hamburg (Reuters) - Volkswagen hat wegen der Corona-bedingten Einschränkungen in China die Bänder in einem Werk angehalten und produziert andernorts weniger. "Die Produktion im Werk Chengdu wurde im Zusammenhang mit der aktuellen Corona-Welle vorübergehend gestoppt", teilte ein Sprecher am Montag auf Anfrage der Nachrichtenagentur Reuters mit. Später konkretisierte er, die Bänder in der gemeinsam mit FAW geführten Fabrik im Südwesten Chinas seien schon vor einer Woche angehalten worden. In Changchun im Nordosten sei die Produktion von zwei von insgesamt fünf Produktionslinien durch Teilemangel beeinträchtigt. Die weiteren Linien würden derzeit ausreichend versorgt. In den übrigen Werken laufe die Fertigung weitestgehend stabil. "Aufgrund der Volatilität der Situation sind allerdings kurzfristige Änderungen in der Fahrweise einzelner Produktionsstätten nicht ausgeschlossen", fügte der Sprecher hinzu. Bei BMW liefen die Werke in der Volksrepublik dagegen zuletzt normal. Konzernchef Oliver Zipse hatte am Freitag gesagt, lediglich Büros seien geschlossen, weil die Mitarbeiter von Zuhause aus arbeiteten. Mercedes-Benz reagierte zunächst nicht auf eine Anfrage, ob die Produktion in China beeinträchtigt sei. (Bericht von Jan C. Schwartz, Christina Amann, Victoria Waldersee; redigiert von Ralf Banser. Bei Rückfragen wenden Sie sich an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)
Am 28. November 2022 um 12:55 Uhr
Beschäftigte der Commerzbank-Tochter ComTS starten fünfte Streikwelle

Beschäftigte der Commerzbank-Tochter ComTS starten fünfte Streikwelle

Frankfurt (Reuters) - Zum fünften mal innerhalb weniger Monate ruft die Gewerkschaft Verdi zum Streik bei der Commerzbank-Tochter ComTS auf. Ab Montag bis Freitag solle die Arbeit bei der Service-Gesellschaft der Bank niedergelegt werden, heißt es in einem internem Aufruf von Verdi, der Reuters am Montag vorliegt. Einen Fortschritt gab es bereits im Konflikt zwischen der Gewerkschaft und der Bank: Die zum Jahresende scheidende Arbeitsdirektorin Sabine Schmittroth und ihre Nachfolgerin, Sabine Mlnarsky, boten ein Sondierungsgespräch mit den Streikenden an. Dieses Gespräch soll Mitte Februar stattfinden. Eine Zusage für eine Tarifverhandlung sei dies jedoch nicht, sagt die Gewerkschaft. "Wir bedauern die aktuellen Entwicklungen und sind jederzeit an einer Deeskalation der Situation interessiert", erklärte eine Sprecherin der Commerzbank. Gestreikt werden soll an allen Standorten der ComTS in Duisburg, Hamm, Erfurt, Halle und Magdeburg an allen Arbeitstagen in der laufenden Woche. Die Commerzbank-Tochter verantwortet die Bereiche Compliance, Kreditbearbeitung und die internen Postläufe der Bank. Die ComTS-Geschäftsführung soll laut dem internen Rundschreiben Streikbrechern eine Prämie von zwei Urlaubstagen versprochen haben. Die Commerzbank wollte dies nicht kommentieren. Verdi fordert für rund 1700 Beschäftigten der ComTS unter anderem die Erhöhung des Mindeststundenlohns auf 14 Euro, die Abschaffung von Abruf-Arbeitsverträgen sowie ein Energiegeld in Höhe von zweimal 1500 Euro für das laufende und das kommende Jahr. Einer Forderung ist die Bank schon teilweise nachgekommen: Anfang November vereinbarten beide Seiten eine Inflationsprämie von 2000 Euro für alle Beschäftigten der ComTS. (Bericht von Marta Orosz, redigiert von Ralf Banser. Bei Rückfragen wenden Sie sich an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)
Am 28. November 2022 um 09:38 Uhr
BMW-Chef gibt

BMW-Chef gibt "stabilen Ausblick" auf 2023

München (Reuters) - BMW-Chef Oliver Zipse rechnet trotz steigender Energiepreisen und düsterer Konjunkturaussichten für kommendes Jahr mit stabilen Geschäften. Er gebe einen "stabilen Ausblick, was auch immer das heißen soll", sagte Zipse vor Journalisten. Es gebe unterschiedliche Entwicklungen in unterschiedlichen Regionen weltweit - so werde die Wahrscheinlichkeit einer Rezession in den USA geringer eingeschätzt als in Europa. Allerdings dürften sich die unterschiedlichen Entwicklungen ausgleichen. In der Autobranche trübte sich zuletzt die Stimmung ein, wie aus einer Ifo-Umfrage hervorgeht. Mehr als die Hälfte der Unternehmen geht demnach von einer Verschlechterung der Ertragslage aus, vor allem die Energie- und Rohstoffpreise wurden als Geschäftsrisiko genannt. Auch BMW stellt sich auf Gegenwind ein und erwartet eine "Normalisierung des überdurchschnittlich hohen Auftragsbestands". Wegen der stark gestiegenen Energiepreise warnte Zipse vor der Abwanderung von Unternehmen. Es sei zu befürchten, dass der Preisanstieg dazu führe, dass Firmen in Länder außerhalb Europas umzögen, sagte der BMW-Chef. Dabei bezog er sich insbesondere auf die Chemieindustrie. Systemintegratoren wie BMW seien dagegen weniger stark gefährdet. "Ich mache mir Sorgen über die Zukunft des Standorts hier in Deutschland oder Europa, wenn die Chemieindustrie geht." Nötig sei eine Infrastruktur, die nicht nur erneuerbare Energie, sondern auch wettbewerbsfähige Energie zu wettbewerbsfähigen Preisen bereitstelle. (Bericht von Christina Amann, redigiert von Ralf Banser. Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter Berlin.Newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder Frankfurt.Newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte)
Am 28. November 2022 um 09:01 Uhr
Russischer Internetriese Yandex will sich aufspalten

Russischer Internetriese Yandex will sich aufspalten

Moskau (Reuters) - Der russische Internetriese und Google-Konkurrent Yandex will sich angesichts des geschäftlichen Spagats zwischen seinem Heimatmarkt und westlichen Aktivitäten aufspalten. Die in den Niederlanden ansässige Muttergesellschaft erklärte am Freitag, es würden Optionen geprüft, um "die Eigentumsverhältnisse und Führung der Gruppe angesichts der aktuellen geopolitischen Lage neu zu strukturieren." Insbesondere sei geplant, die Kontrolle über diejenigen Teile der Yandex-Gruppe abzugeben, zu denen die Suchmaschine und Werbesparte gehörten. Der Vorgang sei in einer Frühphase und werde am Ende die Zustimmung der Aktionäre benötigen. Es ei ein Ausschuss gebildet worden, um verschiedene Szenarien durchzuspielen. Die in Moskau gelistete Yandex-Aktie gab 4,8 Prozent nach. Die Ankündigung kommt Insidern zufolge Stunden nach einem Treffen des russischen Präsidenten Wladimir Putin mit dem ehemaligen Finanzminister Alexej Kudrin, bei dem die Zukunft von Yandex diskutiert worden sei. Putins langjähriger Vertrauter Kudrin dürfte zu dem Unternehmen hinzustoßen, erfuhr die Nachrichtenagentur Reuters von drei mit dem Vorgang vertrauten Personen. Präsidialamtssprecher Dmitri Peskow erklärte, er könne eine solches Treffen weder bestätigen noch verneinen. Yandex hatte im August angekündigt, seine Nachrichtenseiten und Plattformen an den weitgehend dem russischen Staat nahestehenden Rivalen VK zu verkaufen. Yandex gilt als die russische Antwort auf Google. Der Konzern steht in Russland unter Druck, die Gesetze und staatlichen Vorgaben insbesondere zum Krieg gegen die Ukraine einzuhalten, der in Russland offiziell als militärische Spezialoperation bezeichnet wird. Gleichzeitig sieht das Unternehmen sich mit den Forderungen seiner westlichen Investoren konfrontiert. Fast 88 Prozent der Yandex-Aktien befinden sich im Streubesitz, viele gehören westlichen Fonds.
Am 25. November 2022 um 18:11 Uhr
Ex-Finanzminister von Luxemburg wird neuer Chef von Rettungsfonds ESM

Ex-Finanzminister von Luxemburg wird neuer Chef von Rettungsfonds ESM

Berlin (Reuters) - Der europäische Rettungsschirm ESM bekommt nach einer monatelangen Hängepartie einen neuen Chef. Der Verwaltungsrat votierte am Freitag mit der erforderlichen Mehrheit für den früheren Finanzminister Luxemburgs, Pierre Gramegna. Er wird damit Nachfolger des langjährigen ESM-Chefs Klaus Regling. Dessen Amtszeit war Anfang Oktober ausgelaufen. Vorübergehend hatte daraufhin ESM-Vize Christophe Frankel die Leitung des Fonds übernommen, die maximal bis Ende 2022 geplant war. Der 500 Milliarden Euro schwere ESM wurde als Reaktion auf die europäische Staatsschuldenkrise vor zehn Jahren gegründet, um Ländern zu helfen, die vom Kapitalmarkt abgeschnitten wurden. Der Deutsche Regling hat ihn seitdem maßgeblich geprägt und aufgestellt, um zusätzliche Aufgaben zu übernehmen. Allerdings konnten sich die Euro-Finanzminister in den vergangenen Monaten nicht auf einen Nachfolger einigen. Bundesfinanzminister Christian Lindner (FDP) hatte sich früh und öffentlich für Gramegna eingesetzt. Im Rennen war lange aber auch noch der portugiesische Ex-Finanzminister Joao Leao. In deutschen Regierungskreisen hieß es, Gramegna sei ein starkes Signal an die Finanzmärkte. Er habe immer für eine zurückhaltende Finanzpolitik gestanden und nicht für eine Ausweitung der ESM-Finanzierungen. Dank seiner Top-Bonität kann sich der Fonds am Kapitalmarkt zu sehr günstigen Konditionen Geld leihen und diesen Vorteil dann an Euro-Länder weiterreichen, wenn diese in Notlage geraten. Hilfen des ESM und seines Vorgängermodells EFSF gingen bereits an Griechenland, Zypern, Spanien, Irland und Portugal. Der in Luxemburg ansässige Fonds kann Kredite vergeben und Anleihen von Euro-Mitgliedsländern kaufen. Er kann bei Kapitalspritzen für marode Banken auch direkt helfen oder dafür Darlehen an Länder verteilen. In deutschen Regierungskreisen hieß es zudem, die neue italienische Regierung habe Gramegna nun doch unterstützt, Frankreich am Ende auch. Deutschland hatte im ESM-Direktorium eine Sperrminorität, lange gab es aber keine Mehrheit für einen Kandidaten.
Am 25. November 2022 um 18:05 Uhr
Insider EZB fordert Kapitalaufschlag von der Deutschen Bank

Insider EZB fordert Kapitalaufschlag von der Deutschen Bank

Frankfurt (Reuters) - Das Geschäft der Deutschen Bank mit Hochrisiko-Krediten bleibt den Aufsehern ein Dorn im Auge. Die Europäische Zentralbank (EZB) fordere bei dem Institut einen zusätzlichen Kapitalaufschlag, sagten zwei mit den Vorgängen vertraute Personen. Die zusätzliche Anforderung sei ergangen, weil Deutschlands größtes Geldhaus aus Sicht der Aufseher insgesamt die Risiken in dem Geschäft nicht ausreichend angegangen sei. Die EZB lehnte eine Stellungnahme ab. Die Deutsche Bank wollte die Entscheidung der Aufsicht nicht kommentieren. Die EZB ist seit Herbst 2014 für die Überwachung der großen Banken im Euro-Raum zuständig. Aktuell sind das 110 Institute, die sie direkt beaufsichtigt. Die Deutsche Bank erwarte generell weder substanzielle Veränderungen bei den CET1-Eigenkapitalanforderungen noch wesentliche Auswirkungen auf die Geschäftsstrategie, teilte ein Sprecher des Instituts mit. "Wir haben jüngst klar gemacht, dass wir aufgrund des aktuellen Marktumfeldes das Geschäft mit Leveraged Debt Capital Markets (LDCM) bewusst gedrosselt haben", sagte der Sprecher mit Bezug auf die Hochrisiko-Kredite. Gleichzeitig bliebe die Bank engagiert im LDCM-Geschäft, das weiterhin zentraler Bestandteil des Angebots sei. Zuerst hatte die Agentur Bloomberg über die EZB-Entscheidung berichtet. Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing hatte Mitte November bei einem Branchentreffen die strenge Regulierung kritisiert. "Die von den europäischen Regulierern auferlegten Strafpuffer erschweren den Wettbewerb in diesem Bereich für hiesige Banken," sagte Sewing. Hochrisiko-Kredite seien ein legitimes Segment, das eine wichtige Rolle in der Erholung der Wirtschaft spiele. Schwachstellen im Risikokreditgeschäft (Leveraged Lending) der Institute anzugehen, ist eine der Prioritäten der Aufsicht für die Jahre 2022 bis 2024. Sie will sicherstellen, dass die Banken in diesem Geschäft mit bonitätsschwächeren Kreditnehmern ein angemessenes Risikomamagement betreiben. Laut EZB hielten die großen Banken im Euro-Raum zuletzt mehr als eine halbe Billion Euro an Hochrisikokrediten - ein Anstieg von 80 Prozent im Vergleich zu 2017.
Am 25. November 2022 um 17:35 Uhr
Unterschiedliche Sichtweisen zu Inflation und Zinsen in der EZB-Spitze

Unterschiedliche Sichtweisen zu Inflation und Zinsen in der EZB-Spitze

Frankfurt (Reuters) - Im obersten Führungszirkel der Europäischen Zentralbank (EZB) herrschen unterschiedliche Sichtweisen zur Inflationsdynamik und den daraus folgenden geldpolitischen Schritten. EZB-Chefökonom Philip Lane riet zwar, die Lohnentwicklung im Euro-Raum als voraussichtlich wichtigem Inflationstreiber in den nächsten Jahren im Auge zu behalten. Eine grundsätzliche Änderung der Lohndynamik sei aber nicht zu sehen, schrieb er in einem auf der EZB-Webseite veröffentlichten Blogbeitrag. Dagegen hatte seine Direktoriumskollegin Schnabel in einer Rede in London am Donnerstag davor gewarnt, sich bei dem Thema zurückzulehnen. Aktuell sei das Lohnwachstum bereits recht schnell. Die EZB müsse eine Lohn-Preis-Spirale bereits im Vorfeld verhindern. Sie könne nicht warten, bis diese bereits eingetreten sei und dann erst reagieren. Schon am Montag hatte EZB-Chefvolkswirt Lane in einem Interview erläutert, es gebe immer weniger Argumente für einen erneuten sehr großen Zinsschritt um 0,75 Prozentpunkte im Dezember. Die Plattform dafür sei nicht mehr vorhanden. Je mehr die EZB bereits getan habe, desto weniger müsse sie noch unternehmen. Ganz anders dagegen argumentierte Schnabel: Vorliegende Daten deuteten darauf hin, dass der Spielraum für eine Verlangsamung der Zinserhöhungen begrenzt bleibe, sagte sie in London. Die Hartnäckigkeit der Inflation dürfe keinesfalls unterschätzt werden. Geldpolitik müsse datenabhängig bleiben. Damit tritt wenige Wochen vor der letzten Zinssitzung des Jahres die unterschiedlichen Einschätzungen der Währungshüter offen zu Tage. Die EZB hatte nach ihrer Oktober-Sitzung für das Treffen am 15. Dezember weitere Zinsanhebungen in Aussicht gestellt. EZB-Beobachter rechnen inzwischen damit, dass die Diskussionen über den weiteren geldpolitischen Weg auf der kommenden Zinssitzung viel heftiger ausfallen werden als noch zuletzt. "Während die Entscheidung vom Oktober sehr unumstritten war und von einer großen Mehrheit getragen wurde, deuten die jüngsten Äußerungen von EZB-Vertretern darauf hin, dass die Diskussion auf der Dezember-Sitzung sehr viel hitziger und kontroverser sein wird", schreibt etwa Carsten Brzeski, Chefvolkswirt der ING. Die EZB hatte im Juli im Kampf gegen die anhaltend hohe Inflation die Zinswende eingeleitet. Inzwischen hat sie in drei aufeinanderfolgenden Sitzungen die Schlüsselsätze um insgesamt 2,00 Prozentpunkte angehoben, wobei sie im September und Oktober Jumbo-Zinserhöhungen um jeweils 0,75 Prozentpunkte beschloss. Der Einlagensatz, der aktuell maßgebliche Zinssatz and den Finanzmärkten, liegt damit inzwischen bei 1,5 Prozent. Zuletzt war die Inflation im Euro-Raum auf 10,6 Prozent hochgeschossen. Das ist mehr als fünfmal so viel wie das von den Währungshütern angesteuerte Ziel von zwei Prozent.
Am 25. November 2022 um 16:08 Uhr
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