Airlines müssen in der EU mehr für CO2-Emissionen bezahlen

Airlines müssen in der EU mehr für CO2-Emissionen bezahlen

Brüssel/Frankfurt (Reuters) - Fluggesellschaften in Europa werden im Kampf gegen den Klimawandel künftig stärker für ihre CO2-Emissionen zur Kasse gebeten. Unterhändler der EU-Mitgliedstaaten, des Europäischen Parlaments und der EU-Kommission einigten sich am Mittwoch auf schärfere Regeln für Airlines im CO2-Emissionshandelssystem. Sie müssen nach diesem schon seit zehn Jahren für den Ausstoß des Treibhausgases von Flügen innerhalb Europas bezahlen, um einen Anreiz zur CO2-Reduktion zu haben. Ein großer Teil der Verschmutzungsrechte wird ihnen bisher aber kostenlos zugeteilt. Dieses Kontingent werde 2024 um 25 Prozent gesenkt, 2025 um 50 Prozent und ab 2026 ganz wegfallen, erklärte das EU-Parlament. Der Airline-Verband A4E nannte die Abschaffung der kostenlosen CO2-Zertifikate zutiefst enttäuschend. Die jährlichen Kosten dafür würden sich bis 2025 auf fünf Milliarden Euro verfünffachen. Die Airlines müssten damit zahlen, lange bevor es wirksame Instrumente für einen klimafreundlichen Luftverkehr gebe. Der internationale Airline-Verband IATA erklärte zuletzt, die Ticketpreise müssten wegen steigender CO2-Kosten erhöht werden. Die Lufthansa forderte die Mitgliedstaaten auf, den Kompromiss nicht zu akzeptieren. Ihrer Ansicht nach stellt er für die Airlines in Europa ein Wettbewerbsnachteil gegenüber nicht-europäischen Anbietern in Europa dar. "Der ETS schafft eine Zweiklassengesellschaft zwischen Airlines, die ihre Langstrecken von europäischen Hubs anbieten und jenen, die von Drehkreuzen vor den Toren der EU starten", erklärte die Lufthansa. Emissionen würden damit nicht vermieden, sondern verschoben. EU-Staaten und Parlament müssen das Gesetz noch final absegnen. WEITERE VERSCHÄRFUNG MÖGLICH Auch die Umweltlobby "Transport & Environment" (T&E) kritisierte das Gesetz, weil der Emissionshandel internationale Flüge weiterhin außen vor lässt. Die seien aber für 58 Prozent des Treibhausgasausstoßes der Luftfahrt verantwortlich. "Eine Durchschnittsfamilie in Europa wird weiterhin mehr für CO2-Emissionen bezahlen als Vielflieger auf der Langstrecke", monierte T&E-Luftfahrtexperte Jo Dardenne. Die EU-Staaten hätten die Erweiterung abgelehnt mit Verweis auf den internationalen Mechanismus Corsia. Über das von der staatlichen UN-Luftfahrtorganisation ICAO etablierte System werden CO2-Emissionen reduziert, indem die Airlines Klimaschutzprojekte finanzieren. Nach Ansicht von T&E ist der 2016 eingeführte Ausgleichsmechanismus zu schwach. Die EU will 2026 überprüfen, ob mit Corsia das Ziel des klimaneutralen Luftverkehrs bis 2050 erreicht werden kann. Falls nicht, würde der Emissionshandel auf internationale Flüge ausgeweitet. Geplant ist außerdem, dass die Airlines ab 2028 auch ETS-Verschmutzungsrechte für den Ausstoß von Stickoxid und Rußpartikeln kaufen müssen. Ein wichtiges Instrument für Klimaschutz im Luftverkehr ist der Umstieg auf nachhaltiges Flugbenzin (SAF). Dafür sollen die Airlines 20 Millionen CO2-Zertifikate kostenlos erhalten, um die höheren Kosten im Vergleich zum fossilen Kerosin stemmen zu können. Das sei ein erster richtiger Schritt, um Wettbewerbsnachteile der Europäer auszugleichen, erklärte der Bundesverband der Deutschen Luftverkehrswirtschaft. "Allerdings reicht die Zahl dieser Zertifikate nicht einmal annähernd aus, um die in diesem Zeitraum entstehenden Mehrkosten zu decken." (Bericht von Kate Abnett, Ilona Wissenbach, redigiert von Ralf Banser. Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an die Redaktionsleitung unter frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com)
Am 07. Dezember 2022 um 17:26 Uhr
DWS will mit Sonderdividende attraktiver für Investoren werden

DWS will mit Sonderdividende attraktiver für Investoren werden

Frankfurt (Reuters) - Die Deutsche-Bank-Fondstochter DWS umgarnt Investoren mit einer möglichen Sonderdividende und steckt sich neue Gewinn- und Einsparziele. Die Aktionäre sollten 2024 eine Sonderausschüttung von bis zu einer Milliarde Euro erhalten, teilte Deutschlands größte Fondsgesellschaft an ihrem Kapitalmarkttag am Mittwoch mit. Allerdings nur, wenn die DWS bis dahin kein passendes Übernahmeziel gefunden hat, um das Geld auszugeben. In den kommenden 18 Monaten will der Konzern weiter nach passenden Übernahmekandidaten suchen, um seine Marktanteile auszubauen. "In den vergangenen zwanzig Jahren haben wir keine transformative M&A-Deals durchgeführt und irgendwann müssen wir das Überschusskapital zurückgeben", erläutere DWS-Chef Stefan Hoops den Zusammenhang. Durch den Verkauf einiger Geschäftsbereiche und das Zurückfahren der regionalen Präsenz will die Fondsgesellschaft bis 2025 rund 100 Millionen Euro einsparen. Die freiwerdenden Mittel sollen in Wachstumsbereiche investiert werden. "Diesen Wandel finanzieren wir, indem wir intern Ressourcen durch Verkäufe, Strukturveränderungen und Kosteninitiativen umverteilen", sagte Hoops, der zum ersten Mal bei einem Kapitalmarkttag vor die Investoren trat. Welche Geschäfte DWS veräußern wird, ließ Finanzchefin Clarie Peel offen. Die Umschichtung soll den Gewinn je Aktie bis 2025 auf 4,5 Euro steigen lassen, bei einem bereinigten Aufwand-Ertrags-Verhältnis von unter 59 Prozent. Zum Vergleich: Im vergangenen Jahr, das als besonders ertragsreich galt, hatte der Gewinn pro Aktie bei 3,9 Euro und die Aufwand-Ertrags-Relation bei 58,1 Prozent gelegen. Ab 2025 will die DWS 65 Prozent ihres Gewinns als Dividende an die Anleger ausschütten. Auch damit will Hoops das Vertrauen der Anleger wiedergewinnen, das nach den Greenwashing-Vorwürfen gelitten hat. "ÜBERBORDENDES MARKETING" Die negativen Schlagzeilen um den mutmaßlichen Etikettenschwindel mit nachhaltigen Geldanlagen, sogenannten ESG-Fonds, will der neue DWS-Chef möglichst hinter sich lassen. "Wir nähern uns dem Abschluss der internen Untersuchungen", sagte er. Seit August 2021 ermitteln mehrere Behörden in Deutschland und in den USA wegen des Verdachts des Kapitalmarktbetrugs. Das Interesse der Aktionäre an dem ESG-Thema bleibt allerdings hoch: Rund 70 Prozent der Fragen der Investoren im Vorfeld des Kapitalmarkttages seien dazu gestellt worden, sagte Hoops. Er will neue Strukturen schaffen, um seine Fondsmanager bei den ESG-Kriterien mehr in die Pflicht zu nehmen. So sollen eine interne Aufsichtsstelle und direkte Berichtswege zum Vorstandschef die Vermarktung der ESG-Finanzprodukte stärker kontrollieren. "Es gab überbordendes Marketing und das muss abgemildert werden", beschrieb Hoops das Problem. In den vergangenen Monaten stufte die DWS einige Artikel-9-Fonds, die als besonders nachhaltig gelten, auf Artikel-8-Fonds herunter. Diese berücksichtigen zwar laut der EU-Klassifizierung ökologische und soziale Kriterien, sind aber keine nachhaltigen Investitionen. Hoops adressierte eine weitere Frage, die DWS-Investoren umtreibt: Minderheitsaktionäre halten die sehr Deutschland-spezifische Unternehmensstruktur einer Kommanditgesellschaft auf Aktien (KGaA) für "nicht unbedingt förderlich". Diese Struktur begünstigt den Mehrheitsgesellschafter und verleiht ihm Sonderrechte. Der DWS-Chef dämpfte aber gleich die Erwartungen einer Änderung: "Es ist nicht unsere Entscheidung - die Deutsche Bank als Mehrheitseigner muss sich mit der Frage auseinandersetzen." Die Deutsche Bank, die knapp 80 Prozent der DWS-Anteile hält, wollte den Vorschlag einer Änderung der Unternehmensform nicht kommentieren. An der Börse waren die DWS-Aktien die größten Gewinner im Sdax mit einem Aufschlag von mehr als vier Prozent. "Der Umbau der DWS dürfte noch einige Zeit dauern und auch so manche Enttäuschung in den Zahlen bereithalten", schrieb RoboMarkets-Analyst Jürgen Molnar. Mittel- bis langfristig aber könnten mit der Aussicht auf eine attraktive Dividendenpolitik des Konzerns durchaus Einstiegskurse entstehen. (Bericht von Marta Orosz, redigiert von Sabine Wollrab. Bei Rückfragen wenden Sie sich an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).) - von Marta Orosz und Tom Sims
Am 07. Dezember 2022 um 15:25 Uhr
Aktivistischer Investor Buebell fordert Rücktritt von Blackrock-Chef Fink

Aktivistischer Investor Buebell fordert Rücktritt von Blackrock-Chef Fink

(Reuters) - Der aktivistische Investor Bluebell Partners hat Blackrock -Chef Larry Fink zum Rücktritt aufgefordert. In einem Reuters vorliegenden Schreiben an den weltgrößten Vermögenverwalter kritisierte der kleine Investor, Blackrock gehe bei seinen Forderungen nach der Einhaltung von Umwelt-, Sozial- und Unternehmensführungskriterien (ESG) nicht weit genug. Der Konzern unternehme zu wenig, sein Portfolio um Geschäfte mit fossilen Energien zu bereinigen. Wegen seines Abrückens von der ESG-Strategie müsse Fink ebenso ersetzt werden wie Murry Gerber, der seit 2000 im Vorstand von Blackrock ist. Zuerst hatte das Wall Street Journal über die Forderungen von Bluebell berichtet. Blackrock war für eine Stellungnahme zunächst nicht zu erreichen. Der US-Konzern verwaltet etwa acht Billionen Dollar, Bluebell nur rund 250 Millionen. Der Investor hält einem Insider zufolge etwa 0,01 Prozent an Blackrock. Fink gilt als einer der Verfechter der ESG-Kriterien und hat fordert diese in seinen jährlichen Briefen an die Unternehmen, an denen Blackrock beteiligt ist, vehement ein. Zuletzt hatte der Vermögensverwalter Kritik aus anderer Richtung einstecken müssen: Republikanische US-Politiker werfen Blackrock vor, Energieaktien zu boykottieren und Nachhaltigkeitsziele über die Rendite zu stellen. Mehrere US-Bundesstaaten - etwa Florida, Missouri und Louisiana - haben Gelder von Blackrock abgezogen mit der Begründung, dass das Unternehmen seine ESG-Kriterien zu sehr in den Mittelpunkt stelle. Bluebell wurde 2019 gegründet und ist bekannt dafür, mit kleinen Anteilen große Forderungen nach Klimaschutz- und Nachhaltigkeitszielen zu stellen. Es hat bereits Konzerne wie GlaxoSmithKline, Glencore oder Vivendi aufs Korn genommen. Bei Danone schied nach einer Bluebell-Kampagne Konzernchef Emmanuel Faber aus dem Amt aus. (Bericht von Ananya Mariam Rajesh und Anirban Chakroborti inBangalore, geschrieben von Anneli Palmen, redigiert von Sabine Wollrab. Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)
Am 07. Dezember 2022 um 10:28 Uhr
Kohle in Deutschland auf dem Vormarsch - Stromerzeugung steigt 13 Prozent

Kohle in Deutschland auf dem Vormarsch - Stromerzeugung steigt 13 Prozent

Berlin (Reuters) - In Reaktion auf den Ukraine-Krieg wird Kohle für die Energieversorgung in Deutschland immer wichtiger. Im Sommer-Quartal kletterte die Einspeisung von Kohlestrom auf Jahressicht um 13,3 Prozent, wie das Statistische Bundesamt (Destatis) am Mittwoch mitteilte. Damit stammte der ins Netz eingespeiste Strom zwischen Juli und September zu über ein Drittel (36,3 Prozent) aus Kohlekraftwerken, während es im dritten Quartal 2021 nur 31,9 Prozent waren. Trotz hoher Gaspreise stieg auch die Stromerzeugung aus Erdgas: Sie war 4,5 Prozent höher als im Vorjahresquartal und machte 9,2 (Vorjahresquartal: 8,8) Prozent des eingespeisten Stroms aus. Damit wurde erstmals seit dem Frühjahr 2021 wieder mehr Strom aus Erdgas erzeugt als im jeweiligen Vorjahreszeitraum. Insgesamt wurden im Sommer 2022 in Deutschland 118,1 Milliarden Kilowattstunden Strom ins Netz eingespeist - also 0,5 Prozent weniger als vor einem Jahr. Wegen des russischen Einmarschs in die Ukraine versucht Deutschland sich von den enormen Energielieferungen aus Russland unabhängiger zu machen. Dies fällt vor allem bei Gas schwer. Deshalb setzt die Ampelkoalition wieder stärker auf Kohle und Atomstrom. Trotz der Anstiege bei der Stromerzeugung aus Kohle und Erdgas ging die aus konventionellen Energieträgern insgesamt erzeugte Strommenge um drei Prozent zurück. Der Anteil an der eingespeisten Strommenge fiel auf 55,6 Prozent, von 57,0 Prozent vor einem Jahr. Das lag auch daran, dass nur noch gut halb so viel Atomstrom erzeugt und ins Stromnetz eingespeist wurde wie ein Jahr zuvor. Die Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien wie Wind, Sonne und Wasser stieg im dritten Quartal um 2,9 Prozent. Der Anteil an der gesamten Stromerzeugung kletterte binnen Jahresfrist von 43,0 auf 44,4 Prozent. Aufgrund der "ungewöhnlich hohen Zahl an Sonnenstunden" im Sommer gab es gut 20 Prozent mehr Solarstrom. Die Wirtschaft hat wegen der Energiekrise wiederholt an die Bundesregierung appelliert, alle verfügbaren Ressourcen zur Stromerzeugung zu nutzen. Eine Expertengruppe um den Präsidenten des Münchner Ifo-Instituts, Clemens Fuest, schlägt vor, so viele Quellen wie möglich für die Stromversorgung zu nutzen. "Der Ausbau erneuerbarer Energien ist massiv zu beschleunigen, ebenso wie der Bau von Gaskraftwerken, die später Wasserstoff verbrennen können", hieß es in einem Papier dazu. "Kernkraftwerke sollten erst dann abgeschaltet werden, wenn andere Kraftwerke zur Verfügung stehen, die kein CO2 ausstoßen", schreiben etwa Fuest, sein Vorgänger Hans-Werner Sinn, die Unternehmer Christoph Theis und Roland Berger. Sie forderten zudem den Ausbau der heimischen Gasförderung und schnellere Planungsverfahren für erneuerbare Energien. (Bericht von Klaus Lauer; redigiert von Kerstin Dörr - Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)
Am 07. Dezember 2022 um 10:24 Uhr
Prestigeerfolg für Nike - Nur ein Adidas-Team im Viertelfinale

Prestigeerfolg für Nike - Nur ein Adidas-Team im Viertelfinale

München (Reuters) - Nike sammelt bei der Fußball-Weltmeisterschaft in Katar Prestigeerfolge. Sechs der acht Nationalmannschaften, die sich für das Viertelfinale qualifiziert haben, spielen in Trikots des weltgrößten Sportartikelherstellers. Das steht nach dem 6:1-Kantersieg von Portugal gegen die Schweiz am Dienstagabend fest. Damit hat Nike fast die Hälfte der 13 Mannschaften, die der US-Konzern ausrüstet, unter die besten acht gebracht. Von den sieben Adidas-Teams hat nach dem überraschenden Aus Spaniens dagegen nur Argentinien das Achtelfinale überstanden. Achtelfinal-Sensationssieger Marokko (3:0 im Elfmeterschießen gegen Spanien) spielt in Puma-Hemden und -Hosen. Der fränkische Adidas-Rivale staffierte in Katar sechs der 32 Teams aus, allerdings fast ausschließlich Außenseiter. Ein Trost für Adidas: Mit dem offiziellen WM-Ball "Al-Rihla" ("Die Reise") ist die weltweite Nummer zwei unter den Sportartikelherstellern in jedem Spiel in Katar bis zum Finale dabei. Die 1280 Bälle - 20 für jedes Spiel - sind mit einem Chip ausgestattet, der unter anderem die Schussgeschwindigkeit misst und den Video-Schiedsrichter unterstützen soll. Adidas erwartet durch die WM einen zusätzlichen Umsatz von 400 Millionen Euro. (Bericht von Alexander Hübner, redigiert von Ralf Bode. Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com)
Am 07. Dezember 2022 um 07:37 Uhr
Bund lehnt Forderung aus Bundesländern nach Deutschland-Bonds ab

Bund lehnt Forderung aus Bundesländern nach Deutschland-Bonds ab

Berlin (Reuters) - Das Bundesfinanzministerium lehnt den Vorschlag aus mehreren Bundesländern nach einer gemeinsamen Schuldenaufnahme angesichts steigender Zinskosten ab. Eine Fortführung oder Wiederaufnahme des Instruments von Bund-Länder-Anleihen sei nicht beabsichtigt, sagte eine Sprecherin am Dienstag der Nachrichtenagentur Reuters. Sie verwies auf eine Prüfung des Bundesrechnungshofes, wonach die 2013 begebene und bislang einzige Bund-Länder-Anleihe unterm Strich unwirtschaftlich gewesen sei. "Die Einsparungen der Ländern konnten die Mehrausgaben des Bundes nicht ausgleichen." Eine Wiederauflage sei daher "unwirtschaftlich und nicht zur Entlastung der Länderfinanzen geeignet", hieß es. Angesichts steigender Kreditkosten plädieren sowohl Schleswig-Holsteins Finanzministerin Monika Heinold als auch der Berliner Finanzsenator Daniel Wesener für eine gemeinsame Schuldenaufnahme der Länder mit dem Bund über sogenannte Deutschand-Bonds. "Gerade bei steigenden Zinsen und den aktuellen finanziellen Herausforderungen sind Bund-Länder-Anleihen ein sinnvolles Instrument, um die Kreditbelastungen in unserem föderalen System auf allen Ebenen schultern zu können", sagte die grüne Landesministerin Heinold am Dienstag der Nachrichtenagentur Reuters. "Es wäre gut, wenn die Bundesregierung den Weg dafür frei macht." Ähnlich sieht das Heinolds Parteifreund Wesener. "Gemeinsame Anleihen können ein sinnvolles Instrument sein. Das gilt erst recht in Zeiten steigender Zinsen", sagte der Berliner Finanzsenator. "Wenn Bundesländer Kredite zu den Konditionen des Bundes aufnehmen könnten, würde das ihren finanziellen Handlungsspielraum erhöhen und die Zinskosten für die Steuerzahler senken." Durch Deutschland-Bonds könnten sich finanzschwächere Bundesländer billiger verschulden. Der Grund ist die Beteiligung des Bundes, der seine ausgezeichnete Bonität den schwächeren Bundesländern zur Verfügung stellen würde, die für selbst aufgenommene Kredite höhere Zinsen zahlen müssten. Die Bonität des Bundes wird von allen großen Ratingagenturen mit der begehrten Bestnote "AAA" bewertet, die ein extrem niedriges Ausfallrisiko signalisieren. Für diese Sicherheit sind Investoren bereit, ihr Geld gegen geringere Zinsen zu verleihen. Heinold hat sich deshalb schon vor Jahren für gemeinsame Bund-Länder Anleihen ausgesprochen und einen entsprechenden Antrag auf dem Bundesparteitag der Grünen vertreten. Im Juni 2013 hat es eine erste gemeinsame Anleihe gegeben. Neben dem Bund beteiligten sich zehn Länder mit unterschiedlichen Anteilen an der Emission des festverzinslichen Wertpapiers mit einer Laufzeit von sieben Jahren und einem Volumen von drei Milliarden Euro. Mehrere finanzstarke Länder - darunter Bayern, Baden-Württemberg und Hessen - machten allerdings nicht mit. Wegen der jahrelangen Nullzinspolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) konnte sich der deutsche Staat lange Zeit extrem günstig verschulden. Der Bund verdiente zeitweise sogar Geld beim Schuldenmachen. Allerdings hat die EZB wegen der Rekordinflation in der Euro-Zone ihren Leitzins inzwischen auf 2,0 Prozent erhöht. Nächste Woche könnte sie ihn sogar auf 2,5 Prozent hochtreiben. Damit steigen auch die Zinskosten für den Staat. (Bericht von Rene Wagner und Christian Krämer. Redigiert von Birgit Mittwollen. Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com)
Am 06. Dezember 2022 um 16:44 Uhr
Baukonzern Bauer erwartet nach Abschreibungen Verlust

Baukonzern Bauer erwartet nach Abschreibungen Verlust

München (Reuters) - Der bayerische Tiefbau- und Maschinenbau-Konzern Bauer rutscht wegen Abschreibungen und der Schließung unrentabler Töchter in diesem Jahr tief in die roten Zahlen. Vor Steuern und Zinsen (Ebit) rechnet das Familienunternehmen aus Schrobenhausen mit einem Verlust von 65 bis 90 Millionen Euro, wie Bauer am Dienstag mitteilte. Zuletzt hatte das Unternehmen bereits mit einem Ebit deutlich unter den 36 Millionen Euro aus dem Vorjahr gerechnet. Die Konjunkturflaute und Länderrisiken erforderten Firmenwert-Abschreibungen von 55 bis 70 Millionen Euro, dazu kämen 25 bis 35 Millionen für den Verkauf oder die Abwicklung von dauerhaft defizitären Töchtern wie dem Brunnenbau in Jordanien. Auf das Russland-Geschäft hatte Bauer bereits im September 15 Millionen Euro abgeschrieben. Bauer ist gerade dabei, mit einer Kapitalerhöhung fast 104 Millionen Euro frisches Kapital aufzunehmen. Dabei will der Münchner Bau- und Immobilienunternehmer Alfons Doblinger seine 30-Prozent-Beteiligung deutlich aufstocken. Die Doblinger-Gruppe will bis zu 70 Millionen Euro frisches Kapital beisteuern. Die Familie des ehemaligen CSU-Schatzmeisters Thomas Bauer, die 36 Prozent hält, will sich dagegen nicht beteiligen. Mit dem frischen Geld will Bauer vor allem Schulden abbauen. (Bericht von Alexander Hübner; redigiert von Sabine Wollrab. Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)
Am 06. Dezember 2022 um 16:03 Uhr
OMV schlägt Verstaatlichung von Gashandel vor - ÖBAG prüft

OMV schlägt Verstaatlichung von Gashandel vor - ÖBAG prüft

Wien (Reuters) - Der Chef des Wiener Öl-, Gas- und Chemiekonzerns OMV wehrt sich gegen einen möglichen staatlichen Auftrag zur Sicherung der Gasversorgung Österreichs und lässt mit einem Vorschlag aufhorchen. Man könne die Gashandelstochter aus dem Unternehmen herauslösen und verstaatlichen, sagte Vorstandschef Alfred Stern den Tageszeitungen "Kurier" und "Die Presse" (Dienstagausgabe). Die OMV verfüge nur über einen Marktanteil von 45 Prozent und könne nicht ganz Österreich abdecken, dafür brauche es eine nationale Gashandelsfirma, die die Marktaktivitäten bündeln könnte, so der Manager. Die Staatsholding ÖBAG prüft im Auftrag des Finanzministeriums und unter Mithilfe des Beraters McKinsey die Möglichkeiten zur Sicherung der Gasversorgung unabhängig von Russland. "Eine Übernahme der Verantwortung durch die Republik ist dabei auch eine der theoretischen Möglichkeiten, die analysiert wird", sagte ÖBAG-Sprecher Michael Mauritz auf Anfrage der Nachrichtenagentur Reuters. Sowohl ÖBAG als auch Finanzministerium wollten sich nicht zu Details äußern. "Die Prüfung, die die ÖBAG über Ersuchen des Herrn Bundesministers für Finanzen durchführt, ist noch im Gange und die ÖBAG bezieht alle an sie herangetragenen Angebote mit ein", erfuhr Reuters aus dem Finanzministerium. Eine Option wäre, dass die OMV einen staatlichen Auftrag zur Gasversorgung bekommt und sie dafür abgegolten wird. Für das Unternehmen selbst dürfte wohl die Verstaatlichung der Tochter die bevorzugte Variante sein. Das Gashandelsgeschäft West, dass die Aktivitäten in Österreich, Deutschland, Ungarn, den Niederlanden und Belgien abdeckt, beschäftigt etwa 200 Mitarbeiter. Es fuhr wegen der hohen Gaspreise als Folge des Ukraine-Krieges in den ersten neun Monaten einen operativen Verlust vor Sondereffekten von mehr als 220 Millionen Euro ein nach einem Gewinn von 63 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum. Über die Gashandelstochter werden zudem auch die Gaslieferverträge mit der russischen Gazprom gehalten, die bis 2040 laufen. Neben der OMV, an der die ÖBAG 31,5 Prozent hält, wird auch der Stromkonzern Verbund in die Überlegungen miteinbezogen. Der Energiekonzern steht mehrheitlich im Staatsbesitz und hält wiederum selbst die Mehrheit an der Gas Connect Austria, die in Österreich ein über 900 Kilometer langes Erdgas-Hochdruckleitungsnetz betreibt. Für Aufsehen mit einem Angebot für die OMV sorgte auch ein Konsortium rund um den norwegischen Gasmanager Sverre Skogen. Das Konsortium, dem auch der Rohstoffhändler Trafigura mit Sitz in Singapur sowie der Private Equity Fonds Bluewater angehören, signalisierte Interesse an 51 Prozent am Explorations- und Produktionsgeschäft der OMV. Im Gegenzug wollen die Investoren Erdgaslieferungen garantieren. Wie diese Mengen nach Österreich kommen sollen, ist allerdings unklar. Wann die Staatsholding ÖBAG ihre Analyse zur Gasversorgung präsentieren wird, ist noch offen. Eile dürfte es vorerst keine geben, da die Gasversorgung für diesen Winter nach Worten der konservativ-grünen Bundesregierung aufgrund der vollen Erdgas-Speicher gesichert ist. Laut Stern bereitet sich die OMV auch schon auf den nächsten Winter vor. Gegenüber dem "Kurier" zeigte sich der OMV-Chef zuversichtlich, wieder auf ein Volumen von 80 Terawattstunden (TWh) zugreifen zu können. Diese Mengen würden aus der eigenen Produktion in Norwegen kommen, aus zusätzlichen Gaslieferverträgen mit Norwegen und Italien sowie über das Flüssigerdgas-(LNG)-Terminal in Rotterdam, an dem die OMV beteiligt ist. Damit wäre ein Großteil des heimischen Marktes abgedeckt. Der Gesamtverbrauch des Landes lag im Vorjahr bei 96 TWh und dürfte aufgrund von Einsparungen sinken. Die große Unsicherheit sind nach Ansicht von Stern die Transportkapazitäten nach Österreich. Diese würden über eine europäische Plattform versteigert, wobei die Auktionen dem Bericht zufolge erst im Sommer 2023 stattfinden. (Bericht von Alexandra Schwarz-Goerlich, redigiert von Ralf Banser. Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)
Am 06. Dezember 2022 um 15:50 Uhr
BDI - Handelsgespräche von USA und EU haben kaum Fortschritte gebracht

BDI - Handelsgespräche von USA und EU haben kaum Fortschritte gebracht

Berlin (Reuters) - Die deutsche Industrie zeigt sich nach den hochrangig besetzten Beratungen zum Handel zwischen der EU und den USA enttäuscht. Das Treffen des transatlantischen Handels- und Technologierats sei wenig erfolgreich gewesen. Es habe nur kleinere Fortschritte gegeben, sagte der Präsident des Industrieverbandes BDI, Siegfried Russwurm, am Dienstag. "Das Bekenntnis zur Arbeit an gemeinsamen Standards in der Elektromobilität ist ein positives Signal. Diese sollten aber nicht nur die Ladeinfrastruktur umfassen, sondern auch weitere Bereiche wie CO2-neutrale Kraftstoffe." Das Frühwarnsystem für Engpässe in der Halbleiterlieferkette müsse nun in enger Abstimmung mit der Industrie etabliert werden. Für Verstimmung hatte im Vorfeld aber vor allem das milliardenschwere Subventionspaket der USA gesorgt. Die Gespräche zum sogenannten Inflation Reduction Act seien enttäuschend verlaufen, so Russwurm. Europäische Unternehmen dürften nicht benachteiligt werden. Bestehende Differenzen müssten noch vor dem Jahresende ausgeräumt werden. Es drohe sonst ein schädlicher Subventionswettlauf. "Neue Hemmnisse müssen unbedingt vermieden werden." EU-Vertreter hatten bei den sechsstündigen Gesprächen mit der US-Regierung, die an der Universität von Maryland unweit von Washington stattfanden, keinen Durchbruch erzielt. Beide Seiten teilten lediglich mit, konstruktiv weiter an einer Lösung arbeiten zu wollen. Das US-Gesetz bietet Autokäufern unter anderem Steuergutschriften in Höhe von 7500 Dollar für den Neukauf von in Nordamerika hergestellten Elektroautos. Die EU fürchtet Nachteile für europäische Firmen. Im Raum stehen deswegen ähnliche Maßnahmen in der EU, die wiederum eine Produktion in Europa bevorzugen würden. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron hatte bei seinem jüngsten US-Besuch das Gesetz als "Jobkiller" für Europa bezeichnet. US-Präsident Joe Biden hatte ihm zugesagt, einige Anpassungen zu erwägen. Wie dies geschehen könnte, blieb aber offen. (Bericht von Christian Krämer, redigiert von Sabine Ehrhardt. Bei Rückfragen wenden Sie sich an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)
Am 06. Dezember 2022 um 15:36 Uhr
EU nimmt Deutsche Bank und Rabobank wegen Anleihenkartell ins Visier

EU nimmt Deutsche Bank und Rabobank wegen Anleihenkartell ins Visier

Brüssel (Reuters) - Die EU-Wettbewerbshüter beschuldigen die Deutsche Bank und das niederländische Institut Rabobank der Teilnahme an einem Anleihenkartell. Händler der beiden Geldhäuser hätten zwischen 2005 und 2016 Preis- und handelsstrategische Absprachen beim Handel mit supranationalen, staatlichen sowie halbstaatlichen Anleihen (SSA-Anleihen) und bei staatlich garantierten Anleihen getroffen, teilte die Europäische Kommission am Dienstag mit. Die Händler hätten sich vor allem per E-Mail und auf Messengerdiensten beim Handel von Euro-Anleihen abgesprochen. Die Deutsche Bank erwartet in dem Fall keine Geldbuße: "Die Deutsche Bank hat in dieser Angelegenheit proaktiv mit der Europäischen Kommission zusammengearbeitet und hat daher bedingte Immunität vor Geldbußen erhalten", teilte das Geldhaus mit. Die Rabobank erklärte, sie kooperiere mit den Behörden. Einen weiteren Kommentar zu den Vorwürfen lehnte sie ab. Die Banken können nun zu den erhobenen Vorwürfen Stellung nehmen, bevor die EU-Kommission eine finale Entscheidung zu möglichen Strafen trifft. Es handelt sich um die dritte Untersuchung der EU-Kommission im Anleihenhandel. Im April 2021 verdonnerten die Wettbewerbshüter die Bank of America, Credit Agricole und Credit Suisse zu Geldbußen von insgesamt 28 Millionen Euro wegen Absprachen beim Handel von auf Dollar laufenden SSA-Anleihen. Die Deutsche Bank ging straffrei aus, weil sie das Kartell gegenüber der EU-Kommission enthüllt hatte. Im Mai 2021 verhängte die Brüssler Behörde Bußen von insgesamt 371 Millionen Euro gegen sieben Investmentbanken. (Bericht von Foo Yun Chee, geschrieben von Marta Orosz und Hans Seidenstücker; redigiert von Sabine Wollrab. Bei Rückfragen wenden Sie sich an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)
Am 06. Dezember 2022 um 14:02 Uhr
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