Fed-Konjunkturbericht - US-Firmen blicken pessimistischer in die Zukunft

Fed-Konjunkturbericht - US-Firmen blicken pessimistischer in die Zukunft

Washington (Reuters) - In den USA ist die Wirtschaft laut der Notenbank Federal Reserve (Fed) von Mitte Oktober bis Ende November kaum oder nur mäßig gewachsen. Im Vergleich zur vorigen Befragung habe sich die wirtschaftliche Aktivität weiter verringert, teilte die US-Notenbank in ihrem am Mittwoch veröffentlichten Konjunkturbericht "Beige Book" mit. Hohe Zinsen und Inflation belasteten nach wie vor die Wirtschaft. Viele Befragten hätten eine größere Unsicherheit zum Ausdruck gebracht oder schauten pessimistischer in die Zukunft, heißt es weiter in dem Bericht, der auf Wirtschaftskontakten aus den Regionen fußt. Die Verbraucherpreise seien in den meisten Bezirken mit einem moderaten bis starken Tempo gestiegen. In den meisten Bezirken habe die Beschäftigung leicht zugenommen, während sie in zwei Bezirken stagnierte. Die Nachfrage nach Arbeitskräften habe sich insgesamt abgeschwächt. Die US-Wirtschaft war im Sommer auf das Jahr hochgerechnet noch um 2,9 Prozent gewachsen. Angesichts der noch immer hohen Inflation im Land sind die Konjunkturaussichten jedoch nicht mehr rosig. Die Fed stemmt sich mit kräftigen Zinserhöhungen gegen den Anstieg der Verbraucherpreise, die mit 7,7 Prozent zuletzt jedoch nicht mehr so stark zulegten wie zuvor. Die Fed könnte daher bei ihrer letzten Sitzung im laufenden Jahr etwas den Fuß vom Gas nehmen. Die höheren Zinsen machen Kredite für Investitionen und Konsum teurer, was wiederum die Konjunktur ausbremsen könnte. (Bericht von Lindsay Dunsmuir. Geschrieben von Birgit Mittwollen, redigiert von Reinhard Becker.; Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com)
Am 01. Dezember 2022 um 07:36 Uhr
EZB-Experten sehen Bitcoin auf dem Weg in die Irrelevanz

EZB-Experten sehen Bitcoin auf dem Weg in die Irrelevanz

Frankfurt (Reuters) - Die Cyberwährung Bitcoin ist laut Einschätzung zweier hochrangiger EZB-Experten nach dem erneuten Kursabsturz im Zuge der FTX-Pleite auf dem Weg in Richtung Bedeutungslosigkeit. Bitcoin-Befürworter hätten zwar vor dem FTX-Kollaps bei einer Kursstabilisierung auf eine Atempause auf dem Weg zu neuen Höhen gehofft. "Dabei war schon vorher zu erkennen, dass es eher ein letztes Aufbäumen auf dem Weg in die Irrelevanz war," hieß es in einem Blogbeitrag von EZB-Generaldirektor Ulrich Bindseil und EZB-Berater Jürgen Schaaf, den die Europäische Zentralbank (EZB) am Mittwoch auf ihre Internetseite stellte. Der Artikel wurde auch im "Handelsblatt" veröffentlicht. Der Kurs von Bitcoin, der ältesten Cyberdevise, war im Zuge des FTX-Kollaps erstmals seit 2020 wieder unter die Marke von 16.000 Dollar gefallen. Auch andere Kryptowährungen wie Ethereum und Ripple hatten starke Verluste verzeichnet. Bei Kursen um aktuell rund 16.800 Dollar hat Bitcoin seit Jahresbeginn inzwischen mehr als 63 Prozent an Wert eingebüßt. Noch im November 2021 hatte der Kurs einen Höchststand bei rund 69.000 Dollar markiert. Kurskapriolen und Skandale in dem Sektor, wie der FTX-Zusammenbruch, hatten zuletzt rund um den Globus Rufe nach einer scharfen Regulierung aufkommen lassen. Der Finanzstabilitätsrat (FSB) etwa tritt für weltweite Regeln ein und gab im Oktober dazu mehrere Empfehlungen heraus. Aus Sicht von Bindseil und Schaaf ist Bitcoin als Zahlungsmittel fragwürdig. Auch als Anlage könne Bitcoin nicht dienen. Die Marktbewertung basiere rein auf Spekulationen, schreiben die Autoren. Ihre Forderung: "Da Bitcoin weder als Zahlungssystem noch als Anlageform geeignet erscheint, sollte er regulatorisch auch als keines von beiden behandelt - und damit legitimiert werden." Regulierung solle nicht dazu beitragen, Vertrauen in etwas zu schaffen, was letztlich "keinen ökonomischen Wert" habe und damit auch keine sinnvolle Anlageform sein könne. "Ebenso sollte sich die Finanzbranche vor den langfristigen Schäden der Förderung von Bitcoin-Anlagen hüten", warnen Bindseil und Schaaf. Und dies trotz womöglich kurzfristiger Gewinne, fügten sie hinzu. Sollten Bitcoin-Anleger weitere Verluste erleiden, könnten die negativen Auswirkungen auf die Kundenbeziehungen und der Reputationsschaden für die gesamte Branche enorm sein. (Bericht von Frank Siebelt, redigiert von Scot W. Stevenson; Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)
Am 30. November 2022 um 17:34 Uhr
Vorerst keine EU-Mittel für Ungarn - Streit über Justiz und Korruption

Vorerst keine EU-Mittel für Ungarn - Streit über Justiz und Korruption

Brüssel/Budapest (Reuters) - Im Streit über demokratische Standards und Korruption stoppt die EU-Kommission Milliardenhilfen für Ungarn. Das Spitzengremium der Europäischen Union billigte zwar am Mittwoch die Pläne der Regierung von Ministerpräsident Viktor Orban für Konjunkturhilfen zur Überwindung der wirtschaftlichen Folgen der Coronavirus-Pandemie. Allerdings werden die dafür geplanten 5,8 Milliarden Euro zurückgehalten, bis Ungarn alle Bedingungen der EU erfüllt. Zudem forderte die Kommission alle Mitgliedsstaaten erneut auf, die für Ungarn bestimmten 7,5 Milliarden Euro zur Angleichung der Lebensverhältnisse im Staatenbund einzufrieren. Der Entscheidung der Kommission waren monatelange Diskussionen mit Orbans rechter Regierung über die Wahrung von Menschenrechten und demokratischen Standards, der Unabhängigkeit der Justiz, den Rechten von Minderheiten, der Medienfreiheit und der Bekämpfung von Korruption vorausgegangen. Bezüglich der Rechtstaatlichkeit habe sich Ungarn zu bedeutenden Reformen bekannt, erklärte Kommissions-Vizepräsident Valdis Dombrovskis. "Erst wenn diese Reformen vollständig umgesetzt sind, wird der Zugang zum EU-Rettungsfonds freigeschaltet." Der EU zufolge muss Ungarn noch 27 "Super-Meilensteine" erfüllen, etwa zur Bekämpfung der Korruption und Reformen der Rechtsstaatlichkeit. UNGARN ERWARTET GELDER IM KOMMENDEN JAHR Der für die Verhandlungen mit der EU zuständige ungarische Minister Tibor Navracsics sagte, er hoffe auf eine Freigabe der Gelder im Laufe des kommenden Jahres. Er wies darauf hin, dass einige der dafür notwendigen Gesetze nur noch verabschiedet werden müssten. In dem selbst gesetzten Zeitplan gebe es noch Fristen, sagte er. "Wir sind noch nicht an der Ziellinie." Ungarn stehe im ständigen Dialog mit der Kommission und sei zu Kompromissen bereit. Orbans Stabschef Gergely Gulyas zeigte sich zuversichtlich, in der zweiten Hälfte 2023 EU-Hilfen in Höhe von mehr als sechs Milliarden Euro zu erhalten. EU-Diplomaten gehen nun davon aus, dass die Zustimmung der Kommission zum ungarischen Konjunkturplan den Widerstand der Regierung in Budapest bei mehreren EU-Projekten aus dem Weg räumen dürfte. So stellt sich Ungarn bislang gegen Pläne, wonach die Ukraine im kommenden Jahr 18 Milliarden Euro aus dem EU-Haushalt erhalten soll. Zudem zeigten sich die Insider hoffnungsvoll, dass Ungarn nun sein Veto in der EU gegen die geplante weltweite Mindeststeuer für Unternehmen fallenlassen könnte, die von der OECD vereinbart worden ist. In Brüssel wurde der ungarische Widerstand in beiden Punkten als Druckmittel gesehen, um eine Zustimmung zum Corona-Hilfsplan zu erzwingen. Ungarn dürfte die Entscheidung der EU-Kommission allerdings zunächst hart treffen. Allein die 7,5 Milliarden Euro aus dem sogenannten Kohäsionsfonds der EU zur wirtschaftlichen Angleichung entsprechen fünf Prozent der geschätzten Wirtschaftsleistung im laufenden Jahr. Neben Ungarn befindet sich auch Polen im ständigen Streit mit der EU über Themen wie Rechtstaatlichkeit und Unabhängigkeit der Justiz. Auch hier werden Hilfsgelder in Milliardenhöhe zurückgehalten. Polen hat inzwischen eine viel kritisierte Disziplinarkammer für Richter wieder abschafft. Am Dienstag wurde zudem eine Sperre gegen einen regierungskritischen Richter aufgehoben, der als Vorkämpfer gegen die umstrittene Justizreform der Regierung in Warschau gilt. (Weitere Berichterstattung Krisztina Than; Geschrieben von Hans Busemann und Scot W. Stevenson; Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).) - von Jan Strupczewski
Am 30. November 2022 um 17:01 Uhr
SNB - Bargeldlose Zahlungsformen Risiko für

SNB - Bargeldlose Zahlungsformen Risiko für "krisensicheres" Bargeld

Zürich (Reuters) - Die zunehmende Nutzung von bargeldlosen Zahlungsmitteln wie Debit- und Kreditkarten oder Bezahl-Apps birgt der Schweizerischen Nationalbank (SNB) zufolge das Risiko, dass wichtige Infrastruktur für die Bereitstellung der "krisensicheren" Zahlungsmethode Bargeld ausgedünnt wird. "Mit Banknoten kann auch dann bezahlt werden, wenn das Kartenterminal ausfällt, das Mobiltelefon keinen Empfang hat oder der Strom fehlt", sagte SNB-Direktoriumsmitglied Martin Schlegel am Dienstag bei einer Veranstaltung in Liechtenstein laut Redetext. "Bargeld bietet damit ein wichtiges 'Backup', wenn es zu lokalen oder gar flächendeckenden Störungen bei Zahlungen mit Karten oder Apps kommt." Die Notenbank habe keine Präferenz, ob mit Bargeld oder bargeldlos bezahlt werde, sehe in der starken Verschiebung hin zu bargeldlosen Zahlungsmitteln allerdings auch Risiken, führte Schlegel aus. Denn Kassen, Geldautomaten, sichere Transportfahrzeuge und Anlagen seien nötig, unabhängig davon, ob viel oder wenig Bargeld um Einsatz komme. "Dies bedeutet, dass eine sinkende Bargeldnutzung die Kosten für die Versorgung je Banknote erhöht." Eine Folge davon sei etwa, dass das Geldautomaten-Netz in den letzten Jahren ausgedünnt wurde. "Der Abbau des Zugangs und eine verminderte Akzeptanz können somit eine Negativspirale auslösen: Schwierigerer Zugang, weniger Nutzung und eine geringere Akzeptanz verstärken sich gegenseitig", erklärte der SNB-Direktor. Schlegel zeigte sich überzeugt, dass die Nachfrage nach Bargeld noch lange bestehen werde. Die Wahlfreiheit beim Bezahlen habe für die Bevölkerung und damit auch für die SNB eine hohe Bedeutung. "Diese Wahlfreiheit ist jedoch keine Selbstverständlichkeit, sondern hat als wichtige Voraussetzung, dass die Bargeldversorgung Tag für Tag gut funktioniert", sagte Schlegel. (Bericht von Paul Arnold, redigiert von Hans Seidenstücker. Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)
Am 29. November 2022 um 16:18 Uhr
Proteste in China treiben europäische Anleger um

Proteste in China treiben europäische Anleger um

Frankfurt (Reuters) - Die Proteste in China setzen den europäischen Aktienmärkten zu. Der deutsche Leitindex Dax und sein europäisches Pendant EuroStoxx50 fielen am Montag um jeweils knapp ein Prozent auf 14.405 beziehungsweise 3931 Zähler. "Die Situation ist sehr schwer einzuschätzen. Auch die Märkte sind nicht an Demonstrationen in China gewöhnt", sagte Chris Beauchamp, Chefanalyst beim Onlinehändler IG. Die große Unbekannte sei vor allem, wie sich die Unruhen auf die Corona-Politik der chinesischen Regierung auswirke. Im Fokus stand zudem eine Rede der Präsidentin der Europäischen Zentralbank (EZB), Christine Lagarde, später am Montag. Börsianer erhoffen sich im Vorfeld der Inflationsdaten für die Eurozone am Mittwoch Hinweise auf die künftige Geldpolitik der Notenbank. ÖL UND BITCOIN STARK UNTER DRUCK - ANLEIHEN GEFRAGT Die China-Sorgen belasteten auch den Ölpreis. Die Nordsee-Sorte Brent und die leichte US-Sorte WTI waren mit Preisen von 81,05 beziehungsweise 73,98 Dollar jeweils rund drei Prozent billiger. Die Unsicherheit setzte auch Kryptowährungen zu. Bitcoin fiel um fast zwei Prozent auf 16.205 Dollar und Ethereum bröckelte um 2,4 Prozent auf 1169 Dollar ab. "Alles, was mit Risiko zu tun hat, fassen Investoren mit spitzen Fingern an," sagte Analyst Timo Emden von Emden Research. Gleichzeitig waren Anleihen als ein sicherer Hafen gefragt. Die Rendite 10-jähriger deutscher Staatsanleihen sank um vier Basispunkte auf 1,93 Prozent. EINIGUNG MIT GLÄUBIGERN BEFLÜGELT ADLER - BRENNTAG STÜRZT AB Bei den Einzelwerten schnellten die Aktien der Adler Group um mehr als 60 Prozent in die Höhe. Der krisengeschüttelte Immobilieninvestor verkündete am Sonntag eine Einigung mit wichtigen Gläubigern. Papiere des Chemikalienhändlers Brenntag lagen dagegen gut neun Prozent im Minus. Das Unternehmen verhandelt mit seinem US-Konkurrenten Univar über eine mögliche Übernahme. Anleger äußerten Bedenken wegen mehrerer Unklarheiten. In London stürzten die Aktien des britischen Modekonzerns Superdry um 3,8 Prozent ab. Das Unternehmen befindet sich in Gesprächen mit einem Hedgefonds, um eine wichtige Kreditlinie zu refinanzieren. Die Aktien der Credit Suisse fielen um vier Prozent auf ein neues Rekordtief. Einige Kunden der kriselnden Schweizer Großbank haben einem Medienbericht zufolge Geld aus ihren Konten abgezogen. "Wir haben insgesamt ein Prozent unserer Vermögensbasis verloren", sagte der Leiter der Schweiz-Einheit, Andre Helfenstein, der "SonntagsZeitung". (Bericht von Zuzanna Szymanska, redigiert von Christian Rüttger. Bei Rückfragen wenden Sie sich an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)
Am 28. November 2022 um 11:55 Uhr
Türkische Zentralbank drückt Zins in einstelligen Bereich - Lira auf Rekordtief

Türkische Zentralbank drückt Zins in einstelligen Bereich - Lira auf Rekordtief

Istanbul (Reuters) - Die türkische Zentralbank hat ihren Leitzins ungeachtet einer extrem hohen Inflation erstmals seit mehr als zwei Jahren in den einstelligen Bereich gesenkt. Er werde auf 9,0 von 10,5 Prozent zurückgenommen, gaben die Währungshüter am Donnerstag bekannt. Das ist der niedrigste Stand seit August 2020. Von der Nachrichtenagentur Reuters befragte Ökonomen hatten diesen Schritt erwartet. Die Notenbank signalisierte zugleich, vorerst keine weiteren Senkungen vorzunehmen, "da der derzeitige Leitzins angemessen ist". Präsident Recep Tayyip Erdogan hatte gefordert, das Niveau bis Jahresende in den einstelligen Bereich abzusenken. Die Zentralbank hatte vor mehr als einem Jahr mit der Lockerung ihrer Geldpolitik begonnen. Damals lag der Zinssatz noch bei 19 Prozent. Bei Ökonomen sorgt dieser Kurs für Kopfschütteln. Die Inflationsrate liegt bei mehr als 85 Prozent. Die große Mehrheit der Experten empfiehlt daher, die starke Teuerung mit höheren Zinsen zu bekämpfen, wie das etwa die US-Notenbank Fed und die Europäische Zentralbank (EZB) versuchen. Argentinien, wo die Inflationsrate ebenfalls bei mehr als 80 Prozent liegt, hat den Leitzins auf mittlerweile 75 Prozent festgesetzt. Die türkische Landeswährung Lira geriet unmittelbar nach Bekanntgabe der Entscheidung erneut unter Abwertungsdruck: Der Kurs fiel auf das Rekordtief von 18,66 zum Dollar. Sie hat allein im vergangenen Jahr mehr als 44 Prozent an Wert verloren, in diesem Jahr noch einmal um etwa 30 Prozent. Das kurbelt zwar die Exporte an, weil türkische Waren auf den Weltmärkten preislich wettbewerbsfähiger werden. Gleichzeitig wird damit die Inflation weiter befeuert, da Importe dadurch teurer werden. Dennoch rechnet die Notenbank damit, "dass der Disinflationsprozess in Gang kommen wird". Mittelfristig wird eine Teuerungsrate von fünf Prozent angestrebt. (Bericht von Ali Kucukgocmen, geschrieben von Rene Wagner. Redigiert von Kerstin Dörr. Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com)
Am 24. November 2022 um 12:41 Uhr
Börse Wall Street : 
                Verunsicherung über US-Zinspfad lähmt Europas Börsen

Verunsicherung über US-Zinspfad lähmt Europas Börsen

Frankfurt (Reuters) - An Europas Aktienmärkten halten die Anleger zur Wochenmitte die Füße still. Der Dax gab bis zum Nachmittag 0,3 Prozent nach auf 14.373 Punkte, der EuroStoxx50 pendelten wenig verändert bei 3929 Zählern. Auch an der Wall Street gab es vorbörslich kaum Bewegung. "Die Zinspolitik schwebt weiterhin wie ein Damoklesschwert über den Börsen und die steigenden Infektionszahlen in China schüren erneut Konjunktursorgen", sagte Marktanalyst Christian Henke vom Broker IG. Mit Spannung warteten Investoren auf die Protokolle der jüngsten Zinssitzung der US-Notenbank am Abend (MEZ), um weitere Rückschlüsse auf den künftigen Kurs der Währungshüter ziehen zu können. Allgemein wird an den Börsen mit einer langsameren Gangart seitens der US-Notenbank gerechnet. "Dennoch dürften die Zinsen weiter erhöht werden, um die Inflation weiter zu bekämpfen", sagte Henke. Der Dollar-Index, der den Kurs zu wichtigen Währungen widerspiegelt, gab im Vorfeld 0,3 Prozent auf 106,93 Punkte nach. Der Euro notierte fester bei 1,0321 Dollar, nachdem sich die Konjunkturaussichten in Europa weniger trüb zeigten als erwartet. Die Wirtschaft der Euro-Zone hat im November ihre Talfahrt überraschend verlangsamt, wie aus dem Einkaufsmanagerindex für die Privatwirtschaft des Finanzdienstleisters S&P Global hervorging. Der Chefvolkswirt der VP Bank, Thomas Gitzel, wertete dies als Hoffnungssignal: "Möglicherweise kommt die Eurozone besser über die Wintermonate als bislang vermutet." In den USA fiel der Zuwachs der Auftragseingänge für langlebige Güter mit einem Prozent mehr als doppelt so hoch aus wie erwartet. ÖLPREISE DREHEN NACH DETAILS ZU OBERGRENZEN INS MINUS An den Rohstoffbörsen ging es mit den Ölpreisen nach anfänglichen Gewinnen nach unten. Die Ölsorte Brent aus der Nordsee sowie US-Leichtöl WTI verbilligten sich jeweils um knapp drei Prozent auf 85,88 und 78,88 Dollar je Barrel. Giovanni Staunovo, Rohstoffanalyst bei der UBS, wies darauf hin, dass die Preisobergrenze der G7-Staaten für russisches Öl über dem derzeitigen Kursniveau liegen könnte. Einem EU-Diplomaten zufolge dürfte der Deckel in einer Größenordnung von 65 bis 70 Dollar pro Barrel liegen. Refinitiv-Daten zufolge wird die russische Rohölsorte Urals-Öl, das nach Nordwesteuropa geliefert wird, zu Preisen zwischen 62 und 63 Dollar pro Barrel gehandelt. Im Mittelmeerraum liegt der Preis mit rund 68 Dollar je Barrel höher. Unter Druck setzen den Ölpreis zudem Spekulationen auf eine sinkende Nachfrage des größten Rohölimporteurs China. Der Wirtschaft der Volksrepublik machen wieder steigende Corona-Infektionen und verschärfte Restriktionen zu schaffen. GELDABFLÜSSE BEI CREDIT SUISSE Bei den Einzelwerten rückte die Credit Suisse mit einem erwarteten Vorsteuerverlust von rund 1,5 Milliarden Franken im Schlussquartal ins Rampenlicht. Die Kunden der krisengeplagten Großbank ziehen weiterhin Milliarden von dem Schweizer Institut ab. Die Aktien des Geldhauses sackten rund 3,5 Prozent ab. Vontobel-Analyst Andreas Venditti bezeichnete die massiven Nettoabflüsse im Wealth Management als "sehr besorgniserregend". Einen Bogen machten Anleger nach einer Herabstufung auch um Siemens Healthineers. Die Aktien des Medizintechnik-Konzerns rutschten mit einem Kursminus von rund drei Prozent ans Dax-Ende. Die Analysten von Jefferies setzten die Titel auf "Hold" von zuvor "Buy". Angesichts von Personalknappheit und höheren Finanzierungs- sowie Baukosten zeigten sich die Experten der Investmentbank vorsichtig mit Blick auf das Auftragswachstum im nächsten Jahr. Dagegen griffen Investoren bei Glencore zu. Die Titel des Bergbau- und Rohstoffhändlers zogen in London mehr als drei Prozent an, nachdem sich der Konzern beim Verkauf einer Kupfermine in Australien durchgesetzt hat. Das in den USA börsennotierte SPAC-Unternehmen Metal Acquisition habe geänderten Zahlungsbedingungen des 1,1 Milliarden Dollar schweren Deals zugestimmt. (Bericht von Anika Ross, Stefanie Geiger, redigiert von Hans Seidenstücker.; Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte)
Am 23. November 2022 um 15:38 Uhr
Steigende Corona-Zahlen in China treiben Europas Anleger um

Steigende Corona-Zahlen in China treiben Europas Anleger um

Frankfurt (Reuters) - Ein drohender Rückschlag für den wichtigen Handelspartner China wegen erneut steigender Corona-Zahlen bremst die Aktienmärkte aus. Dax und EuroStoxx50 fielen am Montag um jeweils rund ein halbes Prozent auf 14.371 und 3909 Punkte. An der Wall Street deuteten die US-Futures ebenfalls auf einen schwächeren Handelsstart hin. "Die Hoffnungen auf ein schnelles Ende der Zero-Covid-Strategie können fürs Erste ad acta gelegt werden", sagte Portfolio-Manager Thomas Altmann vom Vermögensberater QC Partners. Die eingetrübten Aussichten wegen der wiederaufgeflammten Coronavirus-Pandemie in der Volksrepublik belastete auch Rohstoffe. Die Rohöl-Sorte Brent aus der Nordsee verbilligte sich um knapp ein Prozent auf 87,14 Dollar je Barrel (159 Liter). Der Preis für das Industriemetall Kupfer fiel um fast zwei Prozent auf 7946 Dollar je Tonne. Trotz der aktuellen Kursrücksetzer am Aktienmarkt sei der Aufwärtstrend aber weiter intakt, gab Jochen Stanzl, Analyst des Online-Brokers CMC Markets, zu bedenken. Grund hierfür sei der fallende Ölpreis. "Offenbar waren die Ängste vor einem Lieferengpass durch Sanktionen und Embargos der russischen Lieferungen unbegründet. Sowohl für die Inflation als auch die Unternehmen und damit für den Aktienmarkt eine gute Nachricht." ERZEUGERPREISE GEHEN ZURÜCK - BITCOIN UNTER DRUCK In dieses Bild passte der Rekord-Rückgang der deutschen Erzeugerpreise im Oktober um 4,2 Prozent zum Vormonat. "Allerdings können sich die Endverbraucher noch nicht so richtig mitfreuen", warf LBBW-Analyst Jens-Oliver Niklasch ein. Denn für sie seien die Energiepreise anders als für Großkunden im Oktober weiter gestiegen. Gleichzeitig litten Cyber-Devisen erneut unter den Nachwehen des Kollapses der Kryptowährungsbörse FTX. Bitcoin verbilligte sich um drei Prozent auf 16.165 Dollar, Ethereum fiel um mehr als sechs Prozent auf 1133 Dollar. "Es dominiert nach wie vor die Furcht, dass weitere Krypto-Unternehmen in den kommenden Tagen und Wochen kollabieren könnten", sagte Analyst Timo Emden von Emden Research. Einige Firmen sind bereits ins Trudeln geraten. SUSE ÜBERZEUGT MIT AUSBLICK - VALLOUREC ENTTÄUSCHT Bei den deutschen Aktienwerten stach Suse mit einem Kursplus von bis zu 8,5 Prozent heraus. Die operative Gewinnmarge für das abgelaufene Geschäftsjahr 2021/2022 wird ersten Berechnungen des Softwarehauses zufolge bei 36 bis 37 Prozent und damit am oberen Ende der angepeilten Spanne liegen. Für 2022/2023 visiert der Linux-Spezialist ein wechselkursbereinigtes Umsatzplus von elf bis 13 Prozent und eine weitere Verbesserung der Gewinnmarge an. Das sei ein optimistischerer Ausblick als von ihm erwartet, kommentierte Analyst Charles Brennan von der Investmentbank Jefferies. Dagegen gaben die Titel von Vallourec in Paris um rund neun Prozent nach, nachdem der Anstieg des Kerngewinns hinter den Erwartungen geblieben war. Die höheren Energiekosten an den deutschen Standorten würden sich wohl bis ins nächste Jahr hinein bemerkbar machen, teilte der französische Stahlhersteller mit. In London verbuchte Virgin Money mit einem Plus von zeitweise knapp 16 Prozent unterdessen den größten Kurssprung seit zwei Jahren. Das britische Geldhaus steigerte seinen Vorsteuergewinn im abgelaufenen Geschäftsjahr 2021/2022 den Angaben zufolge um 43 Prozent auf umgerechnet 686 Millionen Euro. Außerdem kündigte Virgin Money eine Abschluss-Dividende von 7,5 Pence je Aktie und den Rückkauf weiterer Anteilsscheine im Volumen von 58 Millionen Euro an. (Bericht von Stefanie Geiger, Hakan Ersen; redigiert von Kerstin Dörr. Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)
Am 21. November 2022 um 16:28 Uhr
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