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Machtkampf bei Ceconomy eskaliert - Chef vor dem Abgang

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16.10.2019 | 12:56
The logo of Ceconomy AG is pictured at the company's headquarters in Duesseldorf

Düsseldorf (Reuters) - Bei der kriselnden Elektronikhandelsholding Ceconomy steht Vorstandschef Jörn Werner nur ein gutes halbes Jahr nach seinem Amtsantritt vor dem Abgang.

Werner sei nicht mehr zu halten, sagten mehrere Insider am Mittwoch zu Reuters. Hintergrund sei ein Machtkampf mit dem Chef der Elektronikhandelsketten Media Markt und Saturn, Ferran Reverter. Die beiden Manager hätten in den vergangenen Monaten um eine Strategie gerungen, um eine Antwort auf die Konkurrenz von Online-Riesen wie Amazon zu finden. Um Umfang und Tempo der neuen Strategie habe es Differenzen gegeben. Ceconomy ist Mehrheitseigner von MediaMarktSaturn. "Der Machtkampf ist eskaliert", sagte eine mit der Debatte vertraute Person. "Herr Werner muss nun Konsequenzen ziehen."

Eine Ceconomy-Sprecherin verwies auf eine Pflichtmitteilung vom Vortag. Demnach kommt der Ceconomy-Aufsichtsrat am Donnerstag zusammen und berate "über eine mögliche vorzeitige Beendigung der Bestellung des Vorstandsvorsitzenden, Herrn Jörn Werner". Durch diese Formulierung sei Werner nicht mehr zu halten, sagte ein weiterer Insider. Es gebe noch ein sehr geringe Möglichkeit, dass der Ceconomy-Aufsichtsrat mit dem ehemaligen Co-Chef der Deutschen Bank Jürgen Fitschen an der Spitze noch in letzter Minute eine Wende vollziehe. Doch das sei eher unwahrscheinlich. Auch Freenet-Chef und Ceconomy-Aufsichtsrat Christoph Vilanek hat mehreren mit den Vorgängen vertrauten Personen zufolge immer wieder Kritik am Wirken des Ceconomy-Chefs geübt. Eine Freenet-Sprecherin wollte sich nicht äußern. Freenet hält gut neun Prozent der Ceconomy-Stammaktien. Größter Einzelaktionär ist die Duisburger Familien-Holding Haniel mit rund 22,7 Prozent.

"ALPHA-TIERE MIT UNTERSCHIEDLICHEN KOMPETENZEN"

Werner, ehemaliger Chef der Auto-Werkstattkette A.T.U. und des Elektronikhändlers Conrad Electronic, war erst im März an die Spitze der Düsseldorfer Holding gerückt. "Wir müssen die Frage beantworten, wie wir in einer digitalisierten Welt und einem radikal veränderten Umfeld künftig unser Geschäft betreiben wollen", hatte Werner damals gesagt. Er wolle die neue strategische Positionierung Ceconomys mit Hochdruck vorantreiben. Doch dann gab es Streit - auch wegen hausgemachter Probleme. Werner steht der Düsseldorfer Holding vor, Reverter gebietet in Ingolstadt über die größten Ceconomy-Beteiligungen Media Markt und Saturn mit etwa 62.000 Mitarbeitern, über 1000 Märkten und einem Jahresumsatz von rund 21 Milliarden Euro. Es habe Differenzen um die Rolle Werners gegeben und um die Frage, wie weit er in das Geschäft der Ketten hineinregieren könne, sagten Insider. Die Holding sei ein Stück weit abgekoppelt von Ingolstadt, dort wiederum habe sich eine Gruppe von Managern um Reverter geschart. In der Folge seien "zwei Alpha-Tiere mit unterschiedlichen Kompetenzen" aneinander geraten. Fitschen habe den Konflikt nicht entschärfen können.

Werner stand aber immerhin in einer Sache kurz vor einem Erfolg: Der seit Jahren andauernde Streit mit dem MediaMarktSaturn-Minderheitseigner Convergenta zeichnet sich eine Lösung ab. Convergenta gehört der Gründerfamilie der Elektronikhandelsketten, Kellerhals, und hält rund 21 Prozent an MediaMarktSaturn. Bei einem Abgang Werners würden hier die Karten neu gemischt.

Wenn Werner das Handtuch werfen müsse, könnte es Insidern zufolge eine Interims-Lösung an der Ceconomy-Spitze geben. Auch damit hat die Düsseldorfer Holding Erfahrung. Vor gut einem Jahr war nach Pleiten, Pech und Pannen der damalige Vorstandschef Pieter Haas in die Wüste geschickt worden. Auch der damalige Finanzchef Mark Frese hatte seinen Hut nehmen müssen. Damals hatte sich der ehemalige Beiersdorf-Vorstand Bernhard Düttmann in die Bresche geworfen. Düttmann sitzt noch immer im Ceconomy-Aufsichtsrat.

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