Zürich (awp) - Angeführt von den US-Technologiegiganten sind die Ausgaben für Forschung und Entwicklung weltweit auf einen neuen Rekord von 782 Milliarden Dollar gestiegen. Das sind gut 11 Prozent mehr als im Vorjahr. Ganz anders sieht es in der Schweiz aus: Hierzulande sind die Forschungs- und Entwicklungsbudgets um 10 Prozent geschrumpft.

Insgesamt haben die grössten Schweizer Konzerne 27,7 Milliarden Franken in die Forschung gesteckt, wie eine Studie des Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsunternehmens PWC unter den 1'000 grössten börsenkotierten Konzernen feststellte, die am Mittwoch veröffentlicht wurde. Für den Rückgang von gut 3 Milliarden Franken gegenüber dem Vorjahr sind vor allem die beiden Pharmariesen Roche und Novartis verantwortlich.

Während Roche rund 1 Milliarde Dollar weniger für F&E ausgibt, sind es bei Novartis 1,1 Milliarden Dollar weniger. Damit haben beide Basler Konzerne an Terrain eingebüsst. Mit 10,8 Milliarden Dollar belegt Roche noch Platz 8 in der Rangliste, Novartis mit 8,5 Milliarden Dollar Platz 12. Im vergangenen Jahr hatte Roche noch Rang 7 und Novartis Rang 10 inne.

Rückgang nicht unbedingt negativ

Dennoch haben die beiden Pharmariesen die mit Abstand grössten Ausgaben für Forschung und Entwicklung. Nestlé als nächster Schweizer Konzern folgt in der Rangliste auf Platz 94 mit F&E-Investitionen von 1,8 Milliarden Dollar. Noch weiter hinten liegt ABB auf Rang 115. Der Elektrotechnik- und Automationskonzern steckt 1,4 Milliarden Dollar in F&E.

"Die Abnahme der F&E-Budgets in der Schweiz muss nicht unbedingt negativ sein, denn erfolgreiche Innovation steht nicht in direktem Zusammenhang mit der Grösse der Budgets", erklärte PWC-Schweiz-Sprecher Fabio Tobler. Der zunehmende Einsatz digitaler Technologien ermögliche es der Pharmabranche, die klinische Forschung wesentlich effizienter zu gestalten und mit geringerem Budget mehr zu erreichen, hiess es im Communiqué.

Trotz dem Rückgang stecken die Schweizer Grosskonzerne immer noch deutlich mehr vom Umsatz (8,3 Prozent) in Forschung und Entwicklung als im internationalen Mittel (4,5 Prozent).

Amazon weit voraus

Im globalen Vergleich weisen allerdings auch die beiden forschungsintensivsten Schweizer Konzerne einen grossen Abstand zur Spitze auf: Dort thront wie im Vorjahr Amazon, das im Untersuchungszeitraum, dem Fiskaljahr bis Ende Juni 2018, 22,6 Milliarden Dollar in F&E gesteckt hat. Der Onlineversandkonzern hat seine Ausgaben somit um 4,5 Milliarden Dollar gesteigert.

Auf Platz zwei folgt die Google-Mutter Alphabet mit 16,2 Milliarden Dollar vor dem ersten europäischen Konzern, Volkswagen (15,8 Milliarden Dollar). Dahinter liegen der Handyhersteller Samsung, der Chipproduzent Intel, der Softwaregigant Microsoft und der iPhone-Konzern Apple.

Apple mit bestem Ruf

Gerade bei Apple auf Platz 7 zeigt sich die Diskrepanz zwischen den tatsächlichen Ausgaben von 11,6 Milliarden Dollar und dem Ruf. Wie innovativ Unternehmen von aussen wahrgenommen würden, stehe nicht in direktem Zusammenhang mit den F&E-Budgets, stellte PWC fest.

"Die Befragung internationaler F&E-Verantwortlicher ergab, dass 2018 Apple vor Amazon und Alphabet als das innovativste Unternehmen weltweit gilt." Auf den Rängen vier bis zehn folgen Microsoft, Tesla, Samsung, Facebook, GE sowie die Neueinsteiger Intel und Netflix.

Diese als innovativ wahrgenommenen Unternehmen seien im Schnitt auch finanziell erfolgreicher als die Konzerne, die am meisten in Forschung und Entwicklung stecken würden, hiess es weiter. So stiegen etwa die Einnahmen der zehn am innovativsten wahrgenommenen Unternehmen in den letzten fünf Jahren mit 49 Prozent stärker als die der Top 10 der Unternehmen mit den höchsten F&E-Ausgaben (+37 Prozent).

"Grosse Investments allein reichen nicht aus, um die Innovationskraft zu fördern", erklärte Peter Kasahara von PWC Schweiz. Es brauche ein tiefes Verständnis für die Bedürfnisse der Endkonsumenten und die Fokussierung der Forschungsvorhaben auf die richtigen Kernfelder.

Chinesische Konzerne geben Gas

Im weltweiten Vergleich stockten der Untersuchung zufolge vor allem chinesische (+34,4 Prozent) und europäische Unternehmen (+14 Prozent) ihre Innovationsausgaben auf, in Nordamerika wuchsen die Budgets lediglich um 7,8 Prozent.

Chinesische Unternehmen zeigten, dass sich Asien in Sachen Forschung und Entwicklung "gerade erst warmläuft", erklärte Peter Gassmann von PWC. Dort werde in den kommenden Jahren vermutlich ein Grossteil der Schlüsseltechnologien entwickelt.

jb/rw