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Greensill-Whistleblower warnten Bafin mehrmals vor Betrug - WSJ

01.04.2021 | 09:54

Von Duncan Mavin und Julie Steinberg

FRANKFURT (Dow Jones)--Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht(Bafin) hat im vergangenen Jahr einige Hinweise von Whistleblowern bekommen, die der Bremer Greensill Bank Betrug vorwarfen. Die Aufsichtsbehörde erhielt die ersten Warnungen im zweiten Quartal 2020, geht aus einem internen Regierungsbericht hervor, in den das Wall Street Journal (WSJ) Einsicht hatte.

Die Informanten behaupteten, dass einige Greensill-Vermögenswerte mit gefälschten Rechnungen unterlegt gewesen seien. Weitere Informationen soll die Bafin dann im dritten Quartal und einige weitere auch in diesem Jahr bekommen haben. Die Whistleblower hätten ihre Besorgnis über die finanzielle Situation der Greensill-Gruppe ausgedrückt sowie abermals verschiedene Betrugsvorwürfe erhoben.

Insbesondere das hohe Kreditrisiko bezüglich des Kunden Sanjeev Gupta und seines Konzerns GFC Alliance sei Anlass zur Sorge gewesen, heißt es. Gupta, ein Brite mit indischen Wurzeln, hatte sich auf den Aufkauf maroder Stahlwerke spezialisiert. Das Geld zur Finanzierung erhielt er von Greensill Capital, der Mutter der Bremer Greensill-Bank. Ein Sprecher von Gupta lehnte eine Stellungnahme ab.

   Zweifel an Qualifikation 

In Schreiben an das Management der Greensill Bank im vergangenen Jahr hat die Aufsichtsbehörde wiederholt Bedenken geäußert, unter anderem hinsichtlich der fachlichen Qualifikation der Geschäftsführer der Bank sowie möglicher Verstöße gegen die Corporate Governance, geht weiter aus dem Bericht hervor. Ein Bafin-Sprecher lehnte eine Stellungnahme ab.

Greensill Capital erklärte Anfang März, man habe externen Rat bei Rechts- und Steuerberatern zur Behandlung von Vermögenswerten bei der Greensill Bank eingeholt. Man sei "zu jeder Zeit transparent mit den Aufsichtsbehörden und Wirtschaftsprüfern über den Ansatz zur Klassifizierung von Vermögenswerten und die Methoden zur Bestimmung solcher Klassifizierungen gewesen", betonte die Gesellschaft.

Die Zeitleiste, die in dem Bericht umrissen ist, zeigt, dass die Behörden Greensill hinter den Kulissen mehr als ein Jahr lang unter die Lupe genommen haben, bevor die Sache aufflog.

Greensill Capital hatte sich auf die Lieferketten-Finanzierung spezialisiert. Dabei werden Forderungen von Lieferanten an Unternehmen vorfinanziert. Diese Kredite packte Greensill Capital in anleiheähnliche Wertpapiere.

Über die Banktochter in Bremen hat die Gesellschaft in den vergangenen Jahren Milliardengelder von Sparern eingeworben, mit denen Geschäfte in der Lieferketten-Finanzierung abgesichert wurden. Auch zahlreiche Städte und andere Gebietskörperschaften in Deutschland parkten Gelder bei der Greensill Bank.

   Credit Suisse betroffen 

Greensill hatte Anfang März Insolvenz angemeldet. Die Credit Suisse hatte den Handel mit Investmentfonds, die von dem Finanz-Start-up platzierte Wertpapiere enthielten, im Volumen von 10 Milliarden US-Dollar vorübergehend eingestellt. Kurz danach hat ein zweiter Fondsmanager - die GAM Holding AG - zuletzt den Anlegern den Handel in und aus seinem mit Greensill verbundenen Fonds "wegen der jüngsten Marktentwicklungen" und der damit verbundenen Medienberichterstattung untersagt.

Die Bafin übernahm die Greensill Bank Anfang März, nachdem eine von ihr in Auftrag gegebene Prüfung, die teilweise auf den bei ihr eingegangenen Beschwerden beruhte, keine Belege für bestimmte Sicherheiten finden konnte, die ein großer Greensill-Kunde für die Kreditaufnahme verwendete. Die BaFin reichte eine Strafanzeige gegen die Bank bei der Staatsanwaltschaft ein.

Das Amtsgericht Bremen hat mittlerweile auf Antrag der Bafin das Insolvenzverfahren für die Greensill Bank AG eröffnet.

Greensill wirft erneut Fragen zur Arbeitsweise der Bafin auf, der Versagen bei der Überwachung des Zahlungsabwicklers Wirecard AG vorgworfen, der im Juni 2020 insolvent wurde. Kleine Städte, die Gelder bei der Greensill Bank angelegt hatten, haben sich beschwert, dass sie nicht informiert wurden, obwohl Untersuchungen bei der Bank liefen.

   Keine Bafin-Infos für die Öffentlichkeit 

Die Bafin teilte im März mit, sie könne der Öffentlichkeit aufgrund einer Vertraulichkeitsverfügung nichts über eine Sonderprüfung oder Aufsichtsmaßnahmen sagen.

Greensill hatte die kleine Bremer Bank, die früher als NordFinanz Bank AG bekannt war, 2014 übernommen. Sie hat rund 20 Mitarbeiter. 2019 verwendete Greensill den Großteil einer Investition des Vision Fund der japanischen Softbank Group Corp zur Rekapitalisierung der deutschen Bank. Eine Sprecherin von SoftBank lehnte einen Kommentar ab.

Greensill Capital verpackte die Kredite zur Finanzierung der Lieferkette in anleiheähnliche Wertpapiere und verkaufte sie an Investoren. Es behielt die Kredite auch in der Bilanz der Bank, manchmal um sie später an Anleger zu verkaufen.

Die Bafin überwachte die Greensill Bank laut dem Bericht mindestens seit Januar 2019 und war besonders besorgt über die Eigentümerstruktur der Bank und ihr Engagement bei einem einzigen Greensill-Kunden. Sie schickte am 3. März 2020 einen Brief an die Greensill Bank, in dem sie feststellte, dass es eine hohe Konzentration von Vermögenswerten gebe, die mit Transaktionen mit Guptas GFG Alliance zusammenhingen, so der Bericht.

   Wiederholte Treffen mit Greensill-Management 

Die Aufsichtsbehörde hielt daraufhin eine Reihe von Treffen mit der Führung von Greensill Capital und Greensill Bank ab. Sie traf sich in den nächsten Monaten mit Mitgliedern des Vorstands der Bank, so der Bericht und eine Zeugenaussage von Greensill im Insolvenzverfahren von Greensill in Großbritannien.

Im September 2020 beauftragte die Bafin KPMG LLP mit einer forensischen Prüfung der Bank. Die Aufsichtsbehörde war unruhig geworden, als sie erkannte, dass Greensill direkt mit Guptas Firmen in Verbindung stand. Ein Sprecher von KPMG sagte, dass das Unternehmen von der Bafin mit der Untersuchung beauftragt wurde, lehnte aber eine weitere Stellungnahme ab.

Am 25. Januar war der Bafin laut Bericht dann bekannt, dass die Sonderprüfung Beweise aufgedeckt hatte, die die Zukunft der Bank in Frage stellten und "schwerwiegende Verstöße des Managements" offenbarten.

Kontakt zum Autor: unternehmen.de@dowjones.com

DJG/DJN/cbr/smh

(END) Dow Jones Newswires

April 01, 2021 03:53 ET (07:53 GMT)

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