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HINTERGRUND/Chinas Covid-Lockdowns treffen Fabriken und Häfen hart

12.01.2022 | 12:59

Von Stella Yifan Xie, Yang Jie und Dan Strumpf

HONGKONG (Dow Jones)--Wegen des Wiederaufflammens von Covid-19 in ganz China schließen große Hersteller ihre Fabriken. Zugleich stauen sich in den Häfen die Waren und Arbeitskräfte werden knapp, da die Behörden die Städte abriegeln und Massentests in einem seit fast zwei Jahren nicht mehr gekannten Ausmaß vornehmen.

Die Aussicht auf anhaltende Störungen in der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt, die eine Null-Toleranz-Strategie zur Bekämpfung der Pandemie verfolgt, verstärkt die Befürchtung, dass die Störungen auf die Weltwirtschaft übergreifen. Bereits jetzt leiden Unternehmen wie der Speicherchiphersteller Samsung Electronics, die Wolfsburger VW und eine Textilfirma, die Nike sowie Adidas beliefert, unter Produktionsstörungen.

Seit Ende Dezember haben die Behörden Maßnahmen gegen den Ausbruch von Covid-19 in mehreren chinesischen Städten ergriffen, darunter die östliche Hafenstadt Tianjin, Xi'an in Zentralchina und das südliche Technologiezentrum Shenzhen. Im drittgrößten Containerhafen der Welt, Ningbo-Zhoushan, südlich von Tianjin, besteht die Gefahr, dass sich der Rückstau wegen Beschränkungen des Lkw-Verkehrs und des Lagerbetriebs vergrößert.

Der Auslöser: Es hatte mehr als zwei Dutzend Covid-19-Fälle in der Umgebung gegeben. Die chinesischen Behörden halten sich an das gleiche Schema, mit dem sie die ersten Ausbrüche der Pandemie erfolgreich eindämmten und das zu zeitweiligen Unterbrechungen der Produktions- und Lieferketten führte.

   Omikron hat das Zeug zum Alptraum für die Weltwirtschaft 

Doch die potenziellen Folgen sind dieses Mal schwerwiegender, wie Ökonomen warnen, da Omikron hochansteckend ist und in einigen Gebieten Chinas nachgewiesen wurde. Die Variante trifft das Land, während Peking zugleich versucht, Ausbrüche vor den Anfang Februar beginnenden Olympischen Winterspielen in den Griff zu bekommen. "Die Gefahr, die von der Omikron-Variante ausgeht, besteht darin, dass wir im Hinblick auf Engpässe in der Versorgungskette einen gewaltigen Schritt zurück machen könnten", berichtet Frederic Neumann von HSBC. "Diesmal könnte die Situation noch schwieriger sein als im vergangenen Jahr, da China eine immer wichtigere Rolle bei der weltweiten Versorgung spielt."

Mehrere Ökonomen argumentieren, dass China seine Eindämmungspolitik verschärfen könnte. Einige sprachen sogar von der Möglichkeit einer landesweiten Abriegelung, wie es sie seit April 2020 nicht mehr gegeben hat. Goldman Sachs senkte zuletzt die Wachstumsprognose für China für das Jahr 2022 angesichts der jüngsten Entwicklungen bei Covid-19 von 4,8 auf 4,3 Prozent.

Derweil stehen bei Toyotas Joint-Venture-Werk in Tianjin wegen der in der ganzen Stadt verhängten Massentests die Bänder still. Etwa 14 Millionen Einwohner von Tianjin, einem Industriezentrum im Nordosten Chinas, auf das 1,7 Prozent der chinesischen Exporte entfallen, wurden getestet, nachdem zwei Fälle der Omikron-Variante festgestellt worden waren.

   VW-Werke müssen Tore schließen 

Ein Volkswagen-Werk in der Stadt wurde ebenfalls geschlossen, wie Stephan Wöllenstein, China-Chef des Automobilherstellers, zuletzt berichtete. Das Unternehmen habe vor kurzem auch ein Werk in Ningbo, einer Hafenstadt im Osten Chinas, geschlossen, nachdem dort ein weiterer kleiner Covid-19-Ausbruch aufgetreten war. Wöllenstein fügt hinzu, dass die chinesischen Behörden in vielen Fällen lokale Ausbrüche innerhalb weniger Wochen unter Kontrolle gebracht haben, so dass die Unternehmen ihren Betrieb wieder aufnehmen konnten.

"Wir beobachten sehr genau, was dort passiert, da Omikron das Potenzial hat, das Bild in China im Vergleich zu 2020 und 2021 erheblich zu verändern", erklärt Airbus-Chef Guillaume Faury, vom größten Flugzeughersteller der Welt. Er sagt, dass es bisher keine Lieferunterbrechungen in dem Land gegeben habe, auch nicht in Tianjin, wo das Unternehmen eine Endmontagelinie betreibt, die Passagiermaschinen wie die A320 produziert.

Westliche Verbraucher und Einzelhändler sind seit Beginn der Pandemie bei Produkten von Fahrrädern bis hin zu Laptops immer abhängiger von China geworden, und es wird erwartet, dass Chinas Handelsüberschuss 2021 wertmäßig ein Rekordhoch erreicht. "Das Risiko besteht darin, dass wir in den kommenden Monaten die Mutter aller Lieferketten-Engpässe erleben: einen von Omikron verursachten Stillstand in den asiatischen Fabriken", orakelt Neumann. Zwei der weltgrößten Hersteller von Speicherchips haben Probleme in Xi'an, einer zentralchinesischen Stadt, in der die Kommunalregierung ab Mitte Dezember strenge Pandemie-Beschränkungen verhängt hat.

   Chiphersteller geraten ins Straucheln 

Die südkoreanische Samsung Electronics hat nach Angaben von Personen, die mit der Angelegenheit vertraut sind, Probleme, genügend Mitarbeiter dorthin zu bringen, wo sie gebraucht werden, da die Einwohner der Stadt das Haus nicht verlassen dürfen. Dies könnte kurzfristig zu einem leichten Rückgang der Produktion führen, berichten sie. Eine Sprecherin von Samsung Electronics verwies auf eine frühere Erklärung, in der es hieß, dass das Unternehmen alle notwendigen Maßnahmen ergreifen werde, um sicherzustellen, dass die Kunden nicht von den Anpassungen an den Betrieb in Xi'an betroffen seien.

Derweil leidet auch das US-amerikanische Chipunternehmen Micron ganz erheblich. Der Lockdown in Xi'an führe zu einer Verringerung der Belegschaft an seinem Standort in der Stadt, was sich auf die Produktion seiner DRAM-Speicherchip-Produkte auswirke, hieß es von der Firma Ende Dezember.

(Mitarbeit: Yoko Kubota)

Kontakt zu den Autoren: unternehmen.de@dowjones.com

DJG/DJN/axw/smh

(END) Dow Jones Newswires

January 12, 2022 06:58 ET (11:58 GMT)

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