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RWE will auch nach US-Milliarden-Zukauf in Europa investieren

03.10.2022 | 17:09
ARCHIV: Abbildung zeigt das Logo von RWE

Frankfurt/Düsseldorf (Reuters) - RWE will auch nach einer milliardenschweren Übernahme in den USA weiter in Deutschland und Europa in erneuerbare Energien investieren.

Der Essener Konzern verstärkt zunächst sein Geschäft mit erneuerbaren Energien in den USA mit einem fast sieben Milliarden Euro schweren Zukauf. Der Energieriese kauft dem Regionalversorger Con Edison aus New York den Solaranlagen-Entwickler und -Betreiber Con Edison Clean Energy Businesses ab. Mit der 6,8 Milliarden Dollar (6,9 Milliarden Euro) - einschließlich Schulden - umfassenden Übernahme verdoppelt RWE nach eigenen Angaben seinen Bestand an Wind-, Solar- und Batteriespeicher-Anlagen in den USA fast und kommt nun auf eine installierte Leistung von 7,2 Gigawatt (GW).

"Wir wollten einen Schritt in den USA vorangehen", sagte RWE-Chef Markus Krebber am Montag: "Dies ist uns gelungen." Das bedeute aber nicht, dass der Konzern seine Ausgaben in Deutschland und Europa zurückschrauben wolle - im Gegenteil. Genaue Pläne dafür werde RWE voraussichtlich 2023 vorlegen.

Für RWE ist es die größte Übernahme seit der Abspaltung von Innogy 2018. Bei der Finanzierung bekommt der Essener Konzern Unterstützung vom Staatsfonds von Katar, QIA. Dieser zeichnet eine 2,43 Milliarden Euro schwere Pflichtwandelanleihe. Damit kann QIA mit gut neun Prozent bei RWE einsteigen und zu dessen größtem Aktionär aufsteigen. Der Golfstaat ist in Deutschland bereits bei der Deutschen Bank, bei Volkswagenund Porsche engagiert.

"Die Übernahme von Con Edison Clean Energy Businesses bedeutet einen enormen Schub für die grüne Expansion von RWE in den USA, einem der attraktivsten und am schnellsten wachsenden Märkte für Erneuerbare Energien", sagte Krebber zudem. Damit werde RWE in den USA zur Nummer zwei unter den Betreibern von Solaranlagen und zur Nummer vier bei Erneuerbaren Energien insgesamt. Der Abstand zur Nummer eins, NextEra, der auf eine installierte Leistung von 58 Gigawatt kommt, ist aber groß.

Rund 90 Prozent der installierten Kapazität von drei GW bei Con Edison Clean Energy besteht aus Solaranlagen. Damit schraubt RWE den Solar-Anteil in seinem Portfolio auf 40 von bisher drei Prozent. Dazu kommt laut RWE eine Entwicklungs-Pipeline von weiteren sieben GW, die die Projekt-Pipeline des Konzerns dort auf 24 GW wachsen lasse.

Deutschland will seine Energieversorgung auf Erneuerbare Energien umstellen, kämpft derzeit aber mit dem Ausfall der Gas-Lieferungen aus Russland. Gas sollte als Brückentechnologie nach dem Aus von Kohle und Atomkraft dienen. Vor diesem Hintergrund kritisierte der aktivistische RWE-Aktionär Enkraft den Schritt: "Es ist vollkommen unverständlich, dass der größte deutsche Energieversorger in der größten Energiekrise in Deutschland einen sieben Milliarden Euro großen Unternehmenskauf in USA durchführt. In Deutschland wissen Stromkunden nicht mehr, wie sie die Strompreise bezahlen wollen, und Herr Krebber geht mit den hohen Gewinnen in USA einkaufen." Enkraft hält 0,15 Prozent an RWE.

Krebber wies die Kritik zurück. RWE tue alles, um dabei zu helfen, die Bundesrepublik aus der Energie-Krise zu führen. "Diese Transaktion wird nicht dazu führen, dass wir unsere Investitionspläne in Europa zurückfahren", betonte der RWE-Chef. Der Konzern sei auch bereit, mehr zu tun - doch brauche es mehr Genehmigungen und schnellere Planungsverfahren. Ein langfristiger und stabiler politischen Rahmen für Investitionen im Bereich der Energiewende in Europa - wie es ihn in den USA schon gebe - sei ebenfalls wünschenswert.

Mit dem Vollzug der Übernahme rechnet RWE im ersten Halbjahr 2023. Con Edison Clean Energy soll gleich im ersten Jahr ein operatives Ergebnis (Ebitda) von 600 Millionen Dollar zum Gewinn von RWE beisteuern. Der Konzern hatte für Investitionen in "grüne Energien" in den USA schon 15 Milliarden Euro eingeplant. "Ich freue mich, dass QIA die Ambitionen von RWE, schneller und stärker zu wachsen, mit zusätzlichem Eigenkapital unterstützt", sagte Krebber. Den Teil des Kaufpreises von rund 4,4 Milliarden Dollar, den QIA nicht trägt, will RWE mit Krediten finanzieren. An der für 2022 geplanten Dividende von 90 Cent je Aktie soll nicht gerüttelt werden.

(Bericht von Alexander Hübner, Christoph Steitz und Matthias Inverardi; redigiert von Ralf Bode. Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter frankfurt.newsroom@tr.com)


© Reuters 2022
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