Zürich (awp) - Am Schweizer Aktienmarkt setzt sich der zähe Seitwärtstrend der vergangenen Wochen weiter fort. Auch die vorübergehende Einigung im US-Haushaltsstreit vermag den SMI nicht aus seiner Lethargie zu holen. Denn schon in 45 Tagen dürften die Finanzmärkte wieder an genau der gleichen Stelle stehen. So lange währt die Übergangslösung zwischen den beiden politischen Lagern. "Das Spiel könnte sich so noch viele Monate bis ins nächste Jahr hinein fortsetzen", warnt ein Händler. "Mit jedem neuen Streit wächst aber das Risiko einer erneuten Abstufung der Bonitätsnote durch eine der Ratingagenturen."

Diese Skepsis sei denn auch vor allem an den Anleihemärkten zu spüren. Anstatt zu steigen, fallen die Anleihen. "Der Zinsanstieg zeigt klar, dass die Anleger die nur vorübergehende Einigung in Washington nicht gutheissen." Diese Skepsis sollte auch eine Warnung für den Aktienmarkt sein. Denn steigende Zinsen treffen den Immobilienmarkt in den USA, wo die Hypothekenzinsen mittlerweile auf dem höchsten Stand seit 23 Jahren liegen. Die bislang veröffentlichten Daten sprechen auch nicht unbedingt für ein Kursfeuerwerk. Hierzulande bleibt die Industrie weiter unter der Wachstumsschwelle, wie der aktuelle Einkaufsmanager-Index (PMI) zeigt. Und auch in Europa trübt sich die Stimmung weiter ein.

Der SMI verliert gegen 11.00 Uhr 0,48 Prozent auf 10'911,19 Punkte. Der SLI, in dem die 30 wichtigsten Aktien enthalten sind, fällt um 0,38 Prozent auf 1708,05 und der breite SPI um 0,38 Prozent auf 14'313,99 Zähler. Von den 30 SLI-Werten geben zwei Drittel nach und ein Drittel legt zu.

Es sind vor allem die Abgaben bei den Schwergewichten, die den SMI massgeblich ins Minus drücken. Bei Roche fallen die Genussscheine (-1,2%) und die Inhaber (-1,0%) etwa gleich stark zurück. Novartis (-0,7%) und Nestlé (-0,5%) sind etwas weiter hinten im Verliererfeld zu finden.

Dabei hat Novartis am Morgen mit ersten Zwischenergebnissen aus einer derzeit laufenden Studie an sich Mut gemacht. Händler verweisen gleichzeitig aber auf eine Studie, die die im "Swiss Medical Journal" erschienen ist. Sie befasst sich vor allem mit den Kosten der personalisierten Zelltherapien CAR-T und kommt zu dem Schluss, dass nicht nur die Therapie selbst exorbitant viel kostet, das Gesundheitssystem wird auch mit immens hohen Folgekosten belastet. In Zeiten steigender Prämien seien das Nachrichten, die am Markt für schlechte Stimmung sorgten.

Aber auch sonst haben Gesundheitswerte keinen guten Stand. Alcon (-2,3%) fallen dabei am deutlichsten zurück. Sonova, Lonza und Straumann folgen mit Abgaben von bis zu 1,3 Prozent. Europaweit kommen die Branchenvertreter zum Wochenstart verstärkt unter Druck. Givaudan (-1,6%) als weiterer defensiver Vertreter, geben ebenfalls überdurchschnittlich stark nach.

Dagegen sind Zykliker gefragt. ABB und Schindler PS gewinnen jeweils mehr als 1 Prozent hinzu. Holcim (+0,8%), Kühne+Nagel (+0,3%) sowie die der Uhrenhersteller Richemont (+0,1%) ziehen ebenfalls an.

Beim Rolltreppen- und Liftkonzern Schindler sorgen die Experten von Morgan Stanley mit einer Hochstufung für eine gewisse Stütze. Beim Uhrenhersteller verweisen Börsianer auf die jüngsten Konjunkturdaten aus China und Japan, die leicht positiv seien. Zuletzt hatte Richemont unter zahlreichen Abstufungen und Kurszielsenkungen gelitten.

Noch deutlicher fällt die Erholung bei AMS Osram (+4,5%) aus. Bereits am Freitag war es nach dem Kurseinbruch vergangene Woche in Reaktion auf die geplanten umfangreichen Kapitalmassnahmen zu einer Gegenbewegung gekommen. Dieser folgten zum Wochenstart nun Anschlusskäufe.

Bei den kleineren Unternehmen ziehen zudem die Aktien von Basilea (+3,2%) an, nachdem die US-Gesundheitsbehörde den Zulassungsantrag für den Hoffnungsträger Ceftobiprol zur Prüfung angenommen hat. Bei Kardex (+1,2%) wiederum stützen die Experten von Kepler Cheuvreux mit einer neu ausgesprochenen Kaufempfehlung.

Derweil fallen Leclanché (-4,8%) und Aryzta (-1,0%) mit Abgaben auf. Der Batteriehersteller Leclanché hat von der Börsenaufsicht einmal mehr eine Fristerstreckung für die Publikation von Geschäftsergebnissen erhalten. Bei Aryzta nehmen Investoren Gewinne mit, nachdem der Backwarenkonzern starke Zahlen vorgelegt hat.

hr/kw