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Aktien Europa Schluss: Hoffnung auf Zoll- und Brexit-Abkommen treibt an

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11.10.2019 | 18:07

PARIS/LONDON (dpa-AFX) - Die Erholungsrally an Europas Börsen geht weiter - dank anhaltender Hoffnungen auf Lösungen im amerikanisch-chinesischen Handelskonflikt sowie im Brexit-Streit. Der EuroStoxx 50 baute am Freitag seine Gewinne im Tagesverlauf deutlich aus und schloss 2,17 Prozent höher bei 3569,92 Punkten.

Auf Wochensicht legte der Leitindex der Eurozone um knapp 3,2 Prozent zu. Die heftigen Verluste zu Monatsbeginn hat er damit wieder wettgemacht. In Frankreich ging der Cac 40 am Freitag 1,73 Prozent fester bei 5665,48 Punkten aus dem Handel. Der FTSE 100 in Großbritannien gewann lediglich 0,84 Prozent auf 7247,08 Punkte. Ihn bremste wie schon am Vortag das starke Pfund, welches britische Exporte ins Ausland tendenziell verteuert.

Bereits am Donnerstag hatte sich US-Präsident Donald Trump positiv über den Verlauf der neuen Handelsgespräche mit China geäußert. Die Verhandlungen, die noch vor dem Wochenende abgeschlossen werden sollen, liefen "wirklich gut", sagte er. Konkreter wurde Trump nicht, verwies aber erneut auf sein geplantes Treffen mit dem chinesischen Delegationsleiter, Vizepremier Liu He, an diesem Freitag im Weißen Haus.

Die Entwicklung der Handelsgespräche zwischen den USA und China könnte dazu führen, dass die USA die geplanten Zölle auf chinesische Waren in der kommenden Woche und im Dezember zunächst nicht einführten, merkten die Volkswirte der UBS in einem Kommentar an. Ein Handelskrieg gilt derzeit als eine der größten Gefahren für die Weltkonjunktur.

Positive Nachrichten gibt es auch zum ständigen Unsicherheitsfaktor Brexit. Nach überraschenden Fortschritten im Streit beraten Großbritannien und die Europäische Union, ob doch noch vor dem Austrittstermin am 31. Oktober ein Abkommen vereinbart werden kann. EU-Unterhändler Michel Barnier traf am Morgen in Brüssel den britischen Brexit-Minister Stephen Barclay. Das größte Hindernis vor einer Brexit-Einigung ist die Frage, wie die Grenze zwischen dem britischen Nordirland und dem EU-Nachbarn Irland offen gehalten werden kann.

An Europas Börsen gefragt waren vor dem Wochenende vor allem Banken- und Technologietitel: Deren Subindizes im marktbreiten Stoxx Europe 600 gewannen jeweils fast fünf Prozent. Während der Bankensektor von der neuen Zuversicht im Brexit-Streit profitierte, gab der Kurssprung von SAP nach starken Quartalszahlen des Softwarekonzerns dem Technologiesektor Auftrieb.

Dagegen legte der Index der Medienunternehmen mit über einem Prozent Plus nur unterdurchschnittlich zu. Ihn bremste der fast 15-prozentige Kurseinbruch bei Publicis, nachdem der französische Werbekonzern seinen Umsatzausblick zum zweiten Mal innerhalb von drei Monaten reduziert hatte. Es reagierte damit auf anhaltende Ausgabekürzungen für traditionelle Werbeformate durch US-Konsumgüterhersteller. Für Analyst Richard Eary von UBS wirft die Umsatzwarnung Fragen hinsichtlich der Unternehmensstrategie auf.

Im festen Ölsektor fielen BP-Titel mit Kursverlusten von mehr als anderthalb Prozent negativ auf. Der britische Ölkonzern hatte mitgeteilt, dass geplante Desinvestitionen im dritten Quartal zu einer außerordentlichen Belastung von zwei bis drei Milliarden US-Dollar führen werden.

Dagegen setzten die Aktien von Renault ihre Erholung fort und sprangen um rund fünf Prozent hoch. Bei den Anlegern kam es offenbar gut an, dass der krisengeplagte Autobauer seinen Generaldirektor Thierry Bolloré feuerte, der das operative Geschäft führte. Seine Interimsnachfolgerin Clotilde Delbos habe seit 2016 eine gute Finanzchefin abgegeben, so dass sie wohl auch als Konzernlenkerin eine gute Übergangslösung sein werde, kommentierte die schweizerische Bank Credit Suisse./gl/he

© dpa-AFX 2019

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