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MÜNCHEN (dpa-AFX) - Die gut laufende Digitalsparte und ein solides Geschäft im TV-Kernmarkt treiben ProSiebenSat.1 weiter kräftig an. Der RTL-Konkurrent erhöhte seine Umsatzprognose für das laufende Jahr - auch wenn das Werbegeschäft wegen der Fußball-Europameisterschaft und den Olympischen Spielen, für die ProSiebenSat.1 keine Übertragungsrechte hatte, nicht so gut lief wie erhofft. Die Lage habe sich aber auch ohne die Großereignisse zuletzt kaum gebessert.

Der Oktober sei mit Blick auf die TV-Werbung bisher eher durchwachsen gewesen, sagte Konzernchef Thomas Ebeling bei einem Kapitalmarkttag des Unternehmens in Unterföhring bei München. Analysten hatten bereits vor der Veranstaltung darauf hingewiesen, dass Anleger der Münchener besonderes Augenmerk darauf legen dürften, ob es gelinge, das Werbewachstum im deutschen Fernsehgeschäft im Schlussquartal wieder zu beschleunigen.

AKTIE TAUCHT AB

An der Börse sorgten die Aussagen zum Werbemarkt für Ernüchterung. Die im Dax notierte Aktie drehte nach einem freundlichen Start ins Minus und gab zuletzt mehr als drei Prozent ab. Damit verschärfte das Papier seinen jüngsten Abwärtstrend - mit einem Abschlag von rund einem Fünftel ist das Papier im bisherigen Jahresverlauf einer der schwächsten Dax-Titel.

Mittelfristig rechnet der Medienkonzern, der zuletzt vor allem von einem kräftigen Ausbau des Digitalgeschäfts profitierte, mit einem stärkeren Wachstum als zuletzt. Vor allem die zahlreichen Zukäufe der vergangenen Jahre zahlen sich hier aus. "Unsere Beteiligungen entwickeln sich sehr gut", sagte Ebeling.

Explizit nannte er die Reiseplattform Etraveli, den Youtube-Vermarkter CDS, die Online-Partnervermittlung Parship und das Verbraucherportal Verivox. Im laufenden Jahr soll der Erlös um mindestens 15 Prozent zulegen. Bislang hatte das Unternehmen mit einem Plus von mindestens 10 Prozent gerechnet.

GERINGERES WACHSTUM IM HEIMISCHEN TV-MARKT

Dabei rechnet der Konzern im deutschen TV-Werbemarkt jetzt mit einem geringeren Wachstum als bisher. Hier wird jetzt branchenweit ein Plus von etwas mehr als zwei Prozent erwartet. Bisher hatte ProSiebenSat.1 mit einem Anstieg von zwei bis drei Prozent gerechnet. Die Münchener gehen zudem davon aus, dass sie in diesem Jahr nicht so stark wie der Markt zulegen können.

Da der Konzern in den vergangenen Jahren das Geschäft mit Digitalangeboten wie Reiseportalen und Onlineshopping außerhalb des klassischen Fernsehgeschäfts stark ausgebaut hat, ist der positive Umsatz- und Ergebnisausblick für 2016 aber nicht beeinträchtigt.

Laut der erhöhten Wachstumsprognose dürfte der Umsatz im laufenden Jahr auf rund 3,8 Milliarden Euro steigen. Dank der Zukäufe im Digitalbereich geht Ebeling bis 2018 von weiteren kräftigen Zuwächsen aus. Er kalkuliert jetzt mit einem Umsatz von 4,5 Milliarden Euro und damit 300 Millionen Euro mehr als bisher. Experten hatten mit einer Anhebung in dieser Größenordnung gerechnet.

PROGNOSE LEICHT ERHÖHT

Auch das operative Ergebnis soll mittelfristig höher ausfallen. So sollen 2018 vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) und vor Sonderposten 1,15 Milliarden Euro verdient werden. Diese Prognose wurde damit leicht erhöht. Die meisten Analysten hatten allerdings ohnehin einen operativen Gewinn in dieser Größenordnung auf dem Zettel. 2015 hatte dieser Wert bei 925,5 Millionen Euro gelegen.

Im gerade abgelaufenen dritten Quartal legte der Umsatz um rund 15 Prozent und das operative Ergebnis um mehr als zehn Prozent zu. Für das vierte Quartal rechnet ProSiebenSat.1 mit weiterem Wachstum bei Umsatz und Ergebnis. Der Konzern bestätigte zudem seine Ziele für die Dividendenpolitik und den Verschuldungsgrad./zb/mis/stb/men

Unternehmen im Artikel: RTL Group, Prosiebensat 1 Media SE